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Zumutbar, aber unerwünscht: die Wahrheit
7-07-2026, 13:11
Verzweiflung und Erschrecken bestimmen inzwischen das Denken der Minderheit, die ihre Augen nicht „weit geschlossen“ hält. Ein Blick in die nähere und fernere Vergangenheit Europas zeigt allerdings, dass nicht Erkenntnis und Ethik, sondern Realitätsverweigerung schon lange der wahre Kern der Europäer ist.
Romantische Burgen mit Prinzessinnen und edlen Rittern, griechische Philosophen und fesche Römersoldaten, heilige Eremiten und grandiose Kathedralen prägen die Selbstwahrnehmung der Europäer. Wer, wenn nicht wir, hätte einen Anspruch darauf, die Welt zu dominieren. Zwei von Europäern losgetretene Weltkriege, Militärdiktaturen auf der iberischen Halbinsel bis in die 1970er und in Griechenland bis in die 1980er Jahre oder Menschenverbrennungen der Inquisition bis 1781 passen da nicht ins Bild. Mit der Renaissance und den vermeintlichen „Humanisten“ begannen ab 1481 die Scheiterhaufen zu lodern. Verdrängt wird auch, dass rund um den Indischen Ozean friedlich gehandelt wurde, bis die Portugiesen Ende des 15. Jahrhunderts dort auftauchten.
Die europäische Geschichtswahrnehmung ist ein Disneyland der Schönfärberei, um die Kette von Verbrechen ihrer selbsternannten Eliten unsichtbar zu machen. Es waren aber aus dem Norden eingedrungene skandinavische Ritter und Propagandisten eines aus anderen Kulten zusammengefügten Christentums, die in ihrer Allianz den Subkontinent in eine erbarmungslose Sklavenhaltergesellschaft verwandelten. Bis heute wird dies hinter dem Begriff „Feudalgesellschaft“ versteckt. Wenn die konzertierte Niederschlagung des revolutionären Frankreichs durch die Allianz der europäischen Diktaturen noch immer als „Befreiungskriege“ oder bestenfalls „Napoleonische Kriege“ in den Geschichtsbüchern steht, ist klar, dass sich am Charakter europäischer Staaten wenig geändert hat. Nur die Personen hinter den Kulissen haben gewechselt.
Jedes Stadt- oder Dorfjubiläum beruft sich auf ein oft gefälschtes und rückdatiertes Dokument, in dem verklausuliert Enteignung und Entrechtung festgeschrieben wurden. Macht aber nichts – gefeiert wird trotzdem. Hauptsache laut, um die eigene tausendjährige Degradierung nicht zu bemerken. Solange sind die Zeiten her, in denen Wald und Flur im Besitz aller waren. Die aktuellen Vorgänge sind nur eine Neuauflage.
Die materielle, geistige und moralische Insolvenzverschleppung, die wir jetzt erleben, ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Vorgeschichte. Großbauten und technische Errungenschaften sollten darüber nicht hinwegtäuschen. Ohne die im 11. Jahrhundert installierten christlich befeuerten Militärdiktaturen überall in Europa wären technische Fortschritte weit früher erfolgt. Dies belegt das Zivilisationsgefälle der vom katholischen Glauben abgefallenen Länder gegenüber dem katholischen Süden. Da die reformierte Fraktion dennoch nur ein neuer Kopf der Hydra des Kirchenkonzerns war, blieb allerdings eine Befreiung auch im Norden aus. Puritaner und Calvinisten waren aus dem gleichen Holz geschnitzt. Freies Denken und Handeln war unerwünscht.
Fazit
Solange die Europäer nicht einmal die ungeschönten Fakten ihrer eigenen Vergangenheit anerkennen wollen, sondern eine Traumwelt eines fantasierten Paradieses in der Antike und einer vermeintlichen Siegerstraße ad acta legen, wird der weitere Verfall den Realitätsverlust nicht beseitigen. Die Wahrheit ist den Europäern nicht nur zumutbar, sondern die Voraussetzung dafür, ihre Existenz in einem Lügengeflecht zu beenden. Wenn wir es nicht tun, werden uns andere die 3D-Brille vom Gesicht reißen.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
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