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Gesundheitsfachberufe müssen schulgeldfrei bleiben

Südschleswigsche Wählerverband 21-03-2026, 16:03

Wer nicht weiß, ob er oder sie plötzlich wieder mehrere hundert Euro im Monat zahlen muss, entscheidet sich im Zweifel gegen diese Ausbildung. Ausbildungskapazitäten bleiben dann ungenutzt – und wir verschärfen den Fachkräftemangel sehenden Auges.

Christian Dirschauer zu TOP 16 - Schulgeldfreiheit und Finanzierungssystematik in den Gesundheitsfachberufen zukunftsfest gestalten (Drs. 20/4207)

Dass der Fachkräftemangel auch bei uns in Schleswig-Holstein längst Realität ist, muss ich hier nicht mehr ausführlich erläutern. Besonders in den Gesundheitsfachberufen müssen wir ihm eher gestern als heute entschlossen begegnen. Und darüber sollten wir uns einig sein!

Und genau hier liegt das Problem: Wir machen es jungen Menschen aktuell alles andere als leicht, sich für eine Ausbildung in Gesundheitsfachberufen zu entscheiden. Wer heute - im März 2026 - eine solche Ausbildung beginnt, bringt Idealismus mit. Wir muten diesen jungen Menschen eine erhebliche Unsicherheit zu. Denn die geltende Förderrichtlinie zur Schulgeldfreiheit läuft Ende 2027 aus. Für viele Auszubildende bedeutet das ganz konkret: Sie wissen nicht, ob sie ihre Ausbildung überhaupt kostenfrei beenden können. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist eine echte Hängepartie!

Und es hat Folgen: Wer nicht weiß, ob er oder sie plötzlich wieder mehrere hundert Euro im Monat zahlen muss, entscheidet sich im Zweifel gegen diese Ausbildung.Ausbildungskapazitäten bleiben dann ungenutzt – und wir verschärfen den Fachkräftemangel sehenden Auges. Das können und dürfen wir uns nicht leisten! Dabei ist die Lage klar: Die Gesundheitsfachberufe sind ein zentraler Pfeiler unserer Versorgung. Gleichzeitig sind die Verdienstmöglichkeiten in vielen dieser Berufe nicht so, dass man vorher hohe Ausbildungskosten guten Gewissens in Kauf nehmen kann.
Oder anders gesagt: Es ist eine Milchmädchenrechnung zu glauben, wir könnten dringend benötigte Fachkräfte gewinnen, während wir ihnen gleichzeitig Unsicherheit zumuten.

Meine Damen und Herren, ein Blick nach Norden zeigt, dass es auch anders geht: In Dänemark ist die Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen fest im Bildungssystem verankert – schulgeldfrei und mit staatlicher Unterstützung. Dort gibt es Klarheit und Verlässlichkeit. Genau diese Verlässlichkeit brauchen wir auch bei uns. Deshalb verfolgen wir mit unserem Antrag zwei klare Ziele. Erstens: Wir wollen die Schulgeldfreiheit verlässlich absichern. Konkret heißt das: Wer eine Ausbildung beginnt, muss sich darauf verlassen können, sie auch schulgeldfrei abschließen zu können. Genau dafür steht der Kohortenschutz nach dem sogenannten „Hamburger Modell“. Das ist nicht nur eine Frage der Fairness – es ist auch eine Frage der ökonomischen Vernunft. Zweitens: Wir brauchen eine tragfähige Lösung auf Bundesebene. Die Gesundheitsministerkonferenz hat bereits 2025 festgestellt, dass die derzeitige Refinanzierung unzureichend ist, insbesondere im ambulanten Bereich.
Gleichzeitig stockt die Berufsgesetzreform, und bisher steht nur für die Physiotherapie-Ausbildung eine Reform im Raum. Eine nur schrittweise oder berufsweise Reform führt zu einem Flickenteppich. Und genau das dürfen wir nicht zulassen.

Meine Damen und Herren, wenn wir über multiprofessionelle Teams in Kitas und Schulen sprechen, wenn wir über eine bessere Versorgung in der Fläche sprechen – dann reden wir auch über genau diese Berufe. Die Fachkräfte von morgen sitzen heute noch in unseren Schulen. Und es liegt in unserer Verantwortung, ihnen den Weg in diese Berufe nicht zu verbauen, sondern ihn attraktiv und verlässlich zu gestalten. Gesundheitsfachberufe wie zum Beispiel Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie verdienen unsere Wertschätzung. Und diese Wertschätzung zeigt sich ganz konkret auch darin, wie wir ihre Ausbildung organisieren.
Lassen Sie uns deshalb ein klares Signal senden: Wer sich für einen Beruf am Menschen entscheidet, den lassen wir nicht im Regen stehen.
Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag.

https://www.ssw.de/themen/gesundheitsfachberufe-muessen-schulgeldfrei-bleiben

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