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Zwischen Systembruch und Souveränität. Teil 3 – Entkolonialisierung Afrikas
Think Tank 28-10-2026, 11:00
von Andreas Funke und Dr. Klaus Maurer
Afrika:
Als „sechs authentische Befreiungsbewegungen“ werden sechs historische politische und militärische Organisationen in Afrika bezeichnet, die von der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) offiziell als „die legitimen Vertreter ihrer jeweiligen Völker im Kampf gegen Kolonialismus und Apartheid“ anerkannt wurden:
- ANC (African National Congress) – Südafrika
- ZAPU (Zimbabwe African People's Union) – Simbabwe (damals Rhodesien)
- SWAPO (South West Africa People's Organisation) – Namibia
- MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola) – Angola
- FRELIMO (Frente de Libertação de Moçambique) – Mosambik
- PAIGC (Partido Africano da Independência da Guiné und Cabo Verde) – Guinea-Bissau und Kap Verde.
Diese Bewegungen arbeiteten während der Dekolonisierungsphase eng zusammen, teilten logistische Netzwerke und wurden maßgeblich von den sogenannten „Frontstaaten“ (wie Sambia und Tansania) sowie international von der Sowjetunion und dem Ostblock unterstützt. Breakaway- oder Konkurrenzorganisationen (wie die ZANU in Simbabwe oder der PAC in Südafrika) besaßen diesen spezifischen kollektiven Status der OAU anfangs nicht.
Brennpunkt Südrhodesien / Simbabwe
Die „ZANU“ und die „ZAPU“ wurden in den frühen 1960er Jahren gegründet. Beide sozialistisch orientierten Bewegungen (ZAPU unter Joshua Nkomo, die Abspaltung ZANU später unter Robert Mugabe) kämpften im „Buschkrieg“ gegen das weiße Minderheitsregime mit dem Ziel, eine „Herrschaft der schwarzen Mehrheit“ („Majority Rule“) zu etablieren. Diese NBB hatte durchaus Erfolg. Durch das sogenannte „Lancaster-House-Abkommen“ endete der Krieg. 1980 wurde das Land als „Simbabwe“ unabhängig. Die ZANU (heute ZANU-PF) regiert seither autoritär.
Sowohl die ZANU als auch die ZAPU waren international offiziell anerkannte nationale Befreiungsbewegungen, allerdings gab es feine diplomatische Unterschiede bei ihrer Einstufung. Die Anerkennung erfolgte über ein zweistufiges System: zuerst durch die Organisation für die Afrikanische Einheit (OAU) (die heutige Afrikanische Union) und darauf basierend durch die Vereinten Nationen (UN).
Die ZAPU gehörte ursprünglich zu den sogenannten „Sechs Authentischen Befreiungsbewegungen“, die von der OAU vollumfänglich anerkannt und offiziell finanziert wurden. Sie wurde stark vom Sowjetblock unterstützt. Die ZANU (unter Robert Mugabe/Ndabaningi Sithole) war eine Abspaltung der ZAPU, so zögerte die OAU anfangs mit der offiziellen Anerkennung, um Spaltungen zu vermeiden. Die ZANU (unterstützt von China) erhielt jedoch massive Unterstützung durch afrikanische Frontstaaten wie Tansania und Mosambik.
Die Patriotische Front (PF): Um das diplomatische Problem zu lösen und die Kräfte zu bündeln, schlossen sich ZANU und ZAPU 1976 politisch zur „Patriotischen Front“ (Patriotic Front / PF) zusammen. Diese gemeinsame Front wurde von der OAU umgehend als die einzig legitime Vertretung des simbabwischen Volkes anerkannt.
Die UN folgte der Linie der OAU. Über verschiedene Resolutionen der UN-Generalversammlung wurden die Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika offiziell anerkannt. Mit der Anerkennung als legitime Befreiungsbewegung erhielten die Vertreter der Patriotischen Front (ZANU und ZAPU) einen Beobachterstatus bei den UN. Sie durften an UN-Debatten über das damalige Rhodesien (Simbabwe) teilnehmen, um die Interessen der schwarzen Mehrheitsbevölkerung gegen das illegitime, weiße Minderheitsregime zu vertreten. Diese breite internationale Anerkennung durch die UN und die OAU war am Ende entscheidend dafür, dass Großbritannien die Patriotische Front 1979 als offiziellen Verhandlungspartner für das Lancaster-House-Abkommen akzeptieren musste, was 1980 schließlich zur völkerrechtlich anerkannten Unabhängigkeit Simbabwes führte.
Brennpunkt Mosambik
Die „FRELIMO“ (Frente de Libertação de Moçambique) wurde 1962 in Tansania unter Eduardo Mondlane als Zusammenschluss verschiedener Antikolonialgruppen gegründet. Das Ziel war die Unabhängigkeit Mosambiks von Portugal, da das Gebiet bis dato Bestandteil des portugiesischen Kolonialreiches war.
Da eine friedliche Auseinandersetzung nicht zielführend war, wurde ab 1964 ein Guerillakrieg begonnen.
Gemäß der Resolution 2908 (XXVII) der UN-Generalversammlung vom 02.11.1972 hatte die FRELIMO offiziell Beobachterstatus bei den UN als Vertretung des Selbstbestimmungsanspruchs Mosambiks.
Am 25. Juni 1975 wurde Mosambik unabhängig. Damit veränderte sich auch die völkerrechtliche Stellung der FRELIMO, die nun die Regierungspartei des unabhängigen Staates wurde.
Die „FRELIMO“ wandelte sich zunächst in eine marxistisch-leninistische und später in eine sozialdemokratische Partei um und regiert das Land seither.
Brennpunkt Angola
In Angola formierten sich die „MPLA“ und die „FNLA“: Die marxistische MPLA und die konservativ-nationalistische FNLA kämpften ab 1961 unabhängig voneinander gegen die portugiesische Kolonialmacht mit dem Ziel der Befreiung Angolas. Beide Organisationen waren bei den UN als Nationale Befreiungsbewegung anerkannt.
Später schloss sich die „UNITA“ den Kämpfen an, diese hatte jedoch diesen Status nie.
Dieser Kampf war zunächst erst einmal insoweit von Erfolg gekrönt, als sich das Militär von Portugal 1975 zurückzog. Doch statt eines gemeinsamen Staates entbrannte sofort ein blutiger, vom Kalten Krieg befeuerter Stellvertreter-Bürgerkrieg. Die MPLA setzte sich mit Hilfe kubanischer Truppen in Luanda durch und stellt bis heute die Regierung.
Brennpunkt Guinea-Bissau und den Kapverdischen Inseln
Die „PAIGC“ (Partido Africano da Independência da Guiné e Cabo Verde) wurde 1956 von Amílcar Cabral als NBB gegründet. Ihr Ziel war die Befreiung von Guinea-Bissau und den Kapverdischen Inseln von Portugal. Wegen ihres beachtlichen militärischen Erfolgs gilt diese NBB als eine der effektivsten NBBs, die weite Teile des Landes vorab befreite. Guinea-Bissau wurde 1973/74 unabhängig, die Kapverden 1975. Die geplante Vereinigung beider Staaten scheiterte 1980 nach einem Putsch.
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