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<title>Think Tank - Patria Germania</title>
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<title>Radikalismus statt Regieren: Die Linke hatte die Macht schon auf dem Fuß – dann kam dieser Parteitag</title>
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<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 13:39:56 +0000</pubDate>
<category>index</category>

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<content:encoded><![CDATA[<figure class="image align-center"><img src="https://apollo-news.net/wp-content/uploads/2026/06/imago859554326-1024x683.jpg" width="800" alt=""> <figcaption><span style="font-size:0.8em;">Völker, hört das Signal: Die Linke will woken, westdeutschen Radikalismus statt Pragmatismus. Nur die CDU kann sie jetzt noch normalisieren. (IMAGO/dts Nachrichtenagentur)</span></figcaption> </figure> <p>Eine sozialistische Volkspartei mit mehr als 20 Prozent: Das ist die Vision, die der scheidende Parteivorsitzende Jan van Aken seiner Linken mit auf den Weg gibt. Man kann es ihm kaum verübeln, denn die Linke ist im Aufwind. Bisher zumindest.</p> <p>Bei jungen Menschen ist die Partei populär, inszeniert sich als linke Opposition gegen eine auch auf dieser Seite des politischen Spektrums unbeliebte Regierung. Und nicht nur das: Es läuft eigentlich alles auf eine Regierungsbeteiligung der Linken zu – Brandmauer sei Dank. Angesichts der Umfragen vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern scheint die Frage nach einer Allparteienfront auch von CDU und Linkspartei kein „ob“, sondern nur noch ein „wann“ zu sein.</p> <p>Noch am Freitag war jedenfalls für alle politischen Beobachter klar, dass die Zeichen auf Zusammenarbeit zwischen den Schwarzen und den Tiefroten standen. Dann aber kam dieser Parteitag – ein Gottesgeschenk für alle, die sich in der CDU noch dagegenstemmen, zum Partner für die Kommunisten zu werden.</p> <p>Dieser Parteitag war ein Wochenende der Wahrheit: Weil die Linke mal wieder gezeigt hat, wo sie schon immer stand. Nämlich immer mit mindestens einem Fuß jenseits demokratischer Grenzlinien und mit dem Kopf in einer anderen Welt. Schon gemessen an den Anträgen und Beiträgen der Delegierten war der Parteitag der Linken in Potsdam</p> <p>Den neuen Parteivorsitzenden, Luigi Pantisano, hätte es da gar nicht mehr gebraucht. Aber er illustriert das Dilemma der Linken so hervorragend: Erst bejahte er Koalitionen mit der CDU. Dann erklärte er ebenjene CDU zu einer Kraft, die „faschistische Politik“ betreibe. Da kommt fast die Frage auf, ob die Linke quasi Steigbügelhalter der Faschisten ist, wo sie doch mit der CDU schon an mancher Stelle zusammenwirkt.</p> <p>Von dieser Aussage ist Pantisano mittlerweile wieder zurückgerudert. Dass er es im Herzen so sieht, darf man trotzdem weiterhin glauben. Er drückte ja nur ein Gefühl aus, das viele in der Linken haben. Dort verachten viele Radikale CDU und CSU ganz genauso wie die AfD. Und würden ihr gerne genauso begegnen.</p> <p>Diese Radikalen haben Oberwasser, nicht nur in der Frage des Umgangs mit der Union. Programmatisch haben sie der ohnehin radikalen Partei einen noch radikaleren Stempel aufgedrückt. Die Linke war auch vor dem Parteitag genauso radikal wie auf und nach dem Parteitag. Die Zusammenkunft in Potsdam hat es nur für alle sichtbar dar- und klargestellt. Völlig unabhängig von einer links-rechts-Bewertung: Die Linke gibt sich lieber der Ideologie als dem Pragmatismus hin. Jetzt mehr denn je.</p> <p>Die beschlossenen Anträge jedenfalls sprechen eine klare Sprache und grüßen aus dem abgeschlossenen Paralleluniversum. So beschloss der Parteitag etwa die Einordnung, dass die aktuelle Sozialstaats-Reformpolitik „durch anti-feministische, anti-queere, rassistische und rechtsextreme Einstellungen und Praktiken genährt“ werde. Man bekennt ein „queer-feministisches Programm nach außen, das patriarchale, binäre sowie hetero- und cis-normative Geschlechterverhältnisse als zentrale Säule kapitalistischer Herrschaft erkennt, analysiert und konsequent bekämpft“ und betont die wichtige Rolle von „FLINTAs.“ Abschiebungen werden, in Anlehnung an die Bezeichnung von Judentransporten in die KZ und Vernichtungslager, grundsätzlich als „Deportationen“ verunglimpft.</p> <p>Eine Partei darf das alles beschließen. Wenn sie denn eine Kraft der Skurrilitäten, der lauten ganz-klein-Minderheiten und der verkopften Gender-Studies-Studentenschaften sein will. „Volkspartei“, ob sozialistisch oder nicht, wird man mit solchen Inhalten jedenfalls nicht, weil das gemeine Volk mit seinen Lebensrealitäten darin einfach nicht vorkommt.</p> <p>Vor allem kann man mit solchem Auftreten auch keine Regierungspartei werden. Zumindest nicht aus eigener Kraft. Es liegt jetzt vor allem an der CDU, ob sie aus ihrer Empörung nach diesen Parteitag auch Lehren und Konsequenzen zieht – oder all das bis September wieder vergisst und am Ende trotzdem mit jenen kooperiert, die sie als Faschisten beschimpfen. Von Carsten Linnemann bis Daniel Günther wird sich darüber die Faschismus-Aussagen echauffiert. Zurecht – aber die Beschlüsse der Partei sprechen eine noch deutlichere Sprache als diese Antifa-Folklore.</p> <p>Offen bleibt, wie die Linke erfolgreich in die Ostwahlen treten will – mit Beschlüssen, die die deutsche und insbesondere ostdeutsche Lebensrealität so gar nicht abbilden und mit einem Vorsitzenden, der in seiner atemberaubenden Unbedarftheit noch auf dem Parteitag „fast jeden Zweiten“ in Ostdeutschland einen „Nazi“ nennt. Ausgerechnet vor so aufgeladenen Wahlen im Osten hat die Linke ihre Verwurzelung bei den Menschen in der ehemaligen DDR gekappt und sich endgültig den neulinken, woken Millieus in Westdeutschland und Berlin angedient. Das ist auch Ergebnis einer neuen, entsprechend geprägten Mitgliederschaft.</p> <p>Für die Wähler in Kreuzberg und Charlottenburg sind Flinta-Beschlüsse und verkopfte Anträge über queeren Antikapitalismus vielleicht noch das Gebot der Stunde – aber für niemanden sonst. Schon gar nicht für die Menschen in Neubrandenburg oder Bitterfeld. Kein Wunder, dass man in den Ostverbänden der Partei, die die Wahlkämpfe zu bestreiten haben, angesichts dieses Parteitages die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.</p> <p>Mit so einem Auftreten spendet man der Brandmauer nach Links, die in der CDU noch ein bisschen steht, zusätzliche Steine. Und bricht sie andererseits aus der Brandmauer zur AfD heraus. Nach diesem Parteitag wird es kaum noch argumentierbar sein, warum Kooperationen mit dieser Linken okay sind, mit der AfD aber nicht. Denn trotz gebetsmühlenartiger Bekenntnisse von Friedrich Merz und anderen, dass die CDU mit der AfD „gar nichts“ gemeinsam habe, weiß und sieht jeder, dass dem eben nicht so ist und es doch Gemeinsamkeiten gibt. Jedenfalls mehr als zwischen CDU und Linkspartei.</p> <p>Diese Realität ist, sehr zum Unglück von Daniel Günther und anderen linksoffenen CDU-Politikern, jetzt zementiert. Die Linke hat auf ihrem Parteitag ein Bekenntnis zum linken, woken Radikalismus der Großstädte geleistet. Manch ein Ostwahlkämpfer hätte sich wohl eher ein Signal der linken Normalität gewünscht, mit dem man auch auf dem Dorf in Mecklenburg oder Anhalt hätte punkten können.</p> <p><br></p> <p><img src="https://apollo-news.net/wp-content/uploads/2023/07/cropped-cropped-roland-120x120.jpg" width="120" height="120" alt=""></p> <p><span style="letter-spacing:0.1em;">Max Roland</span></p>]]></content:encoded>
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<title>Prozess gegen mutmaßliche IS-Unterstützerin: „Ich bin nicht so radikal“</title>
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<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 11:56:33 +0000</pubDate>
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<content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://www.achgut.com/images/archiv/_1190w/Nadine_D.2.JPG" width="800" alt="" role="presentation"></p> <p>Als der Prozess gegen die mutmaßliche IS-Unterstützerin Nadine D. am Donnerstag und am Freitag im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts (OLG) fortgesetzt wurde, warteten deren Angehörige im Zuschauerraum beide Male minutenlang stehend auf das Eintreten des 5. Strafsenats. Jeder, der häufiger mit Staatsschutz-Verfahren zu tun hat, kennt die Bedeutung dieses bei Milieus, die unseren Rechtsstaat ablehnen, äußerst beliebten Tricks: Beim Eintreten eines Gerichts geht es nämlich nicht darum, vor den Richtern strammzustehen. Sondern darum, sich vor dem Rechtsstaat zu erheben und diesem damit Akzeptanz und Respekt zu bekunden. Wer aber bereits steht, der kann und muss sich nicht mehr erheben. Und Ordnungsmaßnahmen wegen Missachtung des Gerichts dürfen nur verhängt werden, wenn jemand sitzen bleibt. Kurz: Mit dem „stehenden Empfang“ kann dem Rechtsstaat der Respekt für alle anderen im Saal sichtbar verweigert werden, ohne dafür eine Ordnungsstrafe zu riskieren.</p> <p>Kultiviert wurde dieser Trick durch Bernhard Falk, ein ehemaliges Mitglied der linksextremen Terror-Gruppe Antiimperialistische Zellen. 1999 wurde der zum Islam konvertierte Falk vom OLG wegen vierfachen versuchten Mordes und diverser Sprengstoffverbrechen zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Haftentlassung betrieb er jahrelang eine „muslimische Gefangenenhilfe“, um angeklagte oder inhaftierte Islamisten juristisch zu unterstützen. Damit wurde er auch zum regelmäßigen Zuschauer solcher Prozesse. Zuletzt war er am 28. Mai als Zuschauer beim OLG, um sich die Eröffnung der öffentlichen Hauptverhandlung gegen Nadine D. anzusehen. Das nutzte Falk auch, um D.s Familie persönlich zu erläutern, wie dieser Trick funktioniert und welchem Zweck er dient.</p> <p>Damit sowie aufgrund der für jeden vernehmbaren Sticheleien von D.s Kindern kann auch ausgeschlossen werden, dass der „stehende Empfang“, den die Familie D. dem Strafsenat seit Neuestem bietet, Unkenntnis oder anderen Gründen geschuldet ist. Andere Sticheleien gelten Pressevertretern, so etwa einer Journalistin, über deren Kleidung Angehörige von Nadine D. am Donnerstag mehrfach abfällige Bemerkungen gemacht haben. Offenbar wurde der Kollegin übel genommen, dass sie in einem Artikel davon berichtet hatte, dass Polizisten bei einer Durchsuchung von Nadine D.s Wohnung bereits 2018 auf Flaggen der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) in Kinderzimmern aufmerksam wurden. Dass hämische Sticheleien gegen das Gericht oder die Pressevertreter zumeist in unmittelbarer Hörweite Letzterer stattfinden, lässt vermuten, dass die Familie D. ihre feindselige Haltung kommunizieren möchte. Offenbar sehen die Angehörigen Nadine D. als unschuldiges Opfer einer bösen Justiz und einer nicht minder bösen Presse.</p> <h2>Keine gefestigte Rechtsprechung</h2> <p>Die juristische Problematik des Prozesses gegen sie besteht darin, dass es noch keine gefestigte Rechtsprechung dazu gibt, wann und wie aus der straffreien Unterstützung inhaftierter Terroristen eine strafbare Unterstützung einer Terror-Organisation wird. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass dies erst im Nachgang zu diesem Verfahren durch den Bundesgerichtshof geklärt wird. Darauf hatte der Senatsvorsitzende Winfried van der Grinten alle Prozessbeteiligten erst in der Woche zuvor deutlich hingewiesen. Dies ändert aber nichts daran, dass der Strafsenat jetzt erst einmal ergründen muss, was an der Anklage, Nadine D. habe durch den Betrieb der einschlägig bekannten Internet-Seite „Free our Sisters“ und dort veröffentlichter Spendenaufrufe sowie durch aufmunternde Briefe an inhaftierte Terroristen zur Unterstützung des IS beigetragen, dran ist. Dass diese Unterstützung nicht „gewöhnlichen“ kriminellen Muslimen zugute kam, sondern fast nur religiös motivierten Jihadisten, dürften eine Reihe von Zeugenaussagen, etwa die des in der Salafisten-Szene bekannten und wegen Terror-Unterstützung verurteilten Sabri ben A., bereits deutlich belegt haben. Und auf seine nicht schwer zu verstehende Frage, warum ausgerechnet dieser Personenkreis gezielt durch „Free our Sisters“ unterstützt wurde, hat van der Grinten bis heute keine Antwort bekommen.</p> <p>Stattdessen versuchen Nadine D.s Verteidiger Nelli Kopev und Serkan Alkan immer wieder aufs Neue darzulegen, warum das Handeln ihrer Mandantin als straffreier Verbotsirrtum im Sinne des Paragraphen 17 Strafgesetzbuch anzusehen sei. Nach dieser Norm handelt ein Täter ohne Schuld, wenn ihm bei Begehung der Tat die Einsicht in deren Unrecht fehlt. Diese Rechtsauffassung dürfte aber schon allein deswegen kaum Chancen haben, weil Nadine D. laut der Ermittler viele Transaktionen zu verschleiern versucht hat, etwa dadurch, dass sie diese über ein Girokonto ihrer Mutter abgewickelt hatte. Oder dadurch, dass sie PayPal-Konten dazu benutzt hat, die sie auf den Namen ihrer Kinder und ihres Mannes angelegt hatte. Was auch so gesehen werden könnte, dass sie damit ihre Familie zu Mittätern gemacht hat.</p> <p>„Wir haben die Hauptverhandlung eröffnet“, stellte Winfried van der Grinten klar, als Kopev und Alkan am Donnerstag erneut so argumentierten. „Ein Verbotsirrtum wäre ein Grund gewesen, das nicht zu tun.“ Damit machte der Strafsenat unmissverständlich deutlich, dass diese Rechtsauffassung kaum Chancen auf Erfolg hat. Trotzdem versuchen die Verteidiger diese Argumentation immer wieder, möglicherweise auch deswegen, weil der Verbotsirrtum längst zum einzigen Strohhalm geworden ist, an den sie sich klammern können. Dass sie kaum noch andere Trümpfe haben dürften, zeigte sich deutlich, als Serkan Alkan allen Ernstes vorschlug, er könne sich von Nadine D. von seiner anwaltlichen Schweigepflicht entbinden lassen, um dann als Zeuge über ihre langjährige Bekanntschaft auszusagen.</p> <h2>Die Vier-Minuten-Aussage</h2> <p>Als das Gericht Nadine D. am Donnerstagmorgen anbot, nun ihre Aussage zu machen, versuchte Alkan sofort, diese hinauszuzögern und forderte eine Stunde Unterbrechung, um sich noch mit seiner Mandantin zu besprechen. Dazu war van der Grinten aber nicht bereit: „Entweder spricht sie jetzt Klartext oder wir lassen das bleiben. Ich will einfach nur die Wahrheit hören“, sagte der Senatsvorsitzende. Und auch Nadine D. selbst war aussagebereit: „Ich habe das Gefühl, ich muss das jetzt tun, wegen mir, nicht wegen Ihnen“, sagte die gebürtige Düsseldorferin. Ihre Stimmlage klang, als sei sie höchst emotionalisiert. Damit war die Erwartungshaltung, was nun kommen wird, aber auch entsprechend hoch.</p> <p>Tatsächlich aber kam fast nichts: Die 42-Jährige sprach über ihre Schulzeit in Düsseldorf, darüber, wie sie ihrem Mann bei einem Türkei-Urlaub 2004 kennengelernt und daraufhin geheiratet hat. Ihre Konvertierung zum Islam 2007 sei „das Ergebnis einer langen persönlichen Suche“ gewesen, sagte sie. „Ich war schon immer gläubig und auf der Suche. Und der Islam hat mir gefallen und zugesagt.“ Nach der Konvertierung habe sie „Bedürftigen helfen“ wollen. „Wer mich kennt, weiß, dass ich Gewalt ablehne.“ Ihre Mutter sei nicht bereit gewesen, ebenfalls zum Islam zu konvertieren. „Aber meine Kinder sind damit aufgewachsen, dass der Islam richtig ist.“ Als sie gerade mal vier Minuten später schon wieder fertig war, sagte sie an den Vorsitzenden gerichtet: „Ich bin nicht so radikal, wie Sie denken.“ Die Nachfrage einer Staatsanwältin, wovon sie gelebt hat, beantworte sie mit den Worten: „Vom Jobcenter oder wenn mein Mann gearbeitet hat.“</p> <p>Am Freitag trug Nadine D. weitere Teile ihrer Aussage vor: „Ich habe ,Free our Sisters‘ 2015 gegründet, um Familien von Gefangenen zu helfen“, sagte sie. Dies sei „von der Religion unabhängig“ gewesen. „Mein Anliegen war keine Organisation. Ich wollte Menschen unterstützen. Frauen, weil sie Ehefrauen waren. Kinder, weil sie Kinder sind“, fuhr die 42-Jährige unter Tränen fort. „Das bestreite ich nicht. Aber ich bestreite, dass ich den IS unterstütze und fördere.“ Bei ihren Aktivitäten sei sie davon ausgegangen, dass ihr Handeln „die Behörden interessiert, aber straffrei ist“. Ihr Mann habe von alledem nichts gewusst: „Er war ja ständig unterwegs, arbeitete, machte, tat.“ Damit standen aber auch bestimmte Fragen mehr denn je im Raum, etwa die, wie sich ihre Darstellung damit verträgt, dass durch „Free our Sisters“ fast nur jihadistisch motivierte Terroristen unterstützt wurden. Oder die, wie ihre Darstellung dazu passt, dass sie sich bereits 2018 bei der ersten Durchsuchung ihrer Wohnung gegenüber Polizisten als Kalifats-Anhängerin zu erkennen gegeben hatte. Aber auch am Freitag konnte Winfried van der Grinten diese Fragen nicht stellen, denn Serkan Alkan und Nelli Kopev hatten bereits vorsorglich klargestellt, dass ihre Mandantin keine Nachfragen beantworten wird.</p> <h2>Rätselhafter Auftritt</h2> <p>Kurz zuvor wurde der Ehemann von Nadine D. vernommen. Der 49-Jährige hatte bereits vor Wochen deutlich gemacht, von seinem Aussageverweigerungsrecht keinen Gebrauch zu machen. Damit wurde erwartet, dass er die Mutter seiner vier Kinder verteidigen wird. Und so kam es auch: „Sie ist eine wundervolle Frau. Wenn ich noch mal zur Welt komme, heirate ich sie wieder“, sagte er. „Wir sind ganz normale Muslime. Ich bete nicht, meine Frau selten. Und wir gehen nicht in die Moschee, meine Frau auch nicht.“ Fragen zu den IS-Flaggen, die von der Polizei bei den Durchsuchungen ihrer gemeinsamen Wohnung vorgefunden wurden, beantwortete er ausweichend: „Ich habe viele Flaggen, kurdische, türkische“, sagte er. „Und das ist die Flagge von unserem Propheten. Die ist keiner Gruppierung zuzuordnen, sondern gilt für alle Muslime.“ Über den IS sei zuhause nie gesprochen worden, behauptete er. „Es ist unangemessen, wie meine Frau hier behandelt wird“, kritisierte er das Gericht. „Sie wird hier vorgeführt, das ist unangemessen und psychologischer Terror.“</p> <p>Nach diesen Aussagen war es nicht weiter verwunderlich, dass Winfried van der Grinten sichtlich verärgert war, als er die Sitzung am Freitag wieder beendete. „Ich versuche schon, hier Fakten zu erfragen. Und da habe ich wohl ins Leere gegriffen“, sagte der Senatsvorsitzende. „Okay, dann fragen wir auch nicht mehr weiter. Der Zug fährt dann einfach weiter, damit wir den Prozess zu Ende bringen.“ Es klang, als wollte er der Angeklagten und ihren Verteidigern verdeutlichen, dass sie ihre Chance hatten.</p> <p>Tatsächlich geben Nadine D. und ihre Familie mehr Rätsel denn je auf: Dass ihr tränenreicher Auftritt, bei dem sie an zwei aufeinanderfolgenden Tagen so wirkte, als befände sie sich am Rande des Nervenzusammenbruchs, gespielt war, dürfte nur theoretisch denkbar sein. Denn praktisch wären dafür schauspielerische Fähigkeiten erforderlich, die bei einer Hausfrau und Mutter in einem solchen Ausmaß kaum vorstellbar sind. Dasselbe gilt aber auch für das Maß an Dummheit, das erforderlich wäre, um wirklich davon auszugehen, dass die 42-Jährige jahrelang mit „Free our Sisters“ faktisch nur einschlägig bekannte Terroristen unterstützt hat, ohne dass ihr selbst oder ihren nahen Angehörigen dabei bewusst war, was sie da überhaupt macht. Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.</p> <p><br></p> <p><img src="https://www.achgut.com/images/autorenportraits/_320w/hemmelrath_p.jpg" width="320" alt=""></p> <p><span style="letter-spacing:0.1em;"><b>Peter Herrmann</b>, Jahrgang 1963, arbeitet seit 2013 als Journalist und Gerichtsreporter. Seine Schwerpunkte dabei sind Islamismus, Antisemitismus sowie die Berichterstattung über staatsschutzrelevante Gerichtsverfahren. Der gebürtige Schwabe lebt mit seiner Frau, der Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann, im Rheinland.</span></p>]]></content:encoded>
</item><item>
<title>Programmierbare Zahlungen: Der versteckte Plan hinter dem digitalen Euro</title>
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<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 20:36:19 +0000</pubDate>
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<content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://i0.wp.com/tkp.at/wp-content/uploads/2026/06/digiteu.jpg" width="800" alt=""></p> <p>Das Projekt des digitalen Zentralbankgeldes stockt, auch in der EU. Doch die Bürokraten verhandeln und planen weiter. Ein internes Papier soll festhalten, dass der digitale Euro nicht „programmierbar“ sein soll. Dahinter dürfte sich jedoch eine Finte verstecken.</p> <p>Geld, das zweckgebunden ist und mit einem Ablaufdatum versehen wird, ist ein wesentlicher Kritikpunkt der Gegner von digitalem Zentralbankgeld. Dass solche Planspiele und Pilotprojekte existieren, ist nichts Neues: I<a href="https://tkp.at/2024/02/12/deutsches-papier-digitaler-euro-zweckgebunden/" target="_blank" rel="noopener external">m Sommer 2024 diskutierte ein deutsches</a> Papier über einen „zweckgebundenen“ digitalen Euro. In Indien ist das Geld bereits Realität – zumindest in Pilotprojekten, <a href="https://tkp.at/2026/02/06/projekt-in-indien-digitales-zweckgebundenes-geld-wird-realitaet/" target="_blank" rel="noopener external">TKP hat berichtet.</a></p> <h3>Programmierbar: Zahlung statt Geld</h3> <p>Niemand will Geld, über das man nicht frei verfügen kann. Dementsprechend versucht die EU, sich vor entsprechender Kritik abzuschirmen. Auch Faktenchecker erklärten schon vor Jahren, dass der digitale Euro all diese Dinge nicht haben werde – und stuften entsprechende Warnungen als „Verschwörungstheorie“ ein.</p> <p><a href="https://norberthaering.de/geldsystem/mogelpackung-digitaler-euro/" target="_blank" rel="noopener external">Der Journalist und Ökonom Norbert Häring berichtet nun über einen Verordnungsentwurf.</a> Dieser ist nicht öffentlich, liegt ihm aber vor. Darin heißt es wörtlich: „Der digitale Euro wird nicht programmierbar sein.“ Wirklich?</p> <p>Häring wirft der EU und der EZB einen rhetorischen Trick vor: „Man wählt eine willkürlich enge Definition von ‚programmierbar‘ und schließt dann Programmierbarkeit ausdrücklich aus. Wenn dann Menschen zu Recht vor dem programmierbaren digitalen Euro warnen, kann man ihnen entgegenhalten, dass er ausdrücklich nicht programmierbar sein darf. Das Publikum, das die Details nicht kennt, hält die Warner dann für ignorante Querulanten und hört nicht mehr auf sie.“</p> <p>Denn in derselben Verordnung wird ausdrücklich die Förderung programmierbarer Zahlungen durch die EZB verlangt. Dabei handelt es sich um softwaregesteuerte, bedingte Zahlungen, die automatisch ausgelöst werden, sobald vorher definierte Bedingungen erfüllt sind.</p> <p>Der Trick liegt also in der extrem engen Definition von „programmierbarem Geld“: Damit sind nur Geldeinheiten gemeint, die unabhängig vom Besitzer nur für bestimmte Güter nutzbar sind oder ein Verfallsdatum haben. Genau diese Form wird ausgeschlossen. Die programmierbaren Zahlungen, die sich auf den Besitzer beziehen, bleiben dagegen ausdrücklich erlaubt und werden sogar gefördert. Damit werden Anwendungen wie Sozialkreditsysteme, automatische CO₂-Budget-Kontrollen oder gezielte Kaufverbote (z. B. für bestimmte Personengruppen) technisch möglich.</p> <p>Ein konkretes Beispiel wäre ein „Klima-Bürgergeld“: Der Staat zahlt monatlich 400 Euro als digitalen Euro aus, gedacht als Unterstützung für „nachhaltigen Konsum“. Dieses Geld dürfte dann nur für öffentliche Verkehrsmittel, nicht aber für das eigene Auto, und nur für vegane Lebensmittel, nicht aber für Fleisch ausgegeben werden. Mit programmierbaren Zahlungen, wie Häring sie beschreibt, wäre das technisch einfach umsetzbar.</p> <p>Das Entscheidende bei programmierbaren Zahlungen ist: Die Bedingungen beziehen sich nicht auf das Geld selbst (wie beim klassischen „programmierbaren Geld“ mit Verfallsdatum), sondern auf den Empfänger und den Verwendungszweck zum Zeitpunkt der Zahlung.</p> <p>Während die EU den Bürgern also versichern dürfte, dass das Geld nicht „programmierbar“ sein wird, bleibt die eigentliche Gefahr dieser Technik nicht nur bestehen, sondern wird sogar ausdrücklich gewünscht. Häring empfiehlt daher, nicht mehr von „programmierbarem Geld“, sondern von der Ermöglichung automatisierter Verhaltenssteuerung zu sprechen.</p>]]></content:encoded>
</item><item>
<title>33 Empfehlungen im Wortlaut: Das sind die wahren Pläne der Renten-Kommission</title>
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<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 18:47:06 +0000</pubDate>
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<content:encoded><![CDATA[<figure class="image align-center"><img src="https://api.nius.de/api/assets/office-hr/633895f5-5e5d-425d-b309-d989f1f92492" width="800" alt=""> <figcaption><span style="font-size:0.8em;">Bundeskanzler Merz (CDU), Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) wollen die Rentenpläne am morgigen Dienstag der Öffentlichkeit vorstellen.</span></figcaption> </figure> <p>Über die umstrittensten Vorschläge der Rentenkommission wird bereits berichtet, vieles ist schon durchgesickert. Nun liegt erstmals die komplette Liste aller Empfehlungen vor. Nach Informationen des Handelsblatt umfasst der Abschlussbericht 33 Vorschläge für die Reform des Rentensystems. Die Ergebnisse sollen am Dienstag an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) übergeben werden.</p> <p>Empfehlung 1: „Die Kommission empfiehlt, als politische Zielgröße einer lebensstandardsichernden Altersversorgung eine Nettoersatzquote von mindestens 70 Prozent nach Steuern anzusetzen.“</p> <p>Empfehlung 2: „Die Kommission empfiehlt, als Kenngröße für die Leistungsfähigkeit des Alterssicherungssystems neben dem Sicherungsniveau vor Steuern künftig eine Nettoersatzquote (Ersatzrate nach Steuern) auszuweisen. Die Nettoersatzquote soll anhand typisierter Modellfälle (z .B. Durchschnittsverdienende, Geringverdienende) und für unterschiedliche Rentenzugangsjahrgänge darstellen, wie viel Prozent des letzten verfügbaren Nettoeinkommens im Erwerbsleben durch das verfügbare Nettoeinkommen im Ruhestand ersetzt wird.“</p> <p>Empfehlung 3: „Die Kommission empfiehlt, die Indikatorik für das empirische Monitoring der Altersvorsorge in der Bevölkerung weiterzuentwickeln und dazu die administrative Datenbasis zu verbessern.“</p> <p>Empfehlung 4: „Um die individuelle Altersvorsorgeplanung über alle Säulen hinweg zu erleichtern, empfiehlt die Kommission die Weiterentwicklung der Digitalen Rentenübersicht als Informations- und Planungstool. Zudem befürwortet die Kommission die Entwicklung einer lebensbegleitenden Finanzbildungsstrategie.“</p> <p>Empfehlung 5: „Die Kommission empfiehlt, die Regelaltersgrenze nach 2031 bei einem weiteren Anstieg der Lebenserwartung moderat anzupassen. Die Regelaltersgrenze für den Renteneintritt soll so an die Lebenserwartung gekoppelt werden, dass sich die Änderungen der Lebenserwartung im Verhältnis 2:1 auf die Erwerbs- und die Rentenphase aufteilen. Ergäbe sich eine Entwicklung der Lebenserwartung anhand der aktuellen mittleren Annahmen des Statistischen Bundesamts, würde das bedeuten, dass die Regelaltersgrenze im Zeitraum zwischen 2031 und 2041 schrittweise um etwa sechs Monate von 67 auf 67,5 Jahre angehoben würde. Die Kommission spricht sich für eine regelmäßige Überprüfung aus, ob die der Anhebung der Regelaltersgrenze zugrunde liegenden Rahmenbedingungen und Annahmen weiter zutreffen – sei es durch das Parlament oder sei es durch ein Gremium wie z. B. den Sozialbeirat.“</p> <p>Empfehlung 6: „Die Kommission empfiehlt, den abschlagsfreien Renteneintritt für besonders langjährig Versicherte abzuschaffen.“</p> <p>Empfehlung 7: „Die Kommission empfiehlt, keine Regelung einzuführen, die einen Renteneintritt allein nach Beitragsjahren vorsieht.“</p> <p>Empfehlung 8: „Die Kommission empfiehlt, die Altersgrenze für die Rente für langjährig Versicherte zeitnah von 63 auf 64 Jahre zu erhöhen. Danach soll sie parallel zur Entwicklung der Regelaltersgrenze angehoben werden. Das Renteneintrittsfenster soll dadurch auch bei Anhebung der Regelaltersgrenze bei drei Jahren bleiben.“</p> <p>Empfehlung 9: „Die Kommission empfiehlt, die Umrechnungsfaktoren bei vorgezogenem bzw. aufgeschobenem Renteneintritt (Abschläge bzw. Zuschläge) weiterhin nach versicherungsmathematischen Grundsätzen zu berechnen und regelmäßig zu aktualisieren. Damit sollen die finanziellen Auswirkungen von vorzeitigen bzw. späteren Renteneintritten für die Versichertengemeinschaft weiterhin neutral bleiben.“</p> <p>Empfehlung 10: „Die Kommission empfiehlt, das zum Jahresbeginn 2026 eingeführte Fallmanagement der Träger der gesetzlichen Rentenversicherung und die freiwillige, individuelle, berufsbezogene Gesundheitsvorsorge für Versicherte ab Vollendung des 45. Lebensjahres, die die Bundesregierung flächendeckend umsetzen will, wissenschaftlich eng zu begleiten und ggf. weiterzuentwickeln. Im Lichte der Evaluation soll auch geprüft werden, ob ein zusätzlicher Check zu einem späteren Alter (z. B. Ü 63) angeboten werden soll.“</p> <p>Empfehlung 11: „Die Kommission empfiehlt, Reformoptionen zu prüfen, welche die Hinterbliebenenversorgung an die geänderten gesellschaftlichen Normen und Rahmenbedingungen anpassen.“</p> <p>Empfehlung 12: „Die Kommission empfiehlt der Bundesregierung, Rehabilitation in Deutschland durch passende Maßnahmen gezielt zu stärken, um Gesundheit, Teilhabe und die langfristige Stabilität der sozialen Sicherungssysteme zu sichern. Die Kommission empfiehlt ein Reha-Budget in der GRV, das sich an den tatsächlichen Versorgungsbedarfen orientiert.“</p> <p>Empfehlung 13: „Die Kommission empfiehlt, die Altersgrenze für die Inanspruchnahme von Altersteilzeit von derzeit 55 Jahren auf 58 Jahre anzuheben und künftig an die Regelaltersgrenze zu koppeln. Altersteilzeit im Blockmodell soll nicht mehr länger möglich sein.“</p> <p>Empfehlung 14: „Die Kommission empfiehlt, die Kopplung der Rentenentwicklung an die Lohnentwicklung beizubehalten und zu regelbasierten jährlichen Rentenanpassungen zurückzukehren, die automatisch auf Änderungen der Demografie und der Erwerbstätigkeit reagieren. Zu diesem Zweck soll der Nachhaltigkeitsfaktor der aktuellen Rentenanpassungsformel (Paragraf 68 Absatz 5 SGB VI) beibehalten werden, dessen Anwendung derzeit bis 2031 ausgesetzt ist. Der Parameter „alpha“ im Nachhaltigkeitsfaktor soll zudem moderat auf 0,33 erhöht werden, um die Lasten der demografischen Alterung ausgewogener als bisher zwischen Rentnern und Beitragszahlern zu verteilen. Die konkrete formeltechnische Implikation dieser Dämpfungsfaktoren soll so erfolgen, dass das Rentenniveau (inkl. gesetzlicher Kapitalrente) unter Berücksichtigung des gesamten vorgeschlagenen Reformpakets weder für den Rentenbestand noch für die künftigen Rentenzugänge geringer als nach dem geltenden Recht ausfällt.“</p> <p>Empfehlung 15: „Die Kommission empfiehlt die Einführung eines Übergangsfaktors bei der Rentenberechnung. Dieser stellt für die Rentenneuzugänge ab 2032 sicher, dass diejenigen, die vor allem durch eine kurze Ansparzeit noch nicht in ausreichendem Maß von der gesetzlichen Kapitalrente profitieren können, einen Niveauzuschlag erhalten. Damit wird gewährleistet, dass das Rentenniveau (inkl. gesetzlicher Kapitalrente) für die Rentenneuzugänge künftig mindestens so hoch wie heute ausfällt. Der Übergangsfaktor wird sukzessive abgeschmolzen, wenn die gesetzliche Kapitalrente das Niveau erhöht. Die Kosten des Übergangsfaktors sollen aus Steuermitteln finanziert werden.“</p> <p>Empfehlung 16: „Die Kommission empfiehlt, am Grundsatz eines einheitlichen Beitragssatzes auf Löhne und Gehälter festzuhalten. Zusätzliche Faktoren sollen bei der Festlegung der Beitragssatzhöhe ebenso wenig berücksichtigt werden wie weitere Einkunftsarten bei der Beitragsbemessung. Darüber hinaus empfiehlt die Kommission, die bisherige Berechnung der Beitragsbemessungsgrenze in der GRV unverändert beizubehalten.“</p> <p>Empfehlung 17: „Die Kommission empfiehlt, eine nachvollziehbare Systematisierung und transparente Darstellung von Leistungen der GRV, für die keine Beiträge entrichtet wurden (= nicht beitragsgedeckte Leistungen), weiterhin sicherzustellen. Die Kommission empfiehlt, klar abzugrenzen und in der Höhe zu prüfen, welche der nicht beitragsgedeckten Leistungen innerhalb der Versichertengemeinschaft zu tragen sind. Leistungen, die eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe erfüllen, sind perspektivisch über Bundesmittel zu erstatten. Eine Begrenzung von Bundesmitteln wird von der Kommission nicht befürwortet. Es wird empfohlen, die Bundesmittel zukünftig als ‚Bundesanteil‘ statt als ‚Bundeszuschuss‘ zu bezeichnen.“</p> <p>Empfehlung 18: „Die Kommission empfiehlt, dass Bund, Länder und Kommunen verdeckte Armut bekämpfen. Ziel muss sein, allen bedürftigen Bürgerinnen und Bürgern den faktischen Zugang zum verfassungsrechtlich garantierten Existenzminimum zu sichern. Die Kommission unterstützt die Vorschläge der Kommission zur Sozialstaatsreform, das Sozialleistungsrecht einfacher und übersichtlicher zu gestalten und die persönliche Beratung vor Ort und über digitale Zugangswege auszubauen.“</p> <p>Empfehlung 19: „Die Kommission empfiehlt, die Anrechnungsregeln in der Grundsicherung im Alter und bei der Erwerbsminderung so zu gestalten, dass Personen, die Sozialversicherungsbeiträge einbezahlt haben, im Alter mehr verfügbares Einkommen haben als Personen, die keine oder geringe Beiträge geleistet haben.“</p> <p>Empfehlung 20: „Die Kommission empfiehlt, die mit dem Bürgergeldgesetz bis Ende 2026 ausgesetzte Regelung, nach der langzeitarbeitslose Menschen durch das Jobcenter dazu verpflichtet werden können, vorzeitig mit Abschlägen in Rente zu gehen, dauerhaft abzuschaffen.“</p> <p>Empfehlung 21: „Die Kommission sieht eine Erwerbstätigenversicherung, in die neben abhängig Beschäftigten auch Selbständige, Beamte, Abgeordnete und Vorstände von Aktiengesellschaften einbezogen sind, als Idealbild der Alterssicherung an.“</p> <p>Empfehlung 22: „Die Kommission empfiehlt, künftig alle nicht obligatorisch abgesicherten Selbständigen, die ihre Tätigkeit ab einem Stichtag neu aufnehmen, verpflichtend und ohne Opt-out in die GRV einzubeziehen. Die Versicherungspflicht sollte auch alle Personen umfassen, die bereits jetzt eine selbständige Beschäftigung ausüben. Ihnen soll jedoch ein voraussetzungsloses Herausoptieren ermöglicht werden.“</p> <p>Empfehlung 23: „Die Kommission empfiehlt, Reformen, die in der GRV erfolgt sind oder noch vorgenommen werden, wirkungsgleich auf die Beamtenversorgung zu übertragen. Zudem sollte die Zahl der Verbeamtungen deutlich reduziert werden. Bund und Länder sollten sich verpflichten, ausreichende Rücklagen für die Pension zu schaffen, um die Entscheidung der Verbeamtung finanzneutral im Hinblick auf die Alterssicherungsaufwendungen zu gestalten.“</p> <p>Empfehlung 24: „Die Kommission empfiehlt, Abgeordnete des Deutschen Bundestages und der Landesparlamente in den Kreis der Pflichtversicherten in die GRV einzubeziehen.“</p> <p>Empfehlung 25: „Die Kommission empfiehlt, Vorstände von Aktiengesellschaften in den Kreis der Pflichtversicherten in die GRV aufzunehmen.“</p> <p>Empfehlung 26: „Die Kommission empfiehlt, geringfügige Beschäftigungsverhältnisse (Minijobs) ohne Opt-out-Möglichkeit in die GRV einzubeziehen und ihren steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus abzuschaffen. Ausnahmen sollten nur noch für Schülerinnen und Schüler vorgesehen werden. In der Folge erübrigt sich auch die gesonderte Berechnung der beitragspflichtigen Einnahmen im sog. Übergangsbereich (Midijobs).“</p> <p>Empfehlung 27: „Die Kommission empfiehlt eine Stärkung kapitalgedeckter Elemente in der Alterssicherung. Sie sieht darin einen wichtigen Schritt, um das Gesamtversorgungsniveau für Rentnerinnen und Rentner in Deutschland nicht nur zu stabilisieren, sondern deutlich zu erhöhen. Bei der Umsetzung sollte sich Deutschland an den besonders erfolgreichen Vorbildern in anderen Ländern orientieren. Kapitalgedeckte Elemente erfahren dort bei guter Organisation und verantwortungsvoller sowie transparenter Governance breite Akzeptanz.“</p> <p>Empfehlung 28: „Die Kommission empfiehlt die Einführung einer obligatorisch kapitalgedeckten Renten-Komponente im Rahmen der GRV (gesetzliche Kapitalrente). Dazu sollen individuelle Kapitalkonten für die Beitragszahlenden eingerichtet werden. Empfohlen wird ein paritätisch finanzierter zusätzlicher Beitragssatz von zwei Prozent. Die Beiträge sollen nach schwedischem Vorbild zentral verwaltet und am Kapitalmarkt angelegt werden. Die Kapitalrente soll im Rahmen der Gesamtreform dazu beitragen, dass längerfristig das Rentenniveau in der ersten Säule wieder spürbar steigt.“</p> <p>Empfehlung 29: „Die Kommission empfiehlt, im Jahr 2026 im Rahmen eines Sozialpartnerdialogs konkrete Maßnahmen zu erarbeiten, die die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung (baV) insbesondere in bisher unterversorgten Bereichen deutlich erhöhen und von beiden Sozialpartnern mitgetragen werden. Diese Maßnahmen sollen im Anschluss in ein Gesetzgebungsverfahren überführt werden.“</p> <p>Empfehlung 30: „Die Kommission empfiehlt, durch Verbesserungen in den Bereichen Bürokratieabbau, Portabilität, Rechtssicherheit, Kostenverteilung und Geringverdienerförderung die Attraktivität der betrieblichen Altersversorgung zu erhöhen und den Verbreitungsgrad zu steigern.“</p> <p>Empfehlung 31: „Die Kommission empfiehlt, die Ausgestaltung der Frühstart-Rente mit der gesetzlichen Rente zu verzahnen, um Synergien und besonders lange Ansparzeiten zu ermöglichen. Doppelstrukturen sollen vermieden werden.“</p> <p>Empfehlung 32: „Die Kommission empfiehlt ein enges, laufendes Monitoring der Wirkung bereits beschlossener Reformen in der privaten, steuerlich geförderten Altersversorgung, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der Verbreitung, die angebotenen und gewählten Verträge, ihre Kosten und Renditechancen sowie die Auswirkungen der staatlichen Förderung auf den Bundeshaushalt und ihre Verteilungswirkungen.“</p> <p>Empfehlung 33: „Die Kommission empfiehlt, die DRV organisatorisch so weiterzuentwickeln, dass sie ihre Aufgaben künftig effizienter, schneller und bei gesicherter Flächenpräsenz zugleich bürgernäher erfüllen kann.“</p>]]></content:encoded>
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<title>Rücktritt in London, Wechsel-Verweigerung in Berlin</title>
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<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 18:01:09 +0000</pubDate>
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<content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://www.achgut.com/images/archiv/_1190w/merzstarmer.jpg" width="800" alt=""></p> <p>Als deutsche Medienkonsumenten am Montagvormittag in den Live-Übertragungen sehen konnten, wie ein sichtlich bedrückter Keir Starmer in London mit teils brüchiger Stimme vor seinem Amtssitz den eigenen Rücktritt ankündigte, dachten bestimmt einige von ihnen sofort an den eigenen Bundeskanzler. Friedrich Merz verband zuletzt viel mit seinem britischen Amtskollegen: Sie hatten beide historische Tiefstwerte bei der Beliebtheit unter den eigenen Bürgern erreicht und während ihre Länder in gleich mehreren tiefen Krisen steckten, gefielen sie sich lieber gemeinsam mit dem in seiner Heimat ebenfalls rekordverdächtig unbeliebten französischen Präsidenten Emmanuel Macron in der Rolle großer Weltpolitiker. Verfangen hatte das in ihren Ländern nicht.</p> <p>Starmers Herrschaft erodiert bekanntlich schon eine Weile. Wichtige Minister verließen seine Regierung demonstrativ, eine steigende Zahl von Labour-Parlamentsabgeordneten kündigte ihm auch als Labour-Chef die Gefolgschaft auf, und manche Parteifreunde suchten schon unverhohlen nach einer möglichen Startposition für die Nachfolge. Der Premier klammerte sich lange an die eigenen Durchhalteparolen, bis am Freitag der vergleichsweise populäre Andy Burnham im Wahlkreis Makerfield in Nordengland bei einer Nachwahl ins Unterhaus gewählt wurde. Als Parlamentsabgeordneter kann er Starmer herausfordern und selbst für das Amt des Premiers kandidieren. Spätestens da musste sich der Noch-Premier wohl eingestehen, dass er keine Chance mehr hat. Andy Burnham kann sich offensichtlich erfolgreich als Hoffnungsträger präsentieren. Inwieweit er auch tatsächlich Grund zu ein paar Hoffnungen gibt, kann ich nicht einschätzen. Die meisten Briten jedenfalls wünschen sich offenbar einen Regierungschef, der die Probleme des Landes nicht schönredet, sondern lösungsorientiert und pragmatisch anpackt.</p> <p>Das wünschen sich die meisten Bürger hierzulande zwar auch, aber in Deutschland ist im laufenden Politik-Betrieb, Jahre von den nächsten Bundestagswahlen entfernt, niemand zu erkennen, bei dem man überhaupt auf die Idee käme, darüber nachzudenken, ob er oder sie ein Hoffnungsträger sein könnte. „You have no Andy Burnham“, fasste das ein englischer Freund dieser Tage kurz zusammen. Ja, wir haben nicht einmal das. Und selbst wenn es den gäbe, ein Politikwechsel ohne Bundestagswahl ist schwer und daher die Ausnahme in Deutschland.</p> <h3>Nur eine kurze, wohltuende Traumsequenz?</h3> <p>Mag mancher deutsche Bürger jetzt auch wehmütig nach London blicken in der Hoffnung, der Starmer-Rücktritt könnte für unseren glücklosen Kanzler-Darsteller eine Art Menetekel sein, hier werden die Wechsel-Verweigerer die Zügel wohl noch eine ganze Weile fest in der Hand behalten. Zum Abtreten zu zwingen ist ein deutscher Kanzler in der deutschen Parteien-Demokratie ohnehin kaum. Die eigene Gefolgschaft müsste sich dazu mit dem politischen Gegner verbünden und auf einen gemeinsamen Nachfolger verständigen, um den Amtsinhaber in einem konstruktiven Misstrauensvotum zu stürzen. Das ist ausgeschlossen, zumal hiesige, ans Verhältniswahlrecht gebundene Abgeordnete viel abhängiger vom zentralen Parteiapparat sind als die nach Mehrheitswahlrecht gewählten britischen Kollegen.</p> <p>Und selbst wenn der interne Druck so stark würde, dass Merz das Handtuch wirft. Wer käme denn dann? Markus Söder, der die jetzt regierende Katastrophenkoalition einst zur „letzten Patrone der Demokratie“ erklärte? Oder doch Hendrik Wüst, dessen Vorstellung von Kurskorrektur wahrscheinlich nur wäre, wieder strammer auf den alten Merkel-Kurs zu setzen? Vielleicht gilt den CDU- und CSU-Granden ihr Frontmann im Kanzleramt bald wirklich nicht mehr als haltbar, und sie empfehlen ihm, dem Starmerschen Vorbild zu folgen. Es käme nach gegenwärtiger Lage der Dinge aber wohl niemand, der die CDU aus der Brandmauergefangenschaft der SPD befreien, sondern sie höchstens in eine der Grünen führen würde. Mag der Kanzler gehen, die Wechsel-Verweigerung in Berlin bleibt einstweilen.</p> <p>Man mag den Starmer-Rücktritt vielleicht zum Anlass für eine kurze, wohltuende Traumsequenz nehmen, die alten unschönen Herausforderungen bleiben trotzdem vor uns stehen.</p> <p><br></p> <p><img src="https://www.achgut.com/images/autorenportraits/_320w/grimm.jpg" width="320" alt=""></p> <p><span style="letter-spacing:0.1em;"><b>Peter Grimm</b> ist Journalist, Autor von Texten, TV-Dokumentationen und Dokumentarfilmen und Redakteur bei Achgut.com.</span></p>]]></content:encoded>
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<title>Schuld ist „die Welt“: Merz‘ politische Bankrotterklärung am Tag der offenen Tür im Bundeskanzleramt</title>
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<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 16:42:18 +0000</pubDate>
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<content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://www.nachdenkseiten.de/wp-content/uploads/2026/06/260622-schuld-der-welt.jpg" width="700" alt="" role="presentation"></p> <p><br>Wer verstehen will, wie inhaltsleer und desolat zugleich die deutsche Politik ist, sollte sich ein gerade von Friedrich Merz veröffentlichtes Video anschauen. Der Ausschnitt des vom Bundeskanzler auf der Plattform X veröffentlichten Videos geht 1 Minute und 29 Sekunden und stammt vom „Tag der offenen Tür“, der am Sonntag im Bundeskanzleramt stattfand. Leerformeln bauen auf Verharmlosungen und von auch nur halbwegs vernünftigen Ursachenanalysen fehlt jede Spur. Da gibt es eine „Welt“ und eine „Industrie“, die sich „verändern“ – ganz so, als ob Politiker und weitere konkret benennbare Personen nicht für diese Veränderungen verantwortlich wären. Merz liefert politische Dampfplauderei – substanzlos, aber zugleich gefährlich. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.</p> <p>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.</p> <div> <div class="dleplyrplayer" style="width:100%;max-width:600px;" theme="light"><audio title="260622_Schuld_ist_die_Welt_Merz_politische_Bankrotterklaerung_am_Tag_der_offenen_Tuer_im_Bundeskanzleramt_NDS" preload="metadata" controls><source type="audio/mp3_1" src="https://www.nachdenkseiten.de/upload/podcast/260622_Schuld_ist_die_Welt_Merz_politische_Bankrotterklaerung_am_Tag_der_offenen_Tuer_im_Bundeskanzleramt_NDS.mp3?_=1"></audio></div></div> <div><br></div> <div> <p>„Reformen“ – die will der Bundeskanzler. Da sagt er gleich zu Beginn des Videoausschnitts. Und dann kündigt Merz an, was dazu notwendig ist: Der Erklär-Bär soll bei den Bürgern anklopfen.</p> <blockquote><p>Wir müssen der Bevölkerung erklären, dass Reformen kein Selbstzweck sind. Das machen wir ja nicht, weil wir Spaß daran haben, jetzt Dinge zu verändern. Sondern Veränderungen sind notwendig, damit vieles so bleiben kann, wie es ist.</p></blockquote> <p>Während Merz – da sitzend im weißen Hemd und mit bedächtiger Mimik – diese Sätze spricht, tut er so, als würde er gerade als Wissender Unwissenden die Welt erklären. Doch die große, klaffende Lücke zwischen Auftreten, Sprechweise und dem inhaltlich Gelieferten ist offensichtlich.</p> <p>Da will einer „Reformen“ und erweckt den Eindruck, dass er nur Getriebener (Opfer) einer äußeren Entwicklung ist. Schamlos aber verschweigt der Kanzler, dass notwendige Reformen nun auf jenem Misthaufen gebaut werden sollen, für den er selbst, seine Regierung, aber auch die Vorgängerregierungen verantwortlich sind.</p> <p>Da sagt Merz: „Wir leben in einer Welt, die sich drastisch verändert um uns herum“. Er redet von „unserer Wirtschaft“, die „in vielerlei Hinsicht erheblich gefährdet“ sei, er spricht von „zehn- bis fünfzehntausend Industriearbeitsplätzen pro Monat“, die wir „verlieren“, und von einer „Industrie“, die sich im Augenblick „verändert“.</p> <p>In Merz‘ „Analyse“ hat „die Welt“ schuld – weil diese sich nun mal angeblich verändere. In Merz‘ Betrachtung verändere sich auch die Industrie, ganz so wie die Welt – als ob „die Welt“ oder „die Industrie“ etwa für dreckige geopolitische Entscheidungen der Politik oder für die Digitalisierung verantwortlich wären.</p> <p>Geradezu unverschämt mutet es an, wenn Merz die Schuld im Hinblick auf den industriellen Niedergang Deutschlands auf äußere Bedingungen schiebt – ganz so, als habe „die Welt“ den Atomausstieg Deutschlands verursacht, ganz so, als sei „die Welt“ für die Abkehr vom preisgünstigen russischen Gas verantwortlich.</p> <p>Merz‘ Lösung:</p> <blockquote><p>„Und deshalb diskutieren wir in Europa sehr intensiv, wie wir uns als Europäer besser aufstellen können. Aber wir diskutieren auch in der Bundesregierung sehr intensiv, wie wir Probleme lösen können.“</p></blockquote> <p>In Anbetracht solcher Aussagen taucht vor dem geistigen Auge eine bekannte Reaktion des französischen Schauspielers Louis de Funes auf: Nein? Doch! Oh!</p> <p>Merz ist seit über einem Jahr Bundeskanzler. Und das ist, was er der Öffentlichkeit zu präsentieren hat? Was wir hier sehen, ist politische Dampfplauderei – von jener Person, die am Steuerungsrad der Republik steht. Und genau deshalb ist das Auftreten Merz‘ gefährlich. Deutschland steht vor gewaltigen, politisch verursachten Problemen. Und dann steht da ein Mann, der nicht im Ansatz die Probleme zu begreifen scheint – oder die Probleme vielleicht doch begreift, aber die Öffentlichkeit über die eigene Verantwortlichkeit hinwegtäuschen will.</p> <p><br></p> <p><img src="https://www.nachdenkseiten.de/wp-content/uploads/2026/01/mk-thumb.jpg" width="200" alt=""></p> <p><span style="letter-spacing:0.1em;">Ein Artikel von: Marcus Klöckner</span></p> </div>]]></content:encoded>
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<title>Wenn der „Genosse Günther“ kein Faschist sein will</title>
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<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 16:12:53 +0000</pubDate>
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<content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://assets.jungefreiheit.de/2026/06/595836794.jpg" width="800" height="536" alt=""></p> <p>BERLIN. Die Modelle der CDU, um nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt eine AfD-Regierungsbeteiligung zu verhindern, basieren auf einer Kooperation mit der Linkspartei. Doch nun erklärte der am Wochenende gewählte Linken-Chef Luigi Pantisano, es gebe „gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst“ (<a href="https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2026/designierter-linken-chef-sieht-keinen-unterschied-zwischen-cdu-und-faschisten/" target="_blank" rel="noopener external">JF berichtete</a>).</p> <p>Einer, der seit Jahren Bündnisse mit der Linken fordert, ist Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Während die gesamte Parteispitze um Kanzler Friedrich Merz sich trotz Anfragen der Bild nicht zu den Folgen der Faschismus-Vorwürfe für die mögliche ausgedehnte Zusammenarbeit im Herbst äußern wollte, zeigt sich Günther enttäuscht.</p> <p>Aber auch der in der Partei oft als „Genosse Günther“ verspottete Politiker will weiteren Kooperationen mit der Linken im Herbst trotzdem keine Absage erteilen. Er forderte stattdessen in der Zeitung Pantisanos schnellen Rücktritt.</p> <h2>Günther fordert Pantisanos Rücktritt</h2> <p>Der Kieler sagte: „Wer die CDU mit Faschisten und der AfD gleichsetzt, hat sich für jeden ernsthaften demokratischen Austausch disqualifiziert.“ Jemand wie Pantisano könne „für Demokratinnen und Demokraten kein Ansprechpartner sein“. Er sollte sich „schnellstmöglich aus der Politik verabschieden“.</p> <p>Bereits jetzt kooperiert die CDU in Sachsen und Thüringen mit der Linken, um die AfD von der Macht fernzuhalten und sich selbst die Ministerpräsidentenposten zu sichern. Im Herbst müsste die Kooperation auf Schwerin und Magdeburg ausgedehnt werden, denn dort dürfte die AfD jeweils mit großem Abstand stärkste Partei werden.</p> <p>Der schwarz-roten Koalition in Dresden von Regierungschef Michael Kretschmer fehlen zehn Abgeordnete zur absoluten Mehrheit. Gesetze und den Haushalt bekommt die Staatsregierung oft nur mit Hilfe der Linken durch.</p> <p>In Thüringen hat Mario Voigts (CDU) Brombeerkoalition mit BSW und SPD genauso viele Stimmen wie die Opposition aus AfD und Linken. Die Linke toleriert die Minderheitsregierung. Dafür arbeitet Voigt monatlich ein „Pflichtenheft“ mit der Linkspartei ab.</p> <h2>Keine Absage an „gefährliche“ Linke</h2> <p>Die Frage, ob die CDU nach den Faschismusvorwürfen des lediglich mit 53 Prozent ins Amt gewählten Pantisano nun diese Zusammenarbeiten beendet, beantwortete niemand aus der CDU-Spitze. Generalsekretär Carsten Linnemann bezeichnete die Linke zwar als „gefährlich für unser Land und für unsere Demokratie“. Aber auch er wollte einer ausgedehnten Zusammenarbeit mit der „gefährlichen“ Linken auf Länderebene keine Absage erteilen.</p> <p>Pantisano war am Wochenende beim Parteitag der Linkspartei in Potsdam zum neuen Ko-Chef und Nachfolger von Jan van Aken gewählt worden. Die Delegierten bestätigten die andere Vorsitzende, Ines Schwerdtner, im Amt.</p> <p>Pantisano sagte auf dem Parteitag zwar, es habe sich bei seinem Vorwurf an die CDU um eine „zugespitzte Aussage“ gehandelt. Allerdings bekräftigte er sie erneut: Die CDU mache „aktuell in vielen Teilen die Politik der AfD“, sie mache „schon teilweise faschistische Politik“. Eine Beteiligung an Landesregierungen müssten aber die Landesverbände vor Ort entscheiden. (fh)</p> <p><br></p>]]></content:encoded>
</item><item>
<title>Schadenersatz für Deutschland von der Ukraine statt EU-Beitritt?</title>
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<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 14:30:45 +0000</pubDate>
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<content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://i0.wp.com/tkp.at/wp-content/uploads/2025/04/Weidel-e1745394303671.png" width="800" height="497" alt=""></p> <p>von Jochen Mitschka</p> <p>Mitte Juni 2026 hat die Europäische Union erstmals konkrete Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine eröffnet – nach zwei Jahren politischer Blockade, einem überstandenen ungarischen Veto und einem Krieg, der unvermindert andauert. Doch der Verhandlungsstart ist vor allem symbolisch: Die Ukraine erfüllt zentrale EU-Standards noch nicht, das europäische Vertragsrecht kennt keinen Automatismus für Beitritte im Kriegszustand, und die AfD-Vorsitzende Alice Weidel nutzt den ungeklärten Nordstream-Anschlag, um Kiew die Rechnung für gesprengtes deutsches Infrastruktur-Kapital zu schicken.</p> <p><br>In den deutschen Medien und der Politik wird der Beitritt der Ukraine zur EU als eine Solidaritätstat dargestellt, weil die Ukraine die Aggression Russlands aufgehalten habe. Dabei wird behauptet, Russland habe vor, ganz Europa zu erobern. Was dazu führte, dass die EU dramatische Leistungen erbracht haben, um der Ukraine zu erlauben, einen Krieg gegen Russland zu führen, welcher schon durch Minsk2 eigentlich unnötig war, und spätestens im April 2022 hätte beendet werden können. Soweit der Rückblick.</p> <h3>Der Verhandlungsstand: Symbolischer Durchbruch nach zweijähriger Blockade</h3> <p>Am 15. Juni 2026 eröffneten die EU-Außenminister unter zyprischer Ratspräsidentschaft in Luxemburg offiziell den ersten Verhandlungscluster mit der Ukraine und Moldau. Der erste Themenblock umfasst Justizreform, Grundwerteschutz und innere Sicherheit – Bereiche, in denen die Ukraine traditionell am weitesten von EU-Standards entfernt ist. Für EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos ist das erst der Anfang: Sie hatte gefordert, alle sechs Verhandlungscluster noch bis Juli zu eröffnen.</p> <p>Dass es überhaupt so weit kam, liegt maßgeblich an einem politischen Wechsel in Budapest. Viktor Orbán, dessen Vetoposition zwei Jahre lang jeden Fortschritt blockiert hatte, wurde im April 2026 abgewählt. Sein Nachfolger Péter Magyar, seit dem 9. Mai im Amt, hatte zuvor die territoriale Integrität der Ukraine nach internationalem Recht verteidigt – eine fundamentale Positionsveränderung, die Brüssel die nötige Einstimmigkeit verschaffte. Ohne diesen Machtwechsel in Budapest wäre der Verhandlungsstart auch im Juni 2026 nicht möglich gewesen.</p> <p>Technisch war die Ukraine auf den Verhandlungsbeginn vorbereitet: Das Screening-Verfahren, in dem Kommission und Kandidatenland den gesamten EU-Besitzstand sichten, konnte die Ukraine im September 2025 erfolgreich abschließen. Gleichzeitig trat im Oktober 2025 ein aktualisiertes Freihandelsabkommen in Kraft, das die Handelströme weiter vertieft – der EU-Warenhandel mit der Ukraine hatte sich seit 2016 auf über 67 Milliarden Euro verdoppelt. Seit Januar 2026 gilt für ukrainische Staatsbürger zudem EU-Roaming ohne Aufpreis.</p> <p>EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte die Vergabe des ersten Verhandlungsabschnitts beim G7-Gipfel einen „gewaltigen Schritt nach vorn“. Bundesaußenminister Johann Wadephul dämpfte die Erwartungen jedoch: Vor der Ukraine liege eine „Wegstrecke“, das Ziel sei „nicht morgen erreicht“. Diese Nüchternheit ist berechtigt: Insgesamt sind 35 Kapitel zu verhandeln, jedes einzelne erfordert einstimmige Zustimmung aller EU-Mitgliedstaaten zum Öffnen und Schließen – ein Veto-Risiko bleibt strukturell erhalten.</p> <h3>Wie weit die Ukraine wirklich von EU-Standards entfernt ist</h3> <p>Offiziell lobt die EU-Kommission die Reformfortschritte der Ukraine regelmäßig als „bemerkenswert“ und „historisch“. Unabhängige Analysen zeichnen ein deutlich ernüchternderes Bild. Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) kommt in einer Analyse von Anfang 2026 zu dem Schluss, die politische Führung des Landes sei „noch nicht konsequent rechtsstaatlichen Verfahren verpflichtet“ und suche weiterhin nach Wegen, diese zu umgehen oder auszuschalten.</p> <p>Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche bezifferte auf Basis unabhängiger Analysen der Forschungsgruppe RRR4U, dass die Ukraine im Jahr 2025 „mehr als zehn“ EU-Beitrittsanforderungen nicht erfüllt habe. Besonders gravierend sind die Rückstände in drei Bereichen:</p> <ul> <li>Erstens bei der Korruptionsbekämpfung: Im Juli 2025 verabschiedete das ukrainische Parlament ein Gesetz, das zwei der wichtigsten Antikorruptionsbehörden – das Nationale Antikorruptionsbüro NABU und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft SAPO – weitgehend entmachtete. Nur neun Tage später, nach landesweiten Protesten und einem Eingreifen von der Leyens per Telefonat, wurden die schlimmsten Bestimmungen zurückgezogen. Doch die Episode offenbarte, wie fragil die institutionelle Unabhängigkeit in Kiew bleibt: SAPO darf bis heute keine eigenständigen Strafverfahren gegen Abgeordnete einleiten, ohne Zustimmung des Generalstaatsanwalts – der seinerseits vom Präsidenten ernannt wird.</li> <li>Zweitens bei der Justizreform: Der Justizsektor ist laut SWP „nur partiell reformiert“ und bietet „zahlreiche Angriffsflächen für Korruption“. Oligarchen und ihre Netzwerke können “ihnen genehme Personen in den Gerichten platzieren”. Die Personalentscheidungen Selenskyjs nach dem Korruptionsskandal im Energieministerium Mitte 2025 seien „nicht hauptsächlich unter dem Zeichen der Abwehr von Korruption erfolgt“.</li> </ul> <p>Drittens beim EU-Besitzstand selbst: Eine Vollmitgliedschaft erfordert die Übernahme von rund 3.000 EU-Gesetzgebungsakten in nationales Recht. Das Ukrainian Centre for European Policy schätzt, dass das Assoziierungsabkommen „nur“ rund 550 davon verpflichtend macht. Der Krieg überlastet gleichzeitig die ukrainischen Behörden und verzögert den legislativen Transformationsprozess.</p> <p>Der Dezember-Aktionsplan der EU-Kommission mit zehn konkreten Reformzielen, erarbeitet von Erweiterungskommissarin Kos und dem ukrainischen Vize-Premier Taras Kachka, ist ein nützliches Instrument – adressiert aber laut SWP die „tieferliegenden Governance-Probleme“ nicht ausreichend. Die Analyse mahnt einen „breiteren Ansatz“ an, der auch die Gewaltenteilung strukturell neu justiert. Realistisch gesehen rechnet Professor Hendrik Vos von der Universität Gent mit einem Beitrittsdatum frühestens 2030 – und das nur, wenn das Reformtempo deutlich zulegt.</p> <h3>Kann ein Land im Krieg überhaupt EU-Mitglied werden?</h3> <p>Das europäische Primärrecht, konkret Artikel 49 des Vertrags über die Europäische Union, formuliert keine explizite Ausschlussklausel für Kriegsstaaten. Einen Beitritt im laufenden bewaffneten Konflikt gab es bisher allerdings in der Geschichte der EU nicht – es fehlt schlicht jeder Präzedenzfall.</p> <p>Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Frage politisch klar beantwortet: „Ein EU-Beitritt ist nicht möglich, solange sich das Land im Krieg mit Russland befindet.“ Die Jahre 2027 und 2028, die Selenskyj als Zieldaten nannte, seien “nicht realistisch“. Damit nennt Merz ein strukturelles Dilemma: Für die Beitrittsreife benötigt die Ukraine in den Kopenhagener Kriterien die „institutionelle Stabilität als Garant für die demokratische und rechtsstaatliche Ordnung“ sowie die Fähigkeit, die mit einer Mitgliedschaft einhergehenden Pflichten zu erfüllen.</p> <p>Beide Anforderungen sind im Kriegszustand strukturell gefährdet: Ressourcen fließen in die Verteidigung statt in Verwaltungsreformen, demokratische Grundrechte – etwa die Meinungsfreiheit oder das Wahlrecht – stehen unter kriegsbedingten Einschränkungen, und die wirtschaftliche Planung ist auf unmittelbare Kriegsbewältigung ausgerichtet.</p> <blockquote><p>Das ukrainische Steuersystem war bereits vor dem Krieg nicht in der Lage, die Staatsausgaben zu decken – eine Bedingung, die für langfristige Haushaltsdisziplin im EU-Rahmen unabdingbar wäre.</p></blockquote> <p>Hinzu kommt ein sicherheitspolitischer Einwand, den die SWP schon 2022 formuliert hat:</p> <blockquote><p>Die EU-Beistandsklausel (Artikel 42 Abs. 7 EUV) verpflichtet Mitgliedstaaten zu Beistand bei bewaffneten Angriffen, ist aber kein kollektives Verteidigungsbündnis wie Artikel 5 der NATO-Charta. Ein formeller Beitritt der Ukraine zur EU während eines laufenden Krieges könnte die EU rechtlich in eine Beistandspflicht manövrieren, auf die sie militärisch nicht vorbereitet ist und über die keine politische Einigkeit besteht.</p></blockquote> <p>Selenskyjs politisches Kalkül ist verständlich: Er forderte im Februar 2026 ein fixes EU-Beitrittsdatum als Bestandteil eines möglichen Waffenstillstandsabkommens, weil die EU-Perspektive als Sicherheitsgarantie fungieren soll. Ohne ein konkretes Datum, so Selenskyj, werde Russland alles tun, um den Prozess zu blockieren. Die EU hingegen beharrt auf dem „leistungsorientierten Ansatz“: Kein festes Datum, sondern Fortschritt als Maßstab.</p> <p>Ein möglicher Kompromiss: Merz schlug einen EU-„Sonderstatus“ vor – eine Art beschleunigter Assoziation mit Teilhaberechten, aber ohne Vollmitgliedschaft. Kiew lehnte das kategorisch ab. Außenminister Andrij Sybiha bestand auf „eine vollwertige, gleichberechtigte Mitgliedschaft in der EU“ mit allen Stimmrechten. Hintergrund: Ein Status ohne Stimmrecht wäre aus ukrainischer Sicht einem „Abstellgleis“ gleichzusetzen – und würde die Sicherheitsgarantie-Funktion des Beitritts weitgehend leerlaufen lassen.</p> <h3>Weidels Nordstream-Forderung: Politisches Signal</h3> <p>Ende Januar 2026 kündigte AfD-Chefin Alice Weidel bei der Wahlkampferöffnung in Heilbronn an, was eine AfD-Regierung tun würde:</p> <blockquote><p>„Wir werden Entschädigung verlangen. Die Ukrainer, Selenskyj, sollen für die Sprengung unserer Pipeline bezahlen.“</p></blockquote> <p>Auch wenn sich das ähnlich anhörte, wie Trumps Aussage, dass Mexiko die Grenzbefestigung zahlen solle, war der Applaus der rund 2.000 Anwesenden groß. Die Forderung, kombiniert mit der Rückforderung von „mehr als 70 Milliarden Euro“ an Ukraine-Hilfe, adressierte zwei politische Narrative gleichzeitig: die vermeintliche “Undankbarkeit“ Kiews und das “Versagen“ der Bundesregierung bei der Aufklärung.</p> <p>Auf welcher Faktenlage basiert die Aussage? Der Ermittlungsstand im Sommer 2026 ist tatsächlich dichter als je zuvor. Im August 2025 nahm die italienische Polizei in Vollstreckung eines europäischen Haftbefehls den ukrainischen Ex-Militäroffizier Serhi K. fest, der nach Bundesanwaltschaft-Erkenntnissen als „leitende Funktion“ des Sprengstoffkommandos gilt. Das Kommando soll von einer Segelyacht aus mindestens vier Sprengsätze mit je 14 bis 27 Kilogramm Hexogen-Oktogen-Gemisch in 70 bis 80 Metern Tiefe platziert haben. Seit November 2025 sitzt Serhi K. in Deutschland in Untersuchungshaft, nachdem der Bundesgerichtshof im Dezember 2025 die Haftbeschwerde verworfen hat.</p> <p>Im September 2025 nahm die polnische Polizei einen weiteren Verdächtigen, Wolodymyr Z., fest – ein polnisches Gericht verweigerte jedoch die Auslieferung an Deutschland und ließ ihn frei, was zu einem diplomatischen Eklat zwischen Warschau und Berlin führte. Nach Medienberichten war der Verdächtige anschließend in einem ukrainischen Diplomatenauto in die Ukraine geflohen. Insgesamt wurden sieben ukrainische Staatsangehörige als dringend tatverdächtig identifiziert.</p> <p>Wesentlich brisanter ist ein Spiegel-Bericht vom Februar 2026: Demnach sollen CIA-Agenten ukrainische Sabotage-Spezialisten im Frühjahr 2022 in Kiew getroffen und anfänglich Sympathien für den Angriffsplan signalisiert haben, bevor Washington in einer zweiten Runde abriet. Die Ukrainer haben die Warnung – laut denselben Quellen – ignoriert. Der damalige Oberbefehlshaber Waleri Saluschnyj soll den Einsatz genehmigt haben, Präsident Selenskyj dagegen nicht informiert worden sein. Die CIA nennt den Bericht „vollständig und absolut falsch“.</p> <p>Was schließen diese Fakten für Weidels Forderung? Erstens ist die ukrainische Beteiligung ermittlungsrechtlich stark erhärtet, aber keineswegs abschließend geklärt. Nach wie vor steht der Verdacht im Raum, dass es sich um eine US-Opferanode handeln könnte, weil eine Operation in der Größenordnung eigentlich nur durch militärische Spezialkräfte durchgeführt werden können. Eine Verurteilung steht aus. Ob und in welchem Maße die politische Führung in Kiew involviert war, bleibt ungeklärt. Zweitens käme eine Schadensersatzklage gegen einen Staat, nicht gegen Einzelpersonen, vor internationale Gerichte – mit ungewissem Ausgang. Der Bundesgerichtshof stellte immerhin im Dezember 2025 fest, dass die Sprengung deutsche Souveränitätsrechte verletzt habe.</p> <p>Drittens ist die politische Funktion der Weidel-Forderung klar von ihrer rechtlichen Substanz zu trennen. Im Bundestag beantragte die AfD im Mai 2026 einen Untersuchungsausschuss zur Nordstream-Sabotage – er wurde von CDU/CSU, SPD und Grünen abgelehnt. Die Regierungskoalition sieht keinen parlamentarischen Aufklärungsbedarf, solange das Strafverfahren vor dem Generalbundesanwalt läuft.</p> <p>Die Forderung, Kiew solle die Reparaturkosten und die geleisteten Milliardenhilfen zurückzahlen, ist natürlich populistisch zugespitzt und juristisch nicht durchsetzbar. Die Fakten der Ermittlungen sind ernst zu nehmen. Weidels Schlussfolgerungen gehen über sie hinaus und könnten nur Chance auf ernsthafte Umsetzung haben, wenn sich die Machtverhältnisse in der deutschen Politik grundsätzlich ändern würden.</p> <h3>Zusammenfassung</h3> <p>Der EU-Beitrittsverhandlungsbeginn mit der Ukraine im Juni 2026 ist ein Signal, aber kein Durchbruch. Die Ukraine ist technisch auf den Weg gebracht, strukturell aber noch weit von den Mindestanforderungen für eine Vollmitgliedschaft entfernt – insbesondere in Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung und Justizunabhängigkeit. Ob ein Land im Krieg Mitglied werden kann, ist keine technische, sondern eine zutiefst politische Frage, auf die die EU derzeit keine Antwort hat – und nicht haben will. Der Nordstream-Komplex liefert genuine Ermäßigungsgrundlagen, die parlamentarische Aufklärung verdienen. Weidels Schadenersatzforderung sind als Gegenpol gegen die „Eindämmung von Russland um jeden Preis„-Politik der staatstragenden Parteien im deutschen Bundestag zu verstehen. Was meist übersehen wird:</p> <p>Solange die, aus russischer Sich, Gefahr im Raum schwebt, dass der europäische Teil der NATO an der Grenze zu Russland steht, wird der Krieg nicht beendet werden!</p>]]></content:encoded>
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<title>Friedrich „Pilatus“ Merz – er wäscht seine Hände in Unschuld. Wie der Kanzler den Lügenfritz-Apparat baute — und jetzt überrascht tut</title>
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<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 13:20:34 +0000</pubDate>
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<content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://reitschuster.de/wp-content/uploads/2026/06/paJr8.jpg" width="800" alt=""></p> <p>Immer, wenn man glaubt, zu Friedrich Merz sei eigentlich alles gesagt und er könne einen nicht mehr negativ überraschen, wird man mit erstaunlicher Zuverlässigkeit des Gegenteils belehrt.</p> <p>Jetzt wieder. „Seitdem ich im Amt bin, habe ich nicht einen einzigen Strafantrag gestellt.“ <a href="https://www.focus.de/politik/deutschland/merz-habe-als-kanzler-keinen-strafantrag-gestellt_4958a44c-8d91-41fd-ac84-f7ecce14835b.html" target="_blank" rel="noopener external">Das sagte Friedrich Merz</a> am Sonntag beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung – nach all der Aufregung um eine Strafe für einen Bürger, der ihn in einem Kommentar in den sozialen Medien als „Lügenfritz“ bezeichnete (<a href="https://reitschuster.de/post/luegenfritz-jetzt-strafbar-dafuer-aber-nun-in-aller-munde/" target="_blank" rel="noopener external">siehe hier</a>).</p> <p>Die Botschaft des Kanzlers: Ich wasche meine Hände in Unschuld.</p> <p>Geht es Ihnen wie mir?</p> <p>Reiben Sie sich auch die Augen?</p> <p>Nicht weil die Aussage falsch wäre — sie ist korrekt. Formal. Aber genau das ist das Dreiste daran. Ich würde sogar sagen – das infame.</p> <p>Denn es war Merz, der dafür sorgte, dass der Justizapparat heute unermüdlich gegen vermeintliche Beleidigungen gegen ihn vorgeht. Mit seiner früheren Anzeigeritis — laut Spiegel-Bericht hunderte von Fällen, intern dokumentiert bis in den vierstelligen Bereich — hat er einer willfährigen Justiz den Fassbefehl erteilt. Der Apparat läuft jetzt automatisch, ohne dass er noch einen Finger rühren muss. Die Polizei leitet Kommentare weiter, die Staatsanwaltschaften verfolgen von Amts wegen. Bürger zahlen 2.000 Euro für ein Facebook-Wort. Und Merz? Er stellt sich dreist vor die Bürger und sagt: Ich habe damit nichts zu tun.</p> <p>Pontius Pilatus hätte das nicht besser hingekriegt. Wer die DDR kennt, erkennt auch dieses Muster hinter der Taktik von Merz sofort. Verantwortung delegieren, Distanz wahren, beim Ergebnis überrascht tun. „Ich habe doch gar nichts angeordnet“ — während die Mühlen mahlen. „Ich liebe Euch doch alle“ – die Älteren kennen dieses Zitat (es war Ex-Stasi-Chef Erich Mielke nach der friedlichen Revolution 1989 vor der Volkskammer, dem Parlament der DDR).</p> <p>Und nein, ich setze die beiden nicht gleich. Ich ziehe nur Parallelen, was das Wegdrücken von Verantwortung und die Heuchelei betrifft.</p> <p>Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat 39 Facebook-Kommentare gesichtet, ohne dass Merz auch nur einen Finger rühren müsste. Ohne dass er überhaupt informiert wurde, wie er selbst zugibt. Er war, so sagt er jetzt in Pilatus-Manier „selbst überrascht über die große Zahl der Fälle.“ Überrascht. Der Mann, der das System aufgebaut hat, tut so, als sei er überrascht über das Ergebnis dieses Systems.</p> <p>Ist Merz der Realität wirklich so entrückt? Oder ist er so zynisch? Oder beides?</p> <p>In Berlin lieferte er am Sonntag noch ein Sahnehäubchen. Er sei offen für eine Reform des Majestätsbeleidigungsparagraphen 188, sagt er. Und fügte dann hinzu: Wenn das Amt beschädigt werde, „da hört für mich der Spaß auf.“</p> <h3>Was für eine Nebelkerze. Was für eine Heuchelei.</h3> <p>Er distanziert sich vom Ergebnis – und verteidigt gleichzeitig die Denkweise dahinter. Denn genau diese Logik — Amtsbeschädigung — war die Begründung für den Strafbefehl in Sachen „Lügenfritz“. Nicht die Beleidigung der Person Merz. Sondern die angebliche Beschädigung des Amtes. Als würde ein Kommentar unter einem lokalen Post, den ein paar Dutzend Leute gesehen haben, das Amt des Bundeskanzlers beschädigen.</p> <p>Das ist die Merzsche Quadratur des Kreises: Er hat also öffentlich verteidigt, was zu dem Urteil geführt hat, von dem er sich distanziert.</p> <p>Das ist nicht nur Scheinheiligkeit. Das ist System. Er will offen und modern wirken – aber die Ehrpusseligkeit auch nicht ablegen. Also sucht er die rhetorische Hintertür. In Bayern nennt man so etwas verschlagen. Im rot-grünen Neudeutschland nennt man es „Haltung“.</p> <p>Im Marxismus ist das breit bekannt. Man nennt es dort Dialektik: Die Kunst, Widersprüche so zu formulieren, dass sie wie Logik klingen.</p> <p><i>Solche Artikel finden Sie in keinem „Leitmedium“. Wenn Ihnen andere Sichtweisen etwas wert sind – <a href="https://reitschuster.de/unterstuetzung/" target="_blank" rel="noopener external">hier können Sie dafür sorgen</a>, dass diese Stimme bleibt.</i></p>]]></content:encoded>
</item><item>
<title>Wadephul auf Speed: Plötzlich vermissen wir Baerbock. Leibwächter, Zeigefinger, YouTube — so dummdreist ist Außenpolitik 2026</title>
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<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 17:31:46 +0000</pubDate>
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<content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://reitschuster.de/wp-content/uploads/2026/06/wadepuhl-main.jpg" width="800" alt=""></p> <p>Vermutlich lag es am Klimawandel, eine andere Erklärung ist unmöglich. Hat uns nicht der Universalexperte Eckart von Hirschhausen, der von Klima ähnlich viel versteht wie von Medizin und von Humor, vor Kurzem über die Folgen der Hitze aufgeklärt? Im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft wusste er zu berichten: „Es gibt Studien, die zeigen: Schon ab 28 Grad sinkt die Leistungsfähigkeit, und nicht nur im Körperlichen, im Rennen und den Muskeln, sondern auch so was wie Passgenauigkeit.“ Er sprach vermutlich von den Pässen, die man im Fußball zu schlagen pflegt, aber im Hinblick auf das Problem, ob seine Aussagen zur Realität passen, sollte man vielleicht einmal klären, wie heiß es während seiner Auslassungen im Studio gewesen sein mag.</p> <p>Doch er wusste noch mehr zu berichten. „Es gibt Statistiken, Du schreibst zum Beispiel auch mehr Hassmails bei Hitze. Du drehst durch.“ Das kennen wir alle. Draußen steigt die Temperatur über 30 Grad Celsius, was es früher noch nie gegeben hat, und sofort juckt es uns in den Fingern, eine Hassmail abzusetzen statt zum Kühlschrank zu gehen und uns zumindest innerlich ein wenig abzukühlen. Man fragt sich, an welchen Testpersonen diese Studien durchgeführt wurden.</p> <h3>Leider keine Satire</h3> <p>Ich muss es aber zugeben: In gewisser Weise hat Hirschhausen recht. Vielleicht nicht in Bezug auf Hassmails, aber es gibt Phänomene in den sozialen Medien, die sich einfach nicht mehr rational erklären lassen, wenn man nicht die universale Erklärung des schädlichen Klimawandels heranziehen will. Den vielleicht durchschlagendsten Beweis für Hirschhausens These hat vor wenigen Tagen unser charismatischer Außenminister geliefert, Johann Wadephul, der gefragte Spezialist für Sitze im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Auf Instagram, genauer gesagt auf dem Instagram-Kanal des Außenministers, hat man ein Video veröffentlicht, das ich zuerst für eine etwas misslungene KI-generierte Satire hielt, das man aber wohl als echt betrachten muss.</p> <p><blockquote class="instagram-media" data-instgrm-captioned data-instgrm-permalink="https://www.instagram.com/reel/DZsBUrxsB_B/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading" data-instgrm-version="14" style=" background:#FFF; border:0; border-radius:3px; box-shadow:0 0 1px 0 rgba(0,0,0,0.5),0 1px 10px 0 rgba(0,0,0,0.15); margin: 1px; max-width:540px; min-width:326px; padding:0; width:99.375%; width:-webkit-calc(100% - 2px); width:calc(100% - 2px);"><div style="padding:16px;"> <a href="https://www.instagram.com/reel/DZsBUrxsB_B/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading" style=" background:#FFFFFF; line-height:0; padding:0 0; text-align:center; text-decoration:none; width:100%;" target="_blank"> <div style=" display: flex; flex-direction: row; align-items: center;"> <div style="background-color: #F4F4F4; border-radius: 50%; flex-grow: 0; height: 40px; margin-right: 14px; width: 40px;"></div> <div style="display: flex; flex-direction: column; flex-grow: 1; justify-content: center;"> <div style=" background-color: #F4F4F4; border-radius: 4px; flex-grow: 0; height: 14px; margin-bottom: 6px; width: 100px;"></div> <div style=" background-color: #F4F4F4; border-radius: 4px; flex-grow: 0; height: 14px; width: 60px;"></div></div></div><div style="padding: 19% 0;"></div> <div style="display:block; height:50px; margin:0 auto 12px; width:50px;"><svg width="50px" height="50px" viewBox="0 0 60 60" version="1.1" xmlns="https://www.w3.org/2000/svg" xmlns:xlink="https://www.w3.org/1999/xlink"><g stroke="none" stroke-width="1" fill="none" fill-rule="evenodd"><g transform="translate(-511.000000, -20.000000)" fill="#000000"><g><path d="M556.869,30.41 C554.814,30.41 553.148,32.076 553.148,34.131 C553.148,36.186 554.814,37.852 556.869,37.852 C558.924,37.852 560.59,36.186 560.59,34.131 C560.59,32.076 558.924,30.41 556.869,30.41 M541,60.657 C535.114,60.657 530.342,55.887 530.342,50 C530.342,44.114 535.114,39.342 541,39.342 C546.887,39.342 551.658,44.114 551.658,50 C551.658,55.887 546.887,60.657 541,60.657 M541,33.886 C532.1,33.886 524.886,41.1 524.886,50 C524.886,58.899 532.1,66.113 541,66.113 C549.9,66.113 557.115,58.899 557.115,50 C557.115,41.1 549.9,33.886 541,33.886 M565.378,62.101 C565.244,65.022 564.756,66.606 564.346,67.663 C563.803,69.06 563.154,70.057 562.106,71.106 C561.058,72.155 560.06,72.803 558.662,73.347 C557.607,73.757 556.021,74.244 553.102,74.378 C549.944,74.521 548.997,74.552 541,74.552 C533.003,74.552 532.056,74.521 528.898,74.378 C525.979,74.244 524.393,73.757 523.338,73.347 C521.94,72.803 520.942,72.155 519.894,71.106 C518.846,70.057 518.197,69.06 517.654,67.663 C517.244,66.606 516.755,65.022 516.623,62.101 C516.479,58.943 516.448,57.996 516.448,50 C516.448,42.003 516.479,41.056 516.623,37.899 C516.755,34.978 517.244,33.391 517.654,32.338 C518.197,30.938 518.846,29.942 519.894,28.894 C520.942,27.846 521.94,27.196 523.338,26.654 C524.393,26.244 525.979,25.756 528.898,25.623 C532.057,25.479 533.004,25.448 541,25.448 C548.997,25.448 549.943,25.479 553.102,25.623 C556.021,25.756 557.607,26.244 558.662,26.654 C560.06,27.196 561.058,27.846 562.106,28.894 C563.154,29.942 563.803,30.938 564.346,32.338 C564.756,33.391 565.244,34.978 565.378,37.899 C565.522,41.056 565.552,42.003 565.552,50 C565.552,57.996 565.522,58.943 565.378,62.101 M570.82,37.631 C570.674,34.438 570.167,32.258 569.425,30.349 C568.659,28.377 567.633,26.702 565.965,25.035 C564.297,23.368 562.623,22.342 560.652,21.575 C558.743,20.834 556.562,20.326 553.369,20.18 C550.169,20.033 549.148,20 541,20 C532.853,20 531.831,20.033 528.631,20.18 C525.438,20.326 523.257,20.834 521.349,21.575 C519.376,22.342 517.703,23.368 516.035,25.035 C514.368,26.702 513.342,28.377 512.574,30.349 C511.834,32.258 511.326,34.438 511.181,37.631 C511.035,40.831 511,41.851 511,50 C511,58.147 511.035,59.17 511.181,62.369 C511.326,65.562 511.834,67.743 512.574,69.651 C513.342,71.625 514.368,73.296 516.035,74.965 C517.703,76.634 519.376,77.658 521.349,78.425 C523.257,79.167 525.438,79.673 528.631,79.82 C531.831,79.965 532.853,80.001 541,80.001 C549.148,80.001 550.169,79.965 553.369,79.82 C556.562,79.673 558.743,79.167 560.652,78.425 C562.623,77.658 564.297,76.634 565.965,74.965 C567.633,73.296 568.659,71.625 569.425,69.651 C570.167,67.743 570.674,65.562 570.82,62.369 C570.966,59.17 571,58.147 571,50 C571,41.851 570.966,40.831 570.82,37.631"></path></g></g></g></svg></div><div style="padding-top: 8px;"> <div style=" color:#3897f0; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; font-style:normal; font-weight:550; line-height:18px;">Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an</div></div><div style="padding: 12.5% 0;"></div> <div style="display: flex; flex-direction: row; margin-bottom: 14px; align-items: center;"><div> <div style="background-color: #F4F4F4; border-radius: 50%; height: 12.5px; width: 12.5px; transform: translateX(0px) translateY(7px);"></div> <div style="background-color: #F4F4F4; height: 12.5px; transform: rotate(-45deg) translateX(3px) translateY(1px); width: 12.5px; flex-grow: 0; margin-right: 14px; margin-left: 2px;"></div> <div style="background-color: #F4F4F4; border-radius: 50%; height: 12.5px; width: 12.5px; transform: translateX(9px) translateY(-18px);"></div></div><div style="margin-left: 8px;"> <div style=" background-color: #F4F4F4; border-radius: 50%; flex-grow: 0; height: 20px; width: 20px;"></div> <div style=" width: 0; height: 0; border-top: 2px solid transparent; border-left: 6px solid #f4f4f4; 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margin-bottom:0; margin-top:8px; overflow:hidden; padding:8px 0 7px; text-align:center; text-overflow:ellipsis; white-space:nowrap;"><a href="https://www.instagram.com/reel/DZsBUrxsB_B/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading" style=" color:#c9c8cd; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; font-style:normal; font-weight:normal; line-height:17px; text-decoration:none;" target="_blank">Ein Beitrag geteilt von Außenminister Johann Wadephul (@aussenminister)</a></p></div></blockquote></p> <p>Für alle, die es sich nicht antun wollen, hier eine kurze Beschreibung. Beschützt und begleitet von einem Sonnenbrille tragenden Leibwächter, der die begeistert tobende Menge mit knapper Not von seinem Minister fernhalten kann, betritt Wadephul einen Raum, in dem sich etliche Menschen tummeln, die allem Anschein nach Journalisten darstellen sollen. „Herr Minister!“ rufen sie alle lautstark und buhlen um die Aufmerksamkeit des besten Außenministers seit dem Abgang von Annalena Baerbock, der seinerseits gelassen und mit markigem Gesichtsausdruck zum Rednerpult schreitet, John Wayne hätte es nicht besser gekonnt. Mit enormer Entschlusskraft – so muss er es schon beim Kampf um einen Platz im Sicherheitsrat gemacht haben – sucht er sich einen der vorgeblichen Journalisten aus, deutet mit dem Zeigefinger auf ihn und ruft: „Sie!“ Selbst der wortkarge Clint Eastwood würde vor Neid erblassen.</p> <p>Die Kamera schwenkt auf einen jungen Mann, der seine Frage immerhin ohne zu stottern vorbringen kann: „Ist Desinformation immer noch so ein Problem?“ In fast schon väterlich-gütigem Tonfall gibt Wadephul die erhellende Antwort „Ja“, woraufhin sofort wieder das verzweifelt-lautstarke Hintergrundrauschen der journalistischen Kleindarsteller anhebt, das der begabte Außenminister allerdings mit dem Auswählen eines neuen Fragestellers zum Schweigen bringt. Und wie? Natürlich indem er wieder seinen Zeigefinger und das „Sie“ einsetzt, das sind bewährte Werkzeuge.</p> <h3>Von Clint Eastwood auf Heinz Rühmann</h3> <p>Nun hat er eine Frau auserkoren, die ihn mit der harten und kritischen Frage konfrontiert, was man dagegen tun könne. Aber das kann unseren schlagfertigen Minister nicht aus der Ruhe kommen, er antwortet inhaltsreich und unverzüglich: „Da kommunizieren, wo die Menschen sind“, noch immer übrigens mit dem Antlitz eines Westernhelden, der kurz vor dem Showdown steht. Man muss kaum erwähnen, dass die neugierige Menge wieder in ihr Geheul ausbricht, bis Wadephul die letzte Fragestellerin auserkoren hat. „Was bedeutet das konkret?“ möchte sie wissen. Und nun zeigt sich das schauspielerische Talent des Außenministers in unüberbietbarer Weise. Sofort schaltet er um von Clint Eastwood und John Wayne auf Heinz Rühmann und Klausjürgen Wussow, breitet die Arme weit aus, als wollte er nicht nur alle Anwesenden, sondern auch noch die gesamte UN-Generalversammlung umarmen und verkündet voller Freude: „Ich bin jetzt auch auf YouTube!“ Und während die Menge ob dieser Neuigkeit in schier unerschöpflichen Jubel ausbricht, wird das Grinsen auf dem ministeriellen Gesicht immer breiter, er winkt in die Menge, hebt triumphierend den Daumen und applaudiert wem auch immer wofür auch immer. Jetzt wird noch eingeblendet, dass der Außenminister nun auch auf YouTube ist, und das Video ist an sein seliges Ende gelangt.</p> <p>Wie heiß war es, als man dieses Video aufgenommen hat? Oder handelt es sich um eine Art Naturgesetz, das besagt, dass es im Außenministerium immer dann noch schlimmer kommt, wenn man glaubt, der Tiefpunkt sei bereits erreicht? Das fing spätestens 2017 an, als Steinmeier zum zweiten Mal Bundesaußenminister wurde, ging klaglos weiter mit der Ernennung von Sigmar Gabriel, dem sich der unvergessliche Heiko Maas anschloss. Dachte man schon bei ihm, man hätte nun den Abstieg hinter sich, wurde man mit dem Amtsantritt von Annalena Baerbock eines Besseren belehrt. Und nun das: Johann Wadephul, der es tatsächlich schafft, das bisherige Niveau noch zu unterbieten.</p> <p>Wer kommt als Nächster?</p> <p>Hier versagt meine Vorstellungskraft.</p>]]></content:encoded>
</item></channel></rss>