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EU-Demographie vor Wendepunkt
10-08-2026, 08:02
von Thomas Oysmüller
Nur Zuwanderung kann den Bevölkerungsrückgang in der EU bremsen, erklärt die Kommission, die trotzdem mit einer Reduktion rechnet. Im Jahr 2100 glaubt man, wieder am Stand von 1970 zu sein.
Aktuelle Projektionen der Europäischen Kommission und von Eurostat wird die EU-Bevölkerung 2029 mit 453,3 Millionen Einwohnern ihren Höchststand erreichen – doch dann wird sie dauerhaft schrumpfen. So rechnet man, dass die Zahl bis 2050 auf etwa 445 Millionen und bis 2100 auf 398,8 Millionen zurückgehen wird – ein Rückgang von rund 11,7 Prozent gegenüber dem Niveau von 2025. Damit läge die EU-Bevölkerung wieder auf dem Stand der 1970er-Jahre.
Die jüngsten Zahlen stammen aus dem Demografie-Bericht der Kommission von Juli 2026 sowie den Eurostat-Prognosen (EUROPOP2025). Demnach lag die EU-Bevölkerung 2025 bei rund 451,8 Millionen. Doch die Zahl ist trügerisch, denn das Wachstum kommt ausschließlich durch positive Nettozuwanderung.
Die natürliche Bevölkerungsentwicklung – die Differenz aus Geburten und Sterbefällen – ist seit 2012 negativ. Zwischen 2005 und 2024 stieg die Bevölkerung im Schnitt um 0,89 Millionen pro Jahr, deutlich weniger als in den 1960er-Jahren mit jährlich 3,03 Millionen.
Die Geburtenzahlen illustrieren den Trend: 2024 kamen in der EU nur noch 3,55 Millionen Kinder zur Welt. Der Höchstwert lag 1964 bei 6,8 Millionen. Die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer (TFR) betrug 2024 lediglich 1,34 Kinder pro Frau – weit unter der Reproduktionsrate von 2,1. Nach einem leichten Anstieg zu Beginn der 2000er-Jahre (bis 1,57 im Jahr 2010) setzt sich der Rückgang fort.
Parallel dazu altert die Gesellschaft rasch. Der Anteil der über 65-Jährigen soll bis 2050 von derzeit rund 20 Prozent auf etwa 30 Prozent steigen. Die Gruppe der über 80-Jährigen verdoppelt sich voraussichtlich. Die Lebenserwartung liegt derzeit bei durchschnittlich 81,5 Jahren und wird weiter zunehmen. Das bringt Arbeitsmärkte, Gesundheitssysteme und öffentliche Finanzen erheblich unter Druck. Die herrschende Elite setzt hier offenbar ausschließlich auf „Digitalisierung“, also Automatisierung durch Roboter und KI, und auf die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Es wird über die nächsten Jahre ziemlich sicher steigen.
Außerdem will man Zuwanderung. Diese soll bis 2100 positiv bleiben. Doch laut den Modellen in Brüssel wird es weniger Migration geben, als nötig wäre, um den natürlichen Rückgang auszugleichen oder die Alterung grundlegend zu stoppen. Unter einem Null-Migrations-Szenario wäre die Bevölkerung 2100 um 32 Prozent (rund 130 Millionen) kleiner. Das gilt allerdings nur unter der Annahme, dass die Zuwanderer ihre Reproduktionsrate, an die der Aufnahmegesellschaft anpassen.
Die Entwicklungen verlaufen uneinheitlich: Während Länder wie Luxemburg, Malta, Schweden und Irland Wachstum verzeichnen, schrumpfen 18 Mitgliedstaaten, besonders stark in Osteuropa. Deutschland bleibt bis 2100 das bevölkerungsreichste Land, verliert aber von 83,6 auf 74,7 Millionen Einwohner.
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