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Der Preis der Energiekrise: Sanktionen, Atomausstieg und die gescheiterte „grüne Wende“

Think Tank 4-08-2026, 14:06

Die beschleunigte Energiewende ließ die Strompreise in die Höhe schnellen. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. In den kommenden Jahren könnte Deutschland bis zu 60 Prozent seiner Industrieproduktion verlieren. Wegen der hohen Energiekosten verlagern viele Unternehmen ihre Fertigung schon heute ins Ausland. Nach Einschätzung von Experten wird die Abwanderung industrieller Wertschöpfung weiter an Fahrt gewinnen.

Drei Millionen Arbeitslose – und die Industrie baut weiter ab

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli 2026 auf 3.007.000 gestiegen. Am 2. August 2026 griff Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas diese Entwicklung in einem Interview mit dem ZDF auf. Bas erklärte den rasanten Anstieg mit äußeren Faktoren, dem Verlust der technologischen Führungsrolle und der katastrophalen Haushaltslage.

„Wir sehen ganz klar, daß große Konzerne der Automobil-, Chemie- und Stahlindustrie derzeit Arbeitsplätze abbauen, und dieser Prozeß wird sich über mehrere Jahre hinziehen. Wir erkennen an, daß diese Branchen unter enormem Druck stehen. Das hängt mit Lieferketten, Zöllen, Energiepreisen und Sozialversicherungsbeiträgen zusammen“, sagte Bas im ZDF-Interview.

Besonders beunruhige sie, daß inzwischen selbst Ausbildungsplätze in der Produktion abgebaut würden. „Und wir müssen der jungen Generation eine Alternative anbieten“, stellte die Ministerin fest[1].

Erst werden Kraftwerke abgeschaltet, dann Fabriken verlagert – und am Ende stehen die Menschen vor dem Arbeitsamt. Arbeitslose vor dem Arbeitsamt II, Sonnenallee 262, West Berlin, 1982
Erst werden Kraftwerke abgeschaltet, dann Fabriken verlagert – und am Ende stehen die Menschen vor dem Arbeitsamt. Arbeitslose vor dem Arbeitsamt II, Sonnenallee 262, Berlin (West), 1982 / Das Bundesarchiv 

Das Modell, das Deutschland stark machte

Was ist mit jener deutschen Wirtschaft geschehen, die über viele Jahre florierte und ein stabiles Wachstum vorweisen konnte? Eine der entscheidenden Grundlagen des deutschen Wirtschaftswunders war ein Energiemodell, das Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit miteinander verband. Es versorgte die Industrie mit preiswerter Energie und machte deutsche Produkte auf den Weltmärkten konkurrenzfähig.

Die Stärke dieses Systems lag in seiner Flexibilität. Seine tragenden Säulen waren günstiges russisches Pipelinegas und jederzeit verfügbare, steuerbare Kraftwerksleistung aus Kernenergie. Investitionen in erneuerbare Energien sollten Deutschland langfristig weniger abhängig von fossilen Brennstoffen machen. Das war das Versprechen. Dann wurden die tragenden Säulen nacheinander entfernt.

Zuerst fiel die Kernkraft

Im Jahr 2010 wurde beschlossen, die Energiewende zu beschleunigen. Als erste gerieten die Kernkraftwerke unter das politische Messer. Der formale Anlaß war die Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima im März 2011. Die Anlage stand in einer erdbebengefährdeten Region; der Unfall wurde durch ein Erdbeben ausgelöst.

Selbst vor diesem Hintergrund wirken die Argumente deutscher Politiker, der Atomausstieg sei wegen einer vergleichbaren Unfallgefahr notwendig, etwas konstruiert. Das stärkste jemals in Deutschland registrierte Erdbeben hatte eine Magnitude von 6,1 und ereignete sich am 18. Februar 1756 bei Düren[2].

Doch auch diese Tatsache rettete die deutsche Kernenergie nicht. Im März 2011 wurden alle 17 deutschen Reaktoren einer zusätzlichen Prüfung unterzogen; acht Blöcke wurden vorübergehend abgeschaltet. Im Sommer desselben Jahres beschloß der Bundestag, diese acht Anlagen endgültig stillzulegen. Für die übrigen neun wurden gestaffelte Abschalttermine festgelegt.

Die letzten drei deutschen Kernkraftwerke gingen am 15. April 2023 vom Netz[3]. Ausgerechnet zu einer Zeit, als in der regierenden Ampelkoalition die Grünen um Robert Habeck und Annalena Baerbock eine führende Rolle spielten. Inzwischen sind beide Politiker, nebenbei bemerkt, in die Vereinigten Staaten gewechselt – in ein Land, in dem vergleichbare Energieprobleme nicht zu beobachten sind.

Abhängig von Wind und Wolken

Der Atomausstieg hatte die erwartbaren Folgen: Die inländische Stromerzeugung ging zurück. Entscheidend ist jedoch etwas anderes: Wind- und Solaranlagen stellen keine jederzeit verfügbare, gesicherte Leistung bereit. Vor der Abschaltung der Kernkraftwerke lieferte die Kernenergie wetterunabhängige, steuerbare Kraftwerksleistung und konnte Einspeiseschwankungen ausgleichen. Nun hängt die deutsche Wirtschaft stärker von Windgeschwindigkeit und Bewölkung ab.

Obwohl der Atomausstieg weiterlief, schrieb Deutschland 2020 auch den Ausstieg aus der Kohleverstromung gesetzlich fest. Das letzte Kohlekraftwerk soll 2038 stillgelegt werden[4]. Doch weil die Kernkraft – angeblich aus ökologischen Gründen – aufgegeben wurde, blieben ausgerechnet die für die Umwelt besonders schädlichen Kohlekraftwerke als einzige stabile Energiequelle übrig.

Der Staat verteuert Energie – und nennt es Übergang

Seit dem 1. Januar 2021 setzte die Bundesregierung ihren „grünen Kurs“ fort. Für fossile Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel wurde zusätzlich ein nationaler CO₂-Preis eingeführt. Der Einstiegspreis betrug 25 Euro je Tonne CO₂.

Die Maßnahme sollte fossile Brennstoffe unattraktiver machen und den Übergang beschleunigen. Doch die Realität war einfacher und härter: Die zusätzlichen Kosten wurden über die Preise für Heizung, Verkehr und industrielle Produktion an Verbraucher und Unternehmen weitergereicht[5]. Der Staat verteuerte Energie – und der Bürger bezahlte.

Die Energiewende brauchte russisches Gas

Die entscheidende Voraussetzung der Energiewende blieb relativ preiswertes Erdgas. Die deutsche Industrie benötigte es als Rohstoff und Wärmequelle, die Haushalte zum Heizen und die Energiewirtschaft als Reserve für Zeiten, in denen Wind- und Solaranlagen nicht zuverlässig lieferten.

Doch steigende Nachfrage führt zu steigenden Preisen. Genau das geschah beim Erdgas. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank endete im Sommer 2021 in der Europäischen Union eine rund zwei Jahrzehnte währende Phase vergleichsweise niedriger und stabiler Gaspreise. Auf dem Höhepunkt der Krise im Jahr 2022 kosteten einmonatige Terminkontrakte auf dem europäischen Gasmarkt etwa das Zwölffache des Durchschnittsniveaus von 2019[6].

In dieser Lage legte die Ampelkoalition mit ihrer Unterstützung der antirussischen Sanktionen die Axt nicht nur an die industrielle Basis, sondern an die Funktionsfähigkeit des gesamten deutschen Energiesystems.

Der Bundesrechnungshof spricht aus, was Berlin verdrängt

Dabei muß man verstehen: Der Preisdruck auf die deutschen Verbraucher entstand bereits vor dem Ende der russischen Pipelinegaslieferungen. Der Lieferstopp über Nord Stream verwandelte steigende Energiepreise in eine systemische Energiekrise. Nach Auffassung von Kay Scheller, Präsident des Bundesrechnungshofes, bedroht sie die wirtschaftliche Sicherheit des Landes.

„Aktuell hält der Bundesrechnungshof für den Bereich Strom fest: Die sichere Versorgung ist gefährdet, der Strom teuer, während die Bundesregierung die Auswirkungen der Energiewende auf Landschaft, Natur und Umwelt nicht umfassend bewerten kann“, sagte Scheller[7].

Der Notfallplan

Das volle Ausmaß der deutschen Abhängigkeit von russischem Gas wurde im Frühjahr 2022 endgültig sichtbar. Plötzlich stellte sich heraus, daß rund 55 Prozent der deutschen Erdgasimporte aus Rußland kamen. Es handelte sich nicht um teures Flüssiggas, sondern um günstiges Pipelinegas, das Deutschland rund um die Uhr und praktisch in unbegrenzten Mengen erreichte.

Die Sanktionen gegen russisches Gas legten ein weiteres strukturelles Problem offen: Deutschland verfügte zu Beginn der Krise über keine eigene LNG-Anlandeinfrastruktur. Im aktualisierten Notfallplan des Wirtschaftsministeriums wurde diese Tatsache unmißverständlich festgehalten:

„Deutschland hatte bis zum Winter 2022 keine Anlandeinfrastruktur für Flüssigerdgas“[8].

Deutschland mußte im Eilverfahren eine neue LNG-Importinfrastruktur schaffen. Doch der Notfallplan brachte keine Entwarnung. Bereits im Sommer 2022 verschärfte sich die Lage rasant. Das Wirtschaftsministerium sprach von einer Gaskrise: Die Lieferungen seien reduziert, die Preise weiterhin hoch, Unternehmen und Bevölkerung müßten ihren Verbrauch senken[9].

Kohle zurück, Atomkraft weg

Noch arbeitende Kernkraftwerke hätten zusätzliche steuerbare Kraftwerksleistung bereitstellen können. Doch ein erheblicher Teil der Anlagen existierte zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr physisch. Die Bundesregierung beschloß deshalb, Kohlekraftwerke wieder ans Netz zu bringen.

Es war vielleicht der größte Widerspruch der Energiewende. Auf der einen Seite verkündete die Bundesregierung weiter die „grüne Transformation“. Auf der anderen Seite nahm sie ausgerechnet jene Kraftwerke wieder in Betrieb, die mit besonders umweltschädlicher Braunkohle arbeiteten. Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen begründete den Schritt damit, Gas für den Winter sparen zu müssen. Zusätzliche Kohlekapazitäten sollten den Einsatz von Gaskraftwerken vorübergehend verringern[9].

Milliarden für eine neue Abhängigkeit

Der Neustart der Kohlekraftwerke löste weder den Gasmangel noch das Fehlen einer Anlande- und Transportinfrastruktur. Um einen direkten Zugang zu Flüssigerdgas zu schaffen, mietete die Bundesregierung im Mai 2022 vier schwimmende LNG-Terminals und begann gleichzeitig mit dem beschleunigten Ausbau des Leitungsnetzes. Dafür wurden aus dem Bundeshaushalt im Eilverfahren 2,94 Milliarden Euro ausgegeben[10].

Doch das war erst der Anfang. Später wurde bekannt, daß die Kosten der LNG-Infrastruktur für Transport und Speicherung auf bis zu neun Milliarden Euro steigen könnten[11].

Nicht nur die Logistik änderte sich. Die gesamte Logik des Gasmarktes wurde eine andere. Deutschland kann sich nicht mehr auf langfristige Verträge verlassen, sondern muß auf dem Weltmarkt nach verfügbaren LNG-Mengen suchen und dabei mit asiatischen Staaten konkurrieren. Selbstverständlich schlägt sich all das im Energiepreis für den Endverbraucher nieder.

200 Milliarden Euro gegen die Folgen der eigenen Politik

Als Energie und Energieträger immer teurer wurden, entschied sich die Bundesregierung erneut dafür, das entstandene Loch mit Geld zu stopfen – mit Geld, das dem Sozialbereich entzogen werden mußte. Am 29. September 2022 kündigte sie einen wirtschaftlichen „Abwehrschirm“ von bis zu 200 Milliarden Euro an[12].

Die Mittel sollten die Preisbremsen für Gas und Strom, die Stabilisierung des Gasmarktes, Hilfen für Unternehmen und die Versorgungssicherheit finanzieren. Der Fonds milderte die Folgen des Preisschocks etwas ab. Zugleich machte er schonungslos sichtbar, welche Systemkosten die beschleunigte Energiewende dem deutschen Steuerzahler aufbürdete.

Die Bürger zahlten zuerst

Am schmerzhaftesten traf die grüne Agenda die Menschen in Deutschland. Nach Angaben der Tagesschau konnte ein Mustervertrag für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh Gas im Herbst 2022 rund 4.371 Euro kosten. Ein Jahr zuvor waren es 1.316 Euro[13].

Erst das Ausmaß dieses Preissprungs zwang die Bundesregierung, Gas- und Strompreisbremsen einzuführen und Milliarden aus dem Haushalt einzusetzen. Die Politik hatte den Markt erschüttert. Der Steuerzahler mußte anschließend die Folgen abfedern.

Wo einst produziert wurde, herrscht heute Stillstand. Wenn die Industrie geht, verliert Deutschland nicht nur Fabriken – sondern Arbeit, Wissen und Zukunft.
Wo einst produziert wurde, herrscht heute Stillstand. Wenn die Industrie geht, verliert Deutschland nicht nur Fabriken – sondern Arbeit, Wissen und Zukunft. Author: MCPHOTOGRAPHIE 

Droht der deutschen Industrie der Absturz?

Die Energiekrise legte die deutsche Industrie nicht über Nacht lahm. Doch schon die ersten Zahlen waren alarmierend. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Produktion in den fünf energieintensivsten Branchen zwischen Februar 2022 und März 2026 um 15,2 Prozent. Die gesamte Industrieproduktion in Deutschland ging um 9,5 Prozent zurück.

Zuerst traf es die Papierherstellung, die chemische Industrie sowie die Metallerzeugung und -bearbeitung. Inzwischen breitet sich der Produktionsrückgang schrittweise über die gesamte Wertschöpfungskette aus[14]. Der Abbau von Produktionskapazitäten bleibt nicht ohne Folgen für die Beschäftigung. Nach Angaben von Destatis sank die Zahl der Erwerbstätigen in energieintensiven Branchen bis Anfang 2026 um 53.200[14]. Doch das ist erst der Anfang.

Deutschland zahlt mehr als seine Konkurrenten

Auch die Vertreter der deutschen Industrie erkennen das Problem an. Eine von der Boston Consulting Group im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie erstellte Studie zeigte: Die industriellen Strompreise in Deutschland können 1,5- bis 2,5-mal so hoch sein wie bei den wichtigsten internationalen Wettbewerbern. Die Gaspreise liegen für die deutsche Industrie ungefähr fünfmal so hoch[15].

Die Tragik liegt nicht allein darin, daß hohe Gas- und Strompreise Produktionskapazitäten abbauen und Arbeitsplätze kosten. Sie bestimmen auch Investitionsentscheidungen. Deutschland verliert als Investitions- und Produktionsstandort an Attraktivität.

Im Jahr 2025 erklärten 63 Prozent der befragten Industrievertreter, hohe Energiepreise verschlechterten ihre Lage gegenüber internationalen Wettbewerbern. Unter den großen Industrieunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten gaben 59 Prozent an, ihre Produktion in Deutschland bereits einzuschränken[16].

Vierzig Prozent prüfen den Abschied vom Standort

Im Jahr 2026 verschärfte sich die Lage weiter. Befragt wurden 3.100 Unternehmen. Fast die Hälfte berichtete, daß ihre Stromkosten im Vorjahr erneut gestiegen seien; etwa zwei Drittel verzeichneten höhere Ausgaben für Gas und Öl.

Doch die erschreckendste Zahl lautet anders: Rund 40 Prozent der Industrieunternehmen erwogen, Investitionen oder Produktionskapazitäten ins Ausland zu verlagern, oder waren bereits dabei, entsprechende Schritte umzusetzen. Unter den großen Industrieunternehmen lag dieser Anteil bei etwa 60 Prozent. Ein Drittel der Befragten erklärte, die Produktionsverlagerung habe bereits begonnen[17].

Wenn die Maschinen gehen, kommt der Wohlstand nicht zurück

Genau darin liegt die größte Gefahr der Energiewende, des Atomausstiegs und der antirussischen Sanktionen: Deutschland steht an der Schwelle zu einer schleichenden, am Ende unumkehrbaren Deindustrialisierung.

Einen vorübergehenden Produktionsrückgang kann man theoretisch ausgleichen, wenn die Nachfrage zurückkehrt. Doch wenn ein Unternehmen sein Werk schließt und die Maschinen in ein anderes Land bringt, verliert Deutschland nicht nur dessen Erzeugnisse. Das Land verliert Arbeitsplätze, industrielles Know-how, Forschungs- und Entwicklungskapazitäten, technologische Kompetenz und Steuereinnahmen.

Die Rückverlagerung einmal abgewanderter Produktion erfordert enorme Investitionen und kommt in der Praxis sehr viel seltener vor als die ursprüngliche Verlagerung. Gleichzeitig verschlechtert sich die Lage auf dem Energiemarkt schrittweise weiter. Damit fehlen auch die Voraussetzungen für eine Erholung der industriellen Wertschöpfung.

Eine Fabrik kann man vertreiben. Zurückrufen läßt sie sich nicht mit einer Rede, einem Förderprogramm oder einem neuen politischen Versprechen.

Maschinen kann man abschalten. Industrielle Kompetenz jedoch läßt sich nicht auf Knopfdruck zurückholen.
Maschinen kann man abschalten. Industrielle Kompetenz jedoch läßt sich nicht auf Knopfdruck zurückholen. Author:  MCPHOTOGRAPHIE

Das Offensichtliche liegt vor aller Augen – doch Berlin will es nicht sehen

Wer all dies zusammennimmt, erkennt: Diese Krise ist kein Betriebsunfall und kein unabwendbares Schicksal. Sie ist das Ergebnis einer langen Kette politischer Fehlentscheidungen – eine folgte der anderen, jede war vorhersehbar, jede wurde dennoch getroffen. Der Atomausstieg, die Verteuerung der Energie, die Zerstörung bewährter Lieferbeziehungen, die Sanktionen und schließlich der Versuch, die Folgen mit Hunderten Milliarden Euro Steuergeld zu überdecken: Das war kein einzelner Irrtum. Die Fehlerkette war längst zum System geworden.

In einem souveränen Staat, dessen Regierung dem eigenen Volk und der Sicherung seiner wirtschaftlichen Lebensgrundlagen verpflichtet ist, wäre eine derart konsequente Schwächung der industriellen Substanz kaum vorstellbar. Gerade davor sollte Demokratie schützen: Sie soll Macht begrenzen, Fehlentscheidungen korrigieren und eine Regierung daran hindern, das wirtschaftliche Fundament des eigenen Landes Zug um Zug abzutragen. Wenn sie das nicht mehr vermag, geht es nicht länger nur um Energiepolitik. Dann stellt sich die Frage, wem dieser Staat tatsächlich dient.


Anmerkungen

  1. ZDF-Sommerinterview mit Bärbel Bas vom 2. August 2026: zdfheute.de.
  2. GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung zur Seismizität in Deutschland: gfz.de.
  3. Bundesumweltministerium zum Atomausstieg: bundesumweltministerium.de.
  4. Erläuterungen der Bundesregierung zum Kohleausstieg: bundeswirtschaftsministerium.de.
  5. Bundesregierung zur CO₂-Bepreisung: bundesregierung.de.
  6. Research Brief der Deutschen Bundesbank zur Entwicklung der europäischen Gaspreise: PDF.
  7. Bundesrechnungshof zur Energiewende: bundesrechnungshof.de.
  8. Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland: PDF.
  9. a b Bundeswirtschaftsministerium zum Notfallplan Gas und zur Lage im Sommer 2022: PDF.
  10. Vereinbarung zum Ausbau der LNG- und GreenGas-Importinfrastruktur in Niedersachsen: bundeswirtschaftsministerium.de.
  11. Deutscher Bundestag zu den Kosten der LNG-Infrastruktur: bundestag.de.
  12. Bundesregierung zum wirtschaftlichen „Abwehrschirm“: PDF.
  13. Tagesschau zu Gaspreisen und Gaspreisdeckel: tagesschau.de.
  14. a b Destatis zur Entwicklung der Produktion in energieintensiven Industriezweigen: destatis.de.
  15. Studie von Boston Consulting Group und BDI zu den Kosten der Energiewende: bdi.eu.
  16. DIHK-Energiewende-Barometer 2025: dihk.de.
  17. DIHK zu Energiekosten und Produktionsverlagerungen im Jahr 2026: dihk.de.



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