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Letztes Geleit für den Freiheitskämpfer Siegfried Steger
„Von der Heimat musste ich gehen, zu meiner Heimaterde kehre ich zurück.“
MÜHLEN IN TAUFERS – Am Samstag, dem 28. Februar 2026, wurde der Freiheitskämpfer Siegfried Steger unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und begleitet von über 1.000 Schützen und Marketenderinnen zur letzten Ruhe im Herrn geleitet.
Nach dem Rosenkranzgebet in der Kirche zur hl. Katharina und hl. Florian in Mühlen setzte sich der lange Trauerzug, angeführt von Bezirksmajor Thomas Innerhofer, in Richtung Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Sand in Taufers in Bewegung. Dekan Franz-Josef Campidell und Dekan Josef Knapp zelebrierten dort den feierlichen Trauergottesdienst, der von den Kirchenchören Taufers und Onach sowie der Musikkapelle Mühlen in würdiger Weise musikalisch mitgestaltet wurde.
Am Friedhof spielte die Musikkapelle Mühlen einen Trauermarsch, bevor Harald Laner die ergreifende Grabrede hielt, die wir weiter unten vollinhaltlich wiedergeben.
Als letzte Ehrenbezeugung für ihr verstorbenes Ehrenmitglied Siegfried Steger feuerte die Schützenkompanie Taufers eine Ehrensalve ab. Die Musikkapelle Mühlen spielte die Weise vom „Guten Kameraden“. Abschließend wurde von den Anwesenden spontan die Tiroler Landeshymne angestimmt. Es war ein beeindruckender und würdiger letzter Gruß an den „Puschtra Bui“.
Grabrede von Harald Laner
Die Fahne allein genügt nicht; es braucht Männer, die sie tragen.
Die Wahrheit allein genügt nicht; es braucht Männer, die sie sagen.
Die Freiheiten, die für uns am Himmel hängen, genügen nicht; es braucht Männer, die sie herunterholen.
Einer dieser Männer war auch der Goll Siegfried!
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat das demokratische Italien die Unterdrückungspolitik der Faschisten nahezu nahtlos übernommen – mit dem einen Ziel, das südliche Tirol zu einer italienischen Provinz zu machen.
In dieser Zeit großer Bedrängnis bist du mit anderen aufrechten Tirolern aufgestanden, und ihr habt euch gegen das Unrecht zur Wehr gesetzt!
Nicht aus jugendlichem Leichtsinn, sondern aus tiefer Verantwortung gegenüber unserem Volk und unserem Land habt ihr „Puschtra Buibm“ euch damals zum bewaffneten Widerstand entschlossen. Es schien euch das letzte Mittel, um auf die ungerechte Situation in Südtirol aufmerksam zu machen.Durch die Verurteilung zu lebenslänglichen Haftstrafen konntet ihr die Heimat nicht mehr betreten.
Als wir vor fast 20 Jahren, am 21. Dezember 2006, deinen Kameraden Heinrich hier zu Grabe geleiteten, hofften wir sehr, dass du die Heimat noch einmal sehen kannst – aber leider war der italienische Staat nicht fähig, hier einen Akt der Menschlichkeit zu setzen …
Und jetzt – nach über 60 Jahren – darfst du heimkehren!
Heimkehren in die Heimaterde … 60 Jahre Sehnsucht im Herzen, die geliebte Heimat doch noch einmal zu sehen …O du mein teures Dörflein Mühlen, du bist für mich der schönste Ort.
Ich denk so oft und lass dich grüßen, vergess dich nie – nie für immer fort.Diese Strophe des Tauferer Liedes, das David Oberhollenzer nach grausamen Folterungen im Gefängnis gedichtet hat, drückt auch die Gedanken und Gefühle von Siegfried aus.
In einem Interview sagte er: „Für mich ist es eine große Belastung, im Exil leben zu müssen, ohne die Hoffnung, die geliebte Heimat wieder einmal sehen zu können. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht an die Heimat denkt. Besonders zu Weihnachten und an bestimmten Feiertagen. Auch wenn Hochzeiten, Taufen und dergleichen stattfinden. Vor allem aber, als die Eltern zu Grabe getragen wurden, schmerzte die Seele. Die Zeit heilt zwar Wunden, aber die Narben in der Seele bleiben bis zum Tod.“
Du und deine Kameraden habt euch mit selbstlosem Einsatz für Südtirol eingesetzt. Das große Ziel war die Selbstbestimmung und die Wiedervereinigung Tirols. Dieses Ziel wurde leider nicht erreicht.
Aber die heutige Autonomie verdanken wir vor allem den Opfern der Freiheitskämpfer der 1960er-Jahre.
Opfer muss es geben. Joachim Fernau legte in seinem Buch „Ist Heldentod sinnlos?“ Andreas Hofer folgende Worte in den Mund – und ich glaube, auch Siegfried hätte sie so sagen können:
„Wenn es einmal so weit kommt, dass es keine Opfer mehr gibt, dann wird die Erde öde und leer werden! Ist denn das nichts wert, dass die Menschen so ein Beispiel wie unseres sehen? Gilt das nicht, dass die Herzen höherschlagen? So ein Beispiel – niemand kann es mehr auslöschen, es ist da, gegen den Kleinmut und gegen den elenden Bauch, der nur nach Essen und Schlafen schreit.
Es ist da, damit die Menschen merken, was man kann, wenn man aufsteht und mutig ist.
Man bekommt keine Heimat geschenkt! Die Heimat muss man mit dem Herzen packen, und das Herz muss dazu offen sein – und am offensten ist ein wundes Herz; da muss die Heimat hinein. Das brennt! Ich weiß.
Aber wenn es das alles einmal nicht mehr geben sollte, dann wird ein Volk keine Heimat mehr haben; es wird überall und nirgends sein können.“
Und wir? Sind auch wir bereit, für unsere Heimat Opfer zu bringen? Einzutreten für unsere Tiroler Kultur und Geschichte, für den Erhalt der deutschen Sprache und vor allem festzuhalten am überlieferten Glauben der Väter?
Oder lassen auch wir uns vom antichristlichen Zeitgeist beeinflussen, der seit Jahrzehnten über den europäischen Kontinent weht – wo unter dem Deckmantel der Toleranz das christliche Erbe und alles, was mit Patriotismus, Heimatliebe, Tradition, Erhalt der Familie, Werten und Idealen zu tun hat, lächerlich gemacht oder sogar unterdrückt wird?
Gefördert wird eine Spaß- und Konsumgesellschaft, um den Menschen vom wahren Sinn des Lebens abzulenken und ihn dadurch leichter manipulieren zu können.
Setzen wir uns ein für die Erhaltung unserer Tiroler Heimat und kehren wir zurück zum katholischen Glauben unserer Väter.
Auch hier kann uns Siegfried ein Vorbild sein. In den letzten Jahren seines Lebens hat er den Rosenkranz lieben gelernt und die Heilige Messe geschätzt.
So hat er sich am 21. Februar, gestärkt durch die Sakramente der heiligen Kirche, auf den Weg zu seinem Schöpfer gemacht.Und wir begleiten ihn mit unserem Gebet.
Lieber Siegfried, wir sagen dir ein aufrichtiges Vergelt’s Gott für deinen unermüdlichen Einsatz für Tirol!
Deine Treue und deine Liebe zur Heimat sind für uns Auftrag und Vermächtnis.So läutet jetzt noch einmal die große Glocke von Taufers als letzter irdischer Gruß der Pfarrgemeinde.
Himmlischer Vater, nimm ihn nun auf in die ewige Heimat.
https://schuetzen.com/2026/02/28/letztes-geleit-fuer-den-freiheitskaempfer-siegfried-steger/
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