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Warum wartet Russland mit dem Angriff auf die NATO?

2-07-2026, 17:31 Sicherheit, Internationale Beziehungen, Geopolitik

von Jochen Mitschka

Estland ist bereit, der Ukraine bei der Organisation von Angriffen auf St. Petersburg zu helfen“ Estnischer Präsidialberater, Madis Roll, in einem heimlich aufgezeichneten Gespräch mit den russischen Streichern „Vovan und Lexus“. Er sagte, dass die Leiter der estnischen und ukrainischen Verteidigungsministerien bereits ihre Aktionen zur Attacke auf den Nordwesten Russlands „koordinieren“. Aber das ist längst nicht Alles.

Aber natürlich behaupten westliche Politiker nach wie vor, dass sie nicht im Krieg mit Russland seien. Völkerrechtlich sei die Unterstützung eines angegriffenen Staates zur Selbstverteidigung (gemäß Artikel 51 der UN-Charta) keine Kriegsteilnahme. Während Russland das Gegenteil behauptet. Es habe nach fast 9-jähriger Bombardierung der östlichen Provinzen durch Kiew deren Selbständigkeit anerkannt. Dies mit Hinweis auf den Präzedenzfalls Kosovo, um dann einem Hilfeersuchen dieser vom Westen nicht anerkannten staatlichen Einheiten gegen die Bombardierung und die Nichterfüllung von Minsk2 vozugehen. Mit anderen Worten, Russland bezieht sich auf die gleichen Notwehrreglungen wie Kiew.

Warum ist die NATO im Krieg mit Russland?

Nicht weil Annalena Baerbock, damals Außenministerin, es aus Versehen ausgesprochen hat, sondern z.B. weil Länder gedrängt, ja gezwungen werden, ihre Handelsbeziehungen mit Russland abzubrechen. Weil die NATO-Länder ganz klar die Niederlage Russlands, und nicht Frieden in der Ukraine als Ziel nennen. Weil der Krieg ohne die Hilfe der NATO-Länder gar nicht möglich wäre. Und die Hilfe bedeutet nicht nur hunderte von Milliarden Euro und Dollar Finanzhilfe.

Direkte militärische Hilfe

Militärische Aufklärung und Zielzuweisung

Westliche Aufklärungsdrohnen und Satelliten liefern der Ukraine kontinuierlich Echtzeit-Geodaten. Kritiker argumentieren, dass komplexe Angriffe auf russische Kommandozentralen oder die Schwarzmeerflotte ohne diese NATO-Infrastruktur kaum durchführbar wären.

Bereitstellung von Präzisionswaffen mit Reichweite

Die Lieferung von Waffensystemen wie ATACMS (USA), Storm Shadow (Großbritannien) oder Scalp (Frankreich) inklusive der Freigabe, damit auch militärische Ziele auf international anerkanntem russischen Staatsgebiet anzugreifen, wird von Moskau als direkte Kriegsteilnahme gewertet. Zusätzlich die Bedienung derselben, da, wie ein geleaktes Telefonat zwischen deutschen Offizieren ergab, ohne britische Offiziere vor Ort der Einsatz nicht möglich wäre.

Ausbildung und operative Planung

Zehntausende ukrainische Soldaten wurden und werden in NATO-Staaten an modernem Gerät geschult. Zudem wird vermutet, dass westliche Militärberater im Hintergrund bei der strategischen Planung von Operationen assistieren.

Logistik

Ohne die fortlaufenden Milliardenhilfen für den ukrainischen Staatshaushalt und die pausenlose Lieferung von Munition und Luftabwehrsystemen wäre die Ukraine logistisch nicht in der Lage, den Krieg fortzusetzen.

Planung und Steuerung

Die Zusammenarbeit zwischen der NATO und ukrainischen Offizieren in Deutschland ist real, politisch hochsensibel und konzentriert sich primär auf ein zentrales Hauptquartier in Hessen. Es handelt sich dabei um das NATO-Kommando NSATU (NATO Security Assistance and Training for Ukraine) in Wiesbaden (Lucius-D.-Clay-Kaserne).

Dieses Kommando hat Ende 2024 die Aufgaben der zuvor rein US-geführten Koordinierungsgruppe SAG-U (Security Assistance Group-Ukraine) übernommen. Hier arbeiten rund 700 Soldaten aus rund 30 Nationen – darunter auch ukrainische Verbindungsoffiziere – direkt zusammen.

Natürlich sei diese Gruppe mitnichten in Kampfhandlungen oder Steuerung des Krieges involviert, behauptet die NATO. Es ging nur um Ressourcen- und Bedarfsplanung, Koordinierung der Ausbildung und die Planung langfristiger Interoperabilität. Dafür braucht man halt so viele Offiziere.

Wie dünn das Eis auf diplomatischer Ebene ist, zeigte sich bereits bei der Gründung des Kommandos: Die Bundeswehr und die Bundesregierung drängten innerhalb der NATO massiv darauf, das Projekt bloß nicht als „NATO-Mission“ zu betiteln, um Russland keine Steilvorlage für die Propaganda zu liefern, die NATO schicke eigene Truppen. Am Ende einigte man sich auf den technischen Namen NSATU.

Warum reagiert Russland nicht?

Ein Krieg mit Russland würde sehr schnell nuklear eskalieren. Denn die NATO verfügt über Rüstungsbudgets, welche in keinem Verhältnis zu dem Russlands stehen. Und im Fall einer Kriegswirtschaft in den NATO-Ländern, würden die industriellen Kapazitäten, einschließlich denen, die derzeit gerade verlustig gehen, aktiviert. Russland hat kein Interesse an einem Atomkrieg. Und so lange sich der Krieg trotz der NATO-Unterstützung langsam aber stetig zugunsten Russlands entwickelt, besteht kein unmittelbarer Grund, zu eskalieren.

Diese Zurückhaltung kann sich aber schnell ändern, wenn folgende Entwicklungen eintreten sollten:

Die Aufrüstung Europas, verbunden mit immer schärferer Kriegs-Rhetorik nimmt so drastische Züge an, dass daraus eine unmittelbare Bedrohung für die Existenz Russlands entsteht. Dann könnte sich Russland entschließen, in einem heftigen Präventivschlag, die industriellen Fertigungskapazitäten zumindest von Europa zu zerstören. In der Erwartung, dass die USA nicht aktiv in den Krieg einsteigen. Verbunden mit einem sofortigen Vorschlag für eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur, wie sie von Russland seit fast 30 Jahren vorgeschlagen wird. Nämlich Abrüstung und gegenseitiger Rückzug von potentiellen Erstschlagmitteln von den Grenzen.

Eine weitere Möglichkeit, dass Russland sich „gezwungen“ sieht, die nukleare Karte zu spielen, könnte ein False-Flag Anschlag sein, durch den NATO-Länder beginnen sich aktiv in den Krieg einzumischen, z.B. wie von Frankreich angekündigt, indem französische Soldaten in Odessa stationiert werden.

Link zur Originalveröffentlichung.

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