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Die EU und das eherne Gesetz der Oligarchie
5-08-2026, 04:21

von Thomas Oysmüller
Die EU ist eine Oligarchie, die von einer kleinen, sich selbst erhaltenden Elite regiert wird. Diese sieht „das Volk“ vor allem als Hindernis für ihr technokratisches Programm. Ein Blick eines US-Politikwissenschaftlers auf die EU, der ihren Untergang vorhersagt.
Der Politikwissenschaftler und Autor Stephen Soukup („The Dictatorship of Woke Capital“) hat ein aktuelles Essay über die EU verfasst. Er prophezeit ihr den Untergang. Hier das Essay auf Deutsch übersetzt und leicht gekürzt:
Vor 27 Jahren prophezeiten mein damaliger Chef Mark Melcher und ich, dass die Europäische Währungsunion den Untergang der EU einleiten würde. Der Euro, so schrieben wir, werde eine soziale, wirtschaftliche und politische Katastrophe und für das Europa des 21. Jahrhunderts das, was die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand für das 20. Jahrhundert war: der Beginn des Zerfalls. Das Problem sei nicht nur, dass die „Politiker“ der verschiedenen Regionen um Wirtschaftspolitik streiten würden – sondern dass am Tisch voraussichtlich nur wirtschaftliche Ignoranten sitzen.
Ab etwa 2010 wiederholte ich diese Prognose jahrelang in meinen Jahresvorschauen: Der Euro werde unweigerlich zusammenbrechen, weil die Ignoranten nicht aufhören können, ökonomischen Unsinn zu betreiben. Irgendwann stellte ich die Vorhersage ein. Zum einen hatte sich mein Fokus geändert, zum anderen war sie überflüssig geworden. Die EU hatte sich bereits selbst wirtschaftlich irrelevant gemacht – durch ihren Hass auf amerikanische Tech-Firmen, die Obsession mit CO₂-Emissionen und die politische Gängelung der Kapitalmärkte. Sie entschied sich bewusst für die Deindustrialisierung und eine düstere wirtschaftliche Zukunft. Der Euro erschien mir letztlich sinnlos.
An den wirtschaftlichen Fehleinschätzungen halte ich fest: Die Ignoranten regieren allein. Selbst Giorgia Meloni, die einzige Eurozonen-Chefin, die vor „industrieller Verödung“ durch die Klimapolitik warnt, unterstützt offiziell die EU-Linie und das Pariser Abkommen. Es sind Ignoranten, wohin man schaut.
Nur war ich wohl falsch mit der Annahme, dass ausgerechnet die Wirtschaftsignoranz den offiziellen Zusammenbruch auslösen würde. Es sind dieselben Leute – nur andere Themen.
Vergangene Woche stürmten zehntausende „Migranten“ aus Marokko die spanische Enklave Ceuta. Die Bilder waren düster: vor allem junge Männer, die sich den Weg nach Europa erkämpften. Mindestens 70 Tote, über tausend Verletzte. Schockierend – und zugleich völlig vorhersehbar.
Spanien ist seit Jahrzehnten Drehscheibe nordafrikanischer und nahöstlicher Migration. Seit den 1980er-Jahren gab es sechs große „außerordentliche Regularisierungen“ – faktisch Amnestien für Illegale. 2005 legalisierte José Luis Rodríguez Zapatero über eine halbe Million. Unter Pedro Sánchez läuft gerade eine weitere, geschätzt 500 000 bis über 800 000 Personen. Ein Gerichtsurteil erschwerte zudem Abschiebungen aus Ceuta und Melilla. Die Regierung räumt offen ein, Massenmigration aus demografischen und arbeitsmarktpolitischen Gründen für notwendig zu halten. Der Anteil der im Ausland Geborenen stieg in weniger als zwei Jahren von 18,2 auf 20,3 Prozent.
Nach dem Ceuta-Chaos forderten mehrere EU-Staaten die Suspendierung Spaniens aus dem Schengen-Raum. Italien (Tajani und Salvini) setzte die Schengen-Beziehungen zu Spanien für einen Monat aus und führte gezielte Kontrollen ein. Frankreich verstärkte die Landgrenzkontrollen, Finnland bereitete eigene Maßnahmen vor. Innenministerin Mari Rantanen formulierte es am schärfsten: „Spaniens Außengrenze ist auch unsere Außengrenze … sie haben versagt, diesen Einfall, diese Invasion zu verhindern.“ Dänemark und Tschechien verlangten ebenfalls die Suspendierung. Sánchez reagierte mit dem Vorwurf, der Rest Europas sei „egoistisch, polarisierend und rechtswidrig“.
Dieser Vorgang – Spaniens erklärte Absicht, möglichst viele Einwanderer aufzunehmen, und die darauffolgenden Schengen-Forderungen – macht die Grundprobleme der EU deutlich.
Erstens zeigt Schengen im Zeitalter der Massenmigration, dass die EU von Anfang an halbgar war. Schengen begann als Nebenabkommen weniger Staaten und wurde erst 1999 per Amsterdamer Vertrag in EU-Recht überführt. Als Franzosen und Niederländer 2005 die EU-Verfassung ablehnten, die Schengen verbindlich machen sollte, ignorierte Brüssel den Volkswillen und setzte das Wesentliche über den Lissabon-Vertrag trotzdem durch.
Zweitens bestätigen der Euro, das Migrationschaos und die Weigerung, den Volkswillen als endgültig zu akzeptieren, Robert Michels’ „eherne Gesetz der Oligarchie“. Michels, Schüler Max Webers, untersuchte die damals demokratischste Massenpartei Europas – die SPD – und fand das Gegenteil von Gleichheit: Auch Organisationen, die auf demokratischen Prinzipien beruhen, entwickeln sich unweigerlich zu Oligarchien mit einer kleinen, sich selbst erhaltenden Führungsschicht. „Wer Organisation sagt, sagt Oligarchie.“
Genau das ist die EU: eine Oligarchie, die das Volk als Störfaktor ihres technokratischen Programms betrachtet und dieses Programm um jeden Preis durchsetzt.
Schließlich wird die EU zerbrechen. Alle utopischen Unternehmungen tun das irgendwann. Vielleicht wird es Schengen und die Migration sein, vielleicht etwas anderes. Das eigentliche Problem des oligarchischen Gesetzes: Solche Systeme können sich nicht selbst reformieren. Die Antwort auf Ceuta und Spaniens Alleingänge wird voraussichtlich noch mehr zentralistische Regulierung sein – und damit die Lage weiter verschlimmern.
Die EU reformiert sich nicht, weil sie es nicht kann. Deshalb wird sie zusammenbrechen.
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