Auf unserer Website gibt es keine Cookies und keine Web-Analyse.
Wir sammeln grundsätzlich keine Daten über unsere Leser.

Liebe Leserinnen und Leser,

Patria Germania steht für einen verantwortungsvollen Patriotismus, der Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und demokratische Ordnung miteinander verbindet. Wir sind überzeugt: Eine lebendige Demokratie braucht offene Debatten, kritisches Denken und den Mut, auch schwierige Fragen anzusprechen.

Wir analysieren politische Entwicklungen, hinterfragen Entscheidungen und widmen uns Themen, die in der öffentlichen Diskussion häufig zu wenig Raum erhalten. Gemeinsam mit unseren Lesern suchen wir nach Antworten für eine starke, freiheitliche und demokratische Gesellschaft.

Patria Germania versteht sich als Plattform für Menschen, die Verantwortung übernehmen, über die Zukunft unseres Landes nachdenken und sich mit eigenen Ideen an der gesellschaftlichen Debatte beteiligen möchten. Wir freuen uns über Beiträge von Autoren, die nicht nur kritisieren, sondern auch nach Lösungen suchen und sich für die Zukunft unserer Heimat engagieren.

Wir laden alle ein, die mit Sachlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und eigenen Ideen zur Gestaltung der Zukunft unseres Landes beitragen möchten.

Polen stellt sich der Ukraine-Frage

7-07-2026, 19:03

Polen erkennt, dass die Ukraine der neue Konkurrent für Warschau wird. Es geht um mehr als um die Frage, wer das wichtigste Land für die NATO und die USA an der Grenze zum neuen Eisernen Vorhang wird.

Polens führende konservative Zeitung Rzeczpospolita zeigt, wie sich die Stimmung in Polen verändert. Der Journalist Marek Kutarba veröffentlichte einen Beitrag darüber, wie „Wolodymyr Selenskyj gerne den Platz von Donald Tusk in den europäischen Salons einnehmen würde“. Er schrieb: „Aus Kiews Sicht ist der polnisch-ukrainische Streit kein Streit um die Vergangenheit. Es ist der Beginn einer Rivalität um die Zukunft der Region: Wer wird der wichtigste westliche Partner in der Politik gegenüber Russland sein, wer wird die Sicherheitsagenda Mittel- und Osteuropas definieren und wer wird zum politischen Gravitationszentrum in diesem Teil des Kontinents werden.“

Kutarba führte weiter aus:

„Das Problem Warschaus besteht darin, dass Deutschland und die Ukraine gleichzeitig unsere wichtigsten Partner und unsere wichtigsten Konkurrenten sind. Sie unterscheiden sich nur im Ausmaß und in der Art dieser Konkurrenz. Im Fall Deutschlands geht es um strukturelle Dominanz in der EU und die Fähigkeit, die europäische Politik zu bestimmen. Im Fall der Ukraine geht es darum, um den Status eines ‚Schlüsselstaates‘ für den Westen – einschließlich der Vereinigten Staaten – im Kontext der Eindämmung Russlands zu konkurrieren.“

Laut Kutarba ist „die Ukraine nicht mehr bloß ein Nutznießer polnischer Unterstützung. Sie wird zu dem, wozu sie bestimmt war – unserem Konkurrenten. Ein Konkurrent, der dank des Krieges nun ein stärkeres politisches Argument in den Beziehungen zu Washington, Berlin und Brüssel hat als Polen, obwohl Polen eine der größten Armeen der NATO aufbaut. Die Ukraine verfügt inzwischen bereits über eine zweite NATO-Armee, wenn auch außerhalb der NATO-Strukturen.“ Nicht erwähnt wird, dass Deutschland plant, die größte Armee der EU aufzubauen.

Angesichts dessen, was Kutarba schrieb, erkennt Polen endlich die geostrategische Herausforderung, die die Ukraine für es darstellt: einen Rivalen um die regionale Führungsrolle, der mit Deutschland zusammenarbeitet, um Polen einzudämmen. Selenskyjs wichtigster Berater Michail Podoljak hatte bereits im Sommer 2023 ausdrücklich erklärt, dass ihre Länder nach dem Ende des Ukrainekriegs zu Konkurrenten werden würden und dass „wir klar pro-ukrainische Positionen einnehmen, diese Interessen schützen und sie vehement verteidigen werden“. Polens herrschendes Duo ignorierte diese Aussage jedoch.

Przemysław Piasta schrieb kürzlich über die Bedrohung, die ein Nachkriegs-Ukraine für Polen darstellen wird – nur wenige Tage, bevor ein hochrangiger ukrainischer Militär Polen mit Drohnenangriffen auf seine Städte drohte. Zwar ist eine von Kiew unterstützte terroristisch-separatistische Aufstandsbewegung in den südöstlichen polnischen Gebieten, die ukrainische Nationalisten für sich beanspruchen, derzeit unwahrscheinlich. Sie kann in Zukunft jedoch nicht ausgeschlossen werden – ebenso wenig wie das Szenario, dass Deutschland eine solche Bewegung erneut unterstützt, wie es in der Zwischenkriegszeit der Fall war.

Die dringenden nationalen Sicherheitsaufgaben Polens sind daher dreifach:

  1. Die Modernisierung seines peinlich unterentwickelten militärisch-industriellen Komplexes mit einem klaren Fokus auf neue militärische Trends wie den Drohnenkrieg.
  2. Alles Notwendige zu tun – vor allem die dauerhafte Stationierung amerikanischer Streitkräfte und idealerweise auch US-Atomwaffen –, um zum wichtigsten europäischen Verbündeten der USA zu werden.
  3. Sich erfolgreich als wichtigster Staat des mitteleuropäischen „Cordon sanitaire“ zu positionieren, der strategisch den „Wikinger-Block“ und die „Organisation der Turkstaaten“ miteinander verbindet.

Es liegt im gemeinsamen Interesse Deutschlands und der Ukraine, dass Polen bei allen drei Aufgaben scheitert. Nur dann könnte es sich ihrer Vision eines Nachkriegs-Europas unterordnen, in der Polen gemeinsam eingedämmt wird. Beide wollen kein starkes, wohlhabendes und souveränes Polen, das seine nationalen Interessen selbstbewusst verteidigt.

Die Ukraine schwenkt bereits zu ihrem neuen deutschen Militärpatron um und führt einen intensiven Informationskrieg gegen Polen. Es ist daher höchste Zeit, das düstere Schicksal abzuwenden, das Deutschland und die Ukraine für Polen planen.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.

Link zur Originalveröffentlichung.

Ähnliche Nachrichten

Im brandenburgischen Schloss Neu Hardenberg ist die zweitägige Klausurtagung des Bundeskabinetts unter Kanzler Friedrich Merz zu Ende gegangen. 

Weiterlesen

Der französische Politiker Florian Philippot hat in zwei aktuellen Beiträgen scharfe Kritik an Emmanuel Macron geübt. Er wirft dem Präsidenten vor, die nationale Souveränität Frankreichs in der Verteidigungspolitik systematisch aufzugeben – zugunsten einer immer engeren, von Deutschland dominierten europäischen Integration.

Weiterlesen

Zum heutigen Protesttag der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte gegen das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer...

Weiterlesen

Zur Beantwortung unserer Kleinen Anfrage in Bezug auf den Sachstand der Maßnahmenumsetzung im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadt und Land in Kiel-Gaarden erklärt die sozialpolitische Sprecherin der SSW-Ratsfraktion, Ratsmitglied Jaqueline Hörlöck:

„Die Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadt und Land soll helfen, die Drogenproblematik in Gaarden besser zu bewältigen. Wir danken der Stadtverwaltung für die Antwort auf die Kleine Anfrage und nehmen die bisher umgesetzten Maßnahmen wohlwollend zur Kenntnis...

Weiterlesen

Der Mediziner Dr. Gunter Frank und der Immunologe Dr. Kay Klapproth sprechen über den Einbruch der Geburtenzahlen seit 2022. Ausserdem geht es um Todesfälle nach Hitze und nach Impfungen sowie um neue Studien zu HPV- und Corona-Impfstoffen.

Weiterlesen

Eine Frau bringt ihre drei kleinen Kinder um und wird in den USA wie ein Popstar gefeiert. In Berlin fürchtet Swingerin Lotta Frei beim Sex mit Fremden vor allem eines: dass einer rechts sein könnte.

Weiterlesen

Fast 80 Prozent der Wahlberechtigten sind am vergangenen Sonntag in Sachsen-Anhalt losgegangen. Beim letzten Mal waren es 60. 

Weiterlesen

In diesem Video spricht Alex über die Digitale ID.

Weiterlesen

Haushaltsrede von Kreisrat Helmut Freund zeigt Probleme, die ganz Bayern betreffen Ob in Altbayern, Franken oder Schwaben: Bayerns Städte, Gemeinden und Landkreise stehen finanziell mit...

Weiterlesen
Calendar
«September 2026»
MoDiMiDoFrSaSo
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930 
Wenn der Staat seine Feinde sucht: Die Grenzen der wehrhaften Demokratie

Der Kampf gegen Extremismus ist eine der wichtigsten Aufgaben des demokratischen Staates. Doch jeder Kampf gegen einen Gegner verändert auch denjenigen, der ihn führt.

Der Fall der NPD zeigte, wie kompliziert diese Grenze sein kann: Verfassungsschutzbehörden waren mit Informanten in einer Partei präsent, die sie später verbieten lassen wollten. Heute steht Deutschland erneut vor einer Grundfrage: Schützt der Staat die Demokratie – oder kann die Logik des Schutzes selbst politische Wirkungen erzeugen?

Grundgesetz nach Bedarf: Artikel 146 vergessen, Artikel 37 griffbereit

Das Volk darf laut Grundgesetz eine neue Verfassung beschließen. Darüber redet kaum jemand. Über den Bundeszwang gegen eine noch gar nicht existierende AfD-Landesregierung dagegen schon. Zwei Artikel, ein Grundgesetz und eine unbequeme Frage: Welche Macht ist in Deutschland politisch eigentlich erwünscht, die des Souveräns oder die des Staates?

Der mündige Bürger und der erlernte Konsens: Was der Beutelsbacher Konsens über die Grenzen staatlicher politischer Bildung verrät

Deutschland wollte freie Bürger erziehen. Doch was, wenn aus dem Ideal des mündigen Bürgers am Ende ein Bürger geworden ist, der vor allem gelernt hat, welche Antworten als richtig gelten?