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Tätigkeitsbericht des Südtiroler Heimatbundes für das Jahr 2025

Südtiroler Heimatbund 12-02-2026, 10:31

Landesweite Aufklärung über Autonomiereform

Geprägt war das vergangene Jahr sicherlich durch das Für-und Wider der von Meloni und Kompatscher geplanten Autonomiereform, stellt SHB-Obmann Roland Lang in seinem Tätigkeitsbericht für das Vereinsjahr 2025 fest. Bereits im Frühjahr wurde nur von der SVP mit Rom verhandelt und für lange Zeit das Volk im Unklaren gelassen.

Bereits als die SVP drei Neufaschisten in die Landesregierung berief, zeigten sich die ersten schwarzen Wolken am Himmel. Aber Kompatscher und allen voran SVP-Parteiobmann Dieter Steger ließen keine Kritik aufkommen. Erst als der Text der Reform veröffentlicht wurde, wurde Völkerrechtlern und den heimatverbundenen Südtirolern klar, was hier für ein abgekartetes Spielchen getrieben wurde.

Hatte bereits der Einsatz von Alessandro Urzí zugunsten dieser Reform, die bis zuletzt dem Volk als Rückholung verlorener Kompetenzen verkauft wurde, für größte Skepsis gesorgt, übertrafen die in der Reform festgeschriebenen Punkte alle Befürchtungen.

Daraufhin startete der SHB im Mai 2025 eine Plakataktion, um die Bevölkerung aufzuklären. „SÜDTIROLER VERRATEN! AUTONOMIE VERKAUFT.“

Landesweit protestierte der Südtiroler Heimatbund (SHB) gegen die Reform des Autonomiestatuts. „SÜDTIROLER VERRATEN! AUTONOMIE VERKAUFT.“ lautet die klare Botschaft des Plakats.

„Diese Reform ist kein Fortschritt, sondern eine Rückentwicklung. Was uns als Verbesserung verkauft wird, ist in Wahrheit ein massiver Verlust an Selbstbestimmung“, warnte SHB-Obmann Roland Lang.

Eine erste Analyse der Reform durch den Verfassungsrechtler Prof. Peter Hilpold bestätigt dies: „Die völkerrechtliche Absicherung wird durch eine weitgehend wertlose Einvernehmensklausel verdrängt. Der Text ist gegenüber dem Entwurf von 2024 erheblich abgeschwächt.“

Auch der Rechtsanwalt Paolo Gobbato findet klare Worte: „Ein neuer Artikel 2, der die Südtirol-Autonomie aufwertet, fehlt vollständig. Im Gegenteil: Die zentrale Rolle des nationalen Interesses bleibt bestehen.“

In einem QR-Code auf dem Plakat wurde sachlich auf die Rückschritte bei Annahme hingewiesen. Die größten Gefahren der Reform sind Rom entscheidet über uns:
Die sogenannte Einvernehmensklausel schützt uns nicht. Rom kann jederzeit gegen den Willen Südtirols handeln – einfach unter Berufung auf das „nationale Interesse“. Österreichs Schutz wird ausgehebelt: Unser Recht auf Schutz durch Österreich wird untergraben. Minderheitenrechte werden zu „italienischen Angelegenheiten“ erklärt. Angriff auf unsere Identität: Die tolomeisch-faschistische Etikette „Alto Adige“ soll nun auch auf Deutsch Pflicht in der Bezeichnung für die Region werden. Dies ist ein schwerwiegender Eingriff in unsere deutsche Sprache und eine Herabwürdigung der gewachsenen Landesbezeichnung „Südtirol“!

Dabei besonders wichtig: Wahlen werden manipuliert: Wer nur 2 Jahre in Südtirol lebt, darf künftig mitwählen – egal ob Italiener oder Ausländer mit italienischer Staatsbürgerschaft nicht-deutscher Muttersprache. Dies gefährdet den Erhalt der deutschen und ladinischen Volksgruppe in Südtirol. Der Wille des Volkes bleibt unberücksichtigt:Die im Autonomiekonvent von Hunderten von Bürgern erarbeiteten Vorschläge zur Reform unserer Autonomie wurden bei den Verhandlungen von Kompatscher mit Rom völlig ignoriert und bleiben in der Schublade.

Statt Kompetenzen zurückzuholen bzw die Autonomie mit wichtigen Themen wie der Schutz unserer Orts- und Flurnamen oder Kompetenzen wie die Steuer- und Finanzhoheit, eine eigene Energie-Regulierungsbehörde oder autonome Befugnisse in relevanten Bereichen wie dem Rentensystem, sowie die Stärkung der Rechte unserer Volksgruppen auszubauen, verzichtete die SVP zur Freude von Urzí sogar auf bestehende Kompetenzen. Wen wundert es da noch, dass dieses Gesetz im Eiltempo in allen römischen Gremien gutgeheißen wurde und im Senat mit euphorischem faschistischem Geschrei zugestimmt wurde.

Neben verschiedenen Aussendungen kam aber auch 2025 das Vereinsleben nicht zu kurz. So unternahmen am 25. Mai 2025 zahlreiche Mitglieder des Südtiroler Heimatbundes eine Kulturfahrt in die nach dem ersten Weltkrieg von Südtirol abgetrennten ladinischen Tälern. Unter der fachkundigen Reiseleitung von Thomas Winnischhofer ging die Fahrt durch das Grödental über das Pordoijoch zur Burg Andraz, auch Schloss Buchenstein genannt.

Die teilweise verfallene Burg zeichnet sich durch ihre eigenartige Lage aus. Sie steht auf einem großen Dolomitenblock am Fuß des im 1. Weltkrieg heiß umkämpften Col di Lana. Herzlich war dann der Empfang beim Museum „la gran vera“ in Moena. Einer der beiden Gründer des Museums, Michele Simonetti Federspiel begrüßte uns persönlich und überreichte uns im Zeichen der Freundschaft eine österreichische Fahne. Er führte uns dann sachkundig zusammen mit Thomas durch die riesige Ausstellung. Beeindruckt von einem Tag voller Geschichte über die gegen ihren Willen abgetrennten ladinischen Gebiete ging die Fahrt dann über das Eggental heimwärts Richtung Bozen.

Ganz abseits der üblichen Gedenkfeiern erinnerte der SHB an einen ungesühnten faschistischen Mord im Pfossental. Zwischen Gasthof Jägerrast und etwa 400 Meter vor der Jausenstation Mitterkaseralm steht ein Marterle für den Hirten Johann Spechtenhauser, der hier 72-Jährig feige von einem 18-jährigen faschistischen Grenzmilizer am 21. Juli 1942 erschossen wurde.

Am 19.Juli hat der Südtiroler Heimatbund bei seinem Marterle einen kleinen Kranz niedergelegt und an den feigen Mord an diesem einfachen Hirten vor 83 Jahren erinnert. Er war einer von Vielen, die dem faschistischen Terror zum Opfer fielen. Da das Schnalstal keine Schützenkompanie hat, waren auch 4 Mitglieder der Schützenkompanie Naturns mit Hauptmann Marcel Doliana und eine Marketenderin anwesend. Auch die Journalistin Manuela Sartori, Buchautor Max Unterrichter, der SHB-Obmannstellvertreter und Ehrenhauptmann der Schützenkompanie Kastelbell Luis Pixner und einige Interessierte wohnten der Gedenkfeier bei.

Bürgermeister Peter Grüner schrieb dazu in seinem Grußwort:“ Unter dem Deckmantel falscher Ideale wurden Familien auseinandergerissen, Freunde getötet, Träume zerstört. Dieser Mord reiht sich ein in jene lange Kette der Gewalt, die im Namen einer verbrecherischen Weltanschauung begangen wurde. Lasst uns heute nicht nur trauern, sondern auch lernen und handeln. Wir dürfen nicht vergessen, dass Zivilcourage und Menschlichkeit stärker sind als Hass und Gewalt.“

Und Buchautor Günther Rauch schloss seine Gedenkrede mit der Warnung, dass ein Staat, der die Verbrechen des faschistischen Regimes und ihrer Erben in Südtirol unbestraft lässt und Unrechte nicht beseitigt, anfällig für einen neuen Totalitarismus ist.

Ein denkwürdiger Tag war in diesem Jahr der Gedenktag für Sepp Kerschbaumer in St. Pauls. Höhepunkt der Veranstaltung war die Ansprache des Strafverteidigers und Menschenrechtsexperten Dr. Nicola Canestrini. Er forderte eine vollständige Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen an Südtiroler Häftlingen in den 1950er- und 1960er-Jahren und erinnerte daran, dass viele Opfer Folter, Misshandlungen und fragwürdige Verfahren erlitten – ohne dass Italien je Verantwortung übernommen habe. Canestrinis Kernaussagen: „Ein demokratischer Staat zeige Größe, wenn er das Handeln seiner eigenen Organe überprüft. Das Ausbleiben einer juristischen Aufarbeitung sei ein bleibender Schatten über dem Rechtsstaat. Menschenrechte seien unumstößlich und dürften politischer Opportunität nie geopfert werden“.

Auf ihrem letzten Weg begleitet wurden vom SHB auch die beiden ehemaligen Freiheitskämpfer Andreas Ladurner und Sepp Forer. Im 2. Mailänder Südtirol-Prozess war Andreas vorgeworfen worden, im Jahre 1963 an einem Feuergefecht mit italienischen Polizisten beteiligt gewesen zu sein. Am 20. April 1966 war in dem Urteil über ihn eine Strafe von 6 Jahren und 9 Monaten Kerker verhängt worden. Am 13. Juni 1968 konnte der 22-jährige Andreas Ladurner nach einem Strafnachlass im Berufungsverfahren wieder in die Freiheit und in seine Heimat zurückkehren.

Der aus Mühlen im Tauferer Tal stammende ehemalige Freiheitskämpfer und „Pusterer Bua“ Sepp Forer ist am 5. Februar 2025 im Nordtiroler Exil verstorben. Die Fortführung der faschistischen Entnationalisierungspolitik mit Unterdrückung der deutschen Sprache und Kultur sowie der Förderung der Zuwanderung aus dem Süden hatten ihn Ende der 1950er Jahre dazu bewogen, sich der Widerstandsgruppe der „Pusterer Buam“ anzuschließen.

Nach der Feuernacht des Jahres 1961 hatte Forer nach Nordtirol flüchten müssen, von wo aus er immer wieder heimlich über die Unrechtsgrenze nach Südtirol ging, um an Widerstandshandlungen teilzunehmen. Diese richteten sich gegen Sachwerte wie Strommasten, nicht gegen Menschen, wie er und seine Mitstreiter stets hervorhoben.

Trotzdem wurde er in Italien in Abwesenheit zweimal zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine Anklageschrift und Vorladung zur Gerichtsverhandlung hatte er nie erhalten. Seine Verurteilungen hatte er nur aus der Presse erfahren.

Auch in Österreich war er auf italienischen Druck hin inhaftiert worden. Der Nordtiroler Landeshauptmann Eduard Wallnöfer, ein gebürtiger Vinschger, hielt jedoch seine schützende Hand über ihn und bewirkte seine Freilassung. Sepp Forer hatte sich dann in Ladis in Nordtirol niedergelassen, eine Familie gegründet und ein Hotel betrieben.

Roland Lang
Obmann des SHB

https://www.suedtiroler-freiheitskampf.net/taetigkeitsbericht-des-suedtiroler-heimatbundes-fuer-das-jahr-2025/

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