Auf unserer Website gibt es keine Cookies und keine Web-Analyse.
Wir sammeln grundsätzlich keine Daten über unsere Leser.

Liebe Leserinnen und Leser,

Patria Germania steht für einen verantwortungsvollen Patriotismus, der Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und demokratische Ordnung miteinander verbindet. Wir sind überzeugt: Eine lebendige Demokratie braucht offene Debatten, kritisches Denken und den Mut, auch schwierige Fragen anzusprechen.

Wir analysieren politische Entwicklungen, hinterfragen Entscheidungen und widmen uns Themen, die in der öffentlichen Diskussion häufig zu wenig Raum erhalten. Gemeinsam mit unseren Lesern suchen wir nach Antworten für eine starke, freiheitliche und demokratische Gesellschaft.

Patria Germania versteht sich als Plattform für Menschen, die Verantwortung übernehmen, über die Zukunft unseres Landes nachdenken und sich mit eigenen Ideen an der gesellschaftlichen Debatte beteiligen möchten. Wir freuen uns über Beiträge von Autoren, die nicht nur kritisieren, sondern auch nach Lösungen suchen und sich für die Zukunft unserer Heimat engagieren.

Wir laden alle ein, die mit Sachlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und eigenen Ideen zur Gestaltung der Zukunft unseres Landes beitragen möchten.

Ist Deutschland souverän, wenn Europa es nicht ist?

19-08-2026, 14:10

Sehr geehrter Herr Dr. Maurer,

sehr geehrter Herr Funke,

in der Debatte über die Souveränität Deutschlands gibt es meines Erachtens einen Gesichtspunkt, der größere Aufmerksamkeit verdient.

Europa steht nicht zum ersten Mal in einer Konfrontation mit Russland. Die Epochen und politischen Ordnungen wechseln, doch bestimmte historische Konstellationen kehren wieder. Unter Napoleon zog ein großer Teil Europas nach Osten. Unter Hitler wurde ein großer Teil des Kontinents unter deutscher Führung oder Besatzung in den Krieg gegen die Sowjetunion hineingezogen. Heute stehen die europäischen Staaten – unter völlig anderen Voraussetzungen – erneut weitgehend geschlossen Russland gegenüber; das unmittelbare militärische Zentrum dieses Konflikts ist die Ukraine.

Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg verloren. Frankreich gehörte zu den Siegermächten. Polen wurde Opfer massiver Gewalt und erlitt ungeheure Verluste. Unterschiedlicher könnten die historischen Erfahrungen dieser Länder kaum sein. Und dennoch vertreten Berlin, Paris und Warschau gegenüber Russland heute in den entscheidenden Fragen nahezu dieselbe strategische Linie.

Darüber sollte man nachdenken.

Nehmen wir an, Deutschland hätte 1990 einen klassischen Friedensvertrag abgeschlossen, sich durch Volksabstimmung eine neue Verfassung gegeben und seinen staatlichen Status genau in jener Form geregelt, die manche Kritiker bis heute vermissen.

Würde die Bundesrepublik deshalb heute eine grundsätzlich andere Außen- und Sicherheitspolitik betreiben?

Ich bezweifle es.

Sie wäre vermutlich weiterhin Mitglied derselben Bündnisse, in dieselben sicherheitspolitischen Strukturen eingebunden und ähnlichen außenpolitischen Zwängen ausgesetzt.

Das Problem liegt also tiefer als bei amerikanischen Militärstützpunkten, einem fehlenden Friedensvertrag oder der Bezeichnung „Grundgesetz“ anstelle von „Verfassung“.

Es geht nicht nur um Deutschland. Es geht um die politische Souveränität Europas.

Wer immer nur im Gleichschritt mit den anderen marschiert, teilt am Ende auch deren Schicksal. Souveränität beginnt mit dem Mut, aus der Reihe zu treten und selbst zu entscheiden.
Wer immer nur im Gleichschritt mit den anderen marschiert, teilt am Ende auch deren Schicksal. Souveränität beginnt mit dem Mut, aus der Reihe zu treten und selbst zu entscheiden.

Nach 1945 entstand in Westeuropa eine Ordnung, deren sicherheitspolitisches Zentrum immer stärker im transatlantischen und vor allem amerikanisch geprägten Raum lag. Die europäischen Staaten behielten ihre Parlamente, Regierungen und Verfassungen. Doch gerade in den entscheidenden Fragen von Sicherheit, Krieg und Frieden war und ist ihr tatsächlicher Handlungsspielraum begrenzt.

Wie eng diese Grenzen sein können, zeigt sich besonders an jenen Staatsmännern, die versuchten, sie zu verschieben.

Das wohl bedeutendste Beispiel der frühen Nachkriegszeit war Charles de Gaulle.

Er wollte Frankreich weder in amerikanischer Abhängigkeit noch in der Rolle des Juniorpartners einer Großmacht sehen. Er bestand auf einer eigenen französischen Nuklearstreitmacht, führte Frankreich aus der integrierten Kommandostruktur der NATO heraus, suchte eigenständige Beziehungen zu Moskau und Peking und vertrat die Vorstellung eines Europas, das seine Interessen selbst bestimmen und vertreten könne.

De Gaulle wurde nicht „von außen beseitigt“. Nach seiner Niederlage im Referendum von 1969 trat er zurück. Aber seine politische Laufbahn zeigt, wie schwierig es schon damals war, einen eigenständigen europäischen Kurs gegen innere Widerstände, Bündnislogiken und äußere Interessen zu behaupten.

Später begegnen uns, unter ganz anderen Bedingungen, ähnliche Konflikte. Milošević ist dabei ein äußerster und tragischer Sonderfall und mit den heutigen Verhältnissen in der Europäischen Union nicht vergleichbar. Interessanter für unsere Gegenwart sind Politiker wie Orbán, Fico oder Vučić. An ihnen lässt sich beobachten, was geschieht, sobald ein nationaler Kurs deutlich von der vorherrschenden europäischen und transatlantischen Linie abweicht.

Ob man diese Politiker schätzt oder ablehnt, ist für diese Frage zweitrangig. Entscheidend ist etwas anderes:

Kann ein europäischer Staat einen eigenständigen strategischen Kurs verfolgen, wenn dieser den Interessen des dominierenden Macht- und Bündnissystems widerspricht?

Damit verlieren die Debatten über Artikel 146 des Grundgesetzes, einen Friedensvertrag oder ausländische Truppen auf deutschem Boden keineswegs ihre Bedeutung. Aber sie erfassen eben nur einen Teil des Problems.

Eine Verfassung schafft einen rechtlichen Rahmen. Ein Vertrag kann einen staatsrechtlichen Zustand klären. Wirkliche Selbstbestimmung beginnt jedoch dort, wo ein Staat seine Interessen selbst definiert – und die Kraft besitzt, entsprechend zu handeln, auch wenn andere dagegenstehen.

Rechtliche Souveränität und politische Unabhängigkeit sind nicht dasselbe.

Vielleicht ist das die eigentliche deutsche und zugleich europäische Frage unserer Zeit:

Was bedeutet Souveränität noch, wenn ein Staat formal frei entscheiden kann, die Grenzen des politisch Möglichen aber längst durch Bündnisse, Abhängigkeiten und Machtverhältnisse gezogen sind?

Gerade deshalb ist Ihre Arbeit nicht nur für Deutschland, sondern für Europa als politische und kulturelle Zivilisation von Bedeutung. Nur wenige stellen heute noch die Fragen, die Sie stellen. Noch weniger suchen beharrlich nach Antworten darauf.

Ich wünsche Ihnen beiden, dass Sie das Ziel des Weges, den Sie mit Mut und Beharrlichkeit eingeschlagen haben, noch selbst erleben dürfen.

Und ich hoffe, dass wir eines Tages in einem Deutschland der Zukunft leben werden, das seinen eigenen Weg frei bestimmen kann und mit seinen Nachbarn in Frieden lebt.

Lothar N.

Ähnliche Nachrichten

BOZEN/WANGEN – Mit tiefer Trauer nimmt der Südtiroler Schützenbund Abschied von Schützenhauptmann Franz Winkler, der am 23. April 2026 im Alter von 70 Jahren infolge eines tragischen Unfalls verstorben ist.

Weiterlesen

Am 6. September fand den Organisatoren des Spaziergang Steyr ein Protestmarsch zur Mega-Baustelle für das Hyperscale-Rechenzentrum von Google statt. TKP wurde eingeladen direkt an Baustelle zu den Problemen zu referieren, die diese Art von Industrie-Installationen verursachen. Hier das Video von der Veranstaltung.

Weiterlesen

In diesem Video spricht Alex über die neuen Gesetze rund um eine Ausreisesperre.

Weiterlesen

Italien und Deutschland streiten über Migration: Meloni fordert eine Entschädigung für die Unterstützung von Schlepper-NGOs und kritisiert deutsche Migrationspolitik. Gleichzeitig startete die AfD in Magdeburg ihren Wahlkampf für Sachsen-Anhalt. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und Alice Weidel wollen die Partei zur stärksten Kraft machen.

Weiterlesen

„Linke Tränen“ im Landtag und der geplatzte Kragen der SPD bei Lanz: Wie die AfD ihren Erfolg in Sachsen-Anhalt feiert.

Weiterlesen

Nicole Höchst, rheinland-pfälzische AfD-Bundestagsabgeordnete, spricht im Interview über den Angriff auf den AfD-Infostand in Bad Kreuznach und welche Konsequenzen jetzt nötig sind.

Weiterlesen

In einer neuen Folge „Sahra trifft“ spreche ich mit Michael Kyrath darüber, wie unkontrollierte Migration, gescheiterte Integration und Behördenversagen zu schrecklichen Schicksalen wie dem von Ann-Marie führen – und warum er sich dafür einsetzt, dass der Tod seiner Tochter nicht folgenlos bleibt.

Weiterlesen

NIUS enthüllt die Abschiebe-Leaks! In Deutschland gilt zweierlei Recht: Wer als Deutscher ein Gesetz bricht, zahlt. Wer als Ausländer illegal einreist, wird bezahlt – bis hin zu Schwerstverbrechern, die nicht abgeschoben werden. Das NIUS-Investigativteam hat tausende Seiten vertraulicher Akten aus Niedersachsen ausgewertet und ein System gefunden, das kollabiert ist – und von innen sabotiert wird.

Weiterlesen

In diesem Video spricht Alex über aktuelle Entwicklungen auf der Ostsee.

Weiterlesen
Calendar
«Oktober 2026»
MoDiMiDoFrSaSo
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031 
Wenn der Staat seine Feinde sucht: Die Grenzen der wehrhaften Demokratie

Der Kampf gegen Extremismus ist eine der wichtigsten Aufgaben des demokratischen Staates. Doch jeder Kampf gegen einen Gegner verändert auch denjenigen, der ihn führt.

Der Fall der NPD zeigte, wie kompliziert diese Grenze sein kann: Verfassungsschutzbehörden waren mit Informanten in einer Partei präsent, die sie später verbieten lassen wollten. Heute steht Deutschland erneut vor einer Grundfrage: Schützt der Staat die Demokratie – oder kann die Logik des Schutzes selbst politische Wirkungen erzeugen?

Grundgesetz nach Bedarf: Artikel 146 vergessen, Artikel 37 griffbereit

Das Volk darf laut Grundgesetz eine neue Verfassung beschließen. Darüber redet kaum jemand. Über den Bundeszwang gegen eine noch gar nicht existierende AfD-Landesregierung dagegen schon. Zwei Artikel, ein Grundgesetz und eine unbequeme Frage: Welche Macht ist in Deutschland politisch eigentlich erwünscht, die des Souveräns oder die des Staates?

Der Souverän darf wählen – aber nicht entscheiden

Das Erstarken der AfD wird gewöhnlich mit Migration, wirtschaftlicher Unsicherheit und wachsendem Misstrauen gegenüber der Politik erklärt. Die Erfolge der Linken wiederum mit sozialem Protest. All das spielt eine Rolle. Doch hinter der Verschiebung der deutschen Parteienlandschaft liegt noch ein anderer Konflikt – und der ist älter als die aktuellen Krisen.