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Die große Erwartung – die Hoffnung, die eine Partei vielleicht nicht erfüllen kann. Teil IV: Transformation von Enttäuschung
Think Tank 6-09-2026, 16:00
von Andreas Funke und Dr. Klaus Maurer
Hoffnung muss realistischer werden, um wieder tragfähig zu sein
Der wichtigste Satz in diesem Zusammenhang lautet sicherlich:
"Deine politische Hoffnung darf scheitern, ohne dass dein Leben scheitern muss."
Eine Partei ist ein politisches Instrument. Sie ist kein Schicksal. Ein Wahlergebnis kann enttäuschen. Eine Regierung kann scheitern. Ein politisches Projekt kann sich als unrealistisch erweisen. Ein Politiker kann Versprechen brechen.
Aber daraus folgt nicht, dass die eigene Existenz sinnlos geworden ist.
Der Mensch ist größer als seine politische Identität.
Er ist Partner oder Partnerin, Vater oder Mutter, Freund, Nachbar, Kollege, Handwerker, Unternehmerin, Vereinsmitglied, Musiker, Sportlerin, Großvater, Tochter, Bruder. Er kann für andere Menschen das Wichtigste im Leben sein, auch wenn "seine" politische Partei verliert. Und er kann morgen Dinge verändern, die keine Regierung verändern kann.
Vielleicht besteht die eigentliche Antwort auf mögliche politische Enttäuschung darin, den Begriff der Hoffnung zu verändern. Politische Propaganda lebt häufig von der "großen Hoffnung": "Wir holen uns unser Land zurück." Oder: "Wir machen Deutschland wieder groß." Oder: "Wir werden alles verändern."
Solche Sätze erzeugen Energie. Aber sie erzeugen auch eine enorme Fallhöhe. Eine robustere Hoffnung ist kleiner. Sie sagt: „Ich kann etwas verändern, nicht alles, aber etwas.“
Ich kann mich um meine Familie kümmern. meinem Nachbarn helfen, mich politisch engagieren. Ich kann wählen, widersprechen, mich informieren. Und: Ich kann in meiner Gemeinde mitarbeiten, kann eine Bürgerinitiative gründen, kann einen Verein oder eine Stiftung gründen oder ihnen beitreten.
Ich kann mich beruflich verändern, mich weiterbilden, mit Menschen sprechen, die anders denken. Das klingt weniger spektakulär als eine politische Wende, ist aber psychologisch unter Umständen nachhaltiger.
Die große politische Hoffnung liegt außerhalb der eigenen Kontrolle. Die kleine persönliche Hoffnung liegt teilweise innerhalb der eigenen Kontrolle.
Hoffnung darf nicht an eine Person oder Partei gebunden werden.
Eine demokratische Gesellschaft sollte ihren Bürgern deshalb etwas anderes anbieten als den Glauben an die Erlösung durch Politik. Sie sollte ihnen politische Wirksamkeit geben.
Das bedeutet: Menschen müssen erleben können, dass ihre Stimme zählt, dass sie an der Funktionsfähigkeit ihrer Gemeinde arbeiten können, dass Behörden erreichbar sind, dass Probleme lösbar sind und dass politische Gegner nicht automatisch Feinde sind.
Ein enttäuschter Wähler beziehungsweise ein enttäuschter Mensch muss nicht davon überzeugt werden, dass seine Sorgen unbegründet sind. Jeder von uns muss wissen:
"Es gibt immer mehr als nur einen Weg, etwas zu verändern."
Das ist vielleicht die wichtigste demokratische Gegenbotschaft zur politischen Erlösungserzählung.
Wer zu dem Ergebnis kommt, dass die Regeln im Rechtsraum der BRD demokratischen Erfolg von Mehrheitsmeinungen zugunsten einer kleinen Machtelite verhindert oder behindert, der kann daran mitwirken, die Regeln zu ändern. Beispielsweise durch eine Bürgerinitiative oder durch Mitarbeit in der NBB – Nationale Befreiungsbewegung – mit dem Ziel der Etablierung eines neuen Grundregelwerkes entsprechend Artikel 146 GG.
Und was ist mit der Gefahr des Suizids?
Hier muss die politische Analyse enden und die menschliche Verantwortung beginnen. Politische Enttäuschung für sich genommen führt wohl nicht zu Suizid. Aber er kann ein Tropfen sein, der "das Fass zum Überlaufen" bringt.
Krisen können entstehen, wenn Menschen das Gefühl von Kontrolle, Orientierung und Zukunft verlieren. Unbewältigte Krisen können unter anderem auch Suizidgedanken auslösen. Wenn mit großen politischen Enttäuschungen zu rechnen ist, sollte man darüber nachdenken, wie man Menschen durch Enttäuschung hindurch begleitet.
Das beginnt im privaten Umfeld. Wenn jemand sagt: "Es hat alles keinen Sinn mehr." Oder: "Jetzt ist alles vorbei." Oder: "Wenn das nicht passiert, kann ich nicht mehr", dann sollte man das nicht als politische Übertreibung abtun. Man sollte nachfragen, nicht diskutieren, nicht verspotten, nicht sagen: "Alles nicht so schlimm – das wird schon …"
Ernst nehmen, zuzuhören, Verzweiflung nicht kleinreden, sondern ausdrücklich fragen, was jemand braucht, damit es für ihn weitergehen kann.
Die Zeit nach der Enttäuschung
Und hier sind wir wieder zurück am Anfang unserer Geschichte. Eines Morgens, Monate nach der enttäuschenden Wahl. Wieder steht auf dem Küchentisch eine Tasse vom Vorabend – "kalter Kaffee". Unser Mann vom Anfang unserer Geschichte hatte einige Monate zuvor eine Enttäuschung zu verarbeiten.
Die Neurowissenschaften wissen seit vielen Jahrzehnten: Wer ins Handeln kommt, kann seiner Psyche einen Gefallen tun. Passives Ertragen von Leid ist das Schlechteste für die Psyche überhaupt und oft der gerade Weg in die Dauerdepression. Tatsächlich kann man in sehr vielen Bereichen ins Tun kommen und etwas bewegen:
Phönix aus der Asche
Unser Mann vom Anfang der Geschichte sitzt in seiner Wohnküche nicht mehr allein. Da ist nicht nur seine Frau, manchmal sogar sein Sohn und Freunde. Viele Freunde. Unser Mann hat erstmal einen Stammtisch ins Leben gerufen. Dort diskutiert er zweimal im Monat mit politisch Gleichgesinnten. Er hat inzwischen mit Mitstreitern einen Verein gegründet - Verbraucherforum Hinterposemuckel. Im Verein helfen sich Vereinsmitglieder gegenseitig. Manchmal wirtschaftlich und manchmal in juristischen Auseinandersetzungen. Sie sprechen weniger über Politik, sondern über wirtschaftliche Autonomie, sauberes Wasser, gesunde Lebensmittel.
Das Leben ist besser geworden. Durch die gegenseitige Hilfe im Verein geht es allen wirtschaftlich besser. Demnächst kann unser Mann einen coolen Urlaub mit seinen von ihm getrennt lebenden Kindern und seiner neuen Freundin machen.
Und da ist noch ein Thema, das ihm keine Ruhe lässt. Er hat inzwischen erfahren, dass es Menschen gibt, die das bestehende System grundlegend hinterfragen und wirkliche Demokratie wollen. Menschen wie er, die annahmen, dass über Wahlen im System und über eine alternative Partei grundlegende Änderungen möglich seien, und enttäuscht wurden.
Eigentlich ist ihm schon lange klar, dass grundlegende Änderungen in unserem Gemeinwesen notwendig sind. In der Schweiz geht es ja auch, dass Menschen im Rahmen des Subsidiaritätsprinzips über Gesetze abstimmen, um auf diese Weise aus dem Ruder laufende Entscheidungen von Regierungen zu korrigieren. Die gegenwärtigen Regeln im Rechtsraum der BRD verhindern demokratischen Erfolg von Mehrheitsmeinungen zugunsten einer kleinen Machtelite.
Unser Mann weiß: Eine wahrhafte Demokratie mit Subsidiarität, Gewaltenteilung, direkter Demokratie etc. kann es nur durch Mitarbeit in der NBB – Nationale Befreiungsbewegung – mit dem Ziel der Etablierung eines neuen Grundregelwerkes entsprechend Artikel 146 GG geben. Und da wird er mitmachen, das weiß er jetzt. Für sich, seine Freundin, seine Freunde und vor allem für die Zukunft seiner Kinder.
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