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Patzelt analysiert die Wahl in Sachsen-Anhalt: Das kommt jetzt auf uns zu | Interview

8-09-2026, 12:44

Politologe Werner Patzelt über Merz, die CDU und eine AfD-Regierung nach der Wahl in Sachsen-Anhalt.

Die AfD ist in Sachsen-Anhalt mit Abstand stärkste Partei geworden, die absolute Mehrheit hat sie verfehlt. Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt, selbst CDU-Mitglied, erklärt im Gespräch mit Moritz Schwarz, was jetzt beginnt: ein Spiel um Mehrheiten, das Monate dauern kann — bis zu einer Abstimmung über die Auflösung des Landtags oder einem dritten Wahlgang, in dem die einfache Mehrheit reicht.

Wahlkampfaussagen zur absoluten Mehrheit sollte man nicht „als das ewige Gelübde einer Nonne" nehmen, sagt Patzelt. Ein Bündnis mit dem BSW hält er für ein gewaltiges Risiko, wie in Thüringen zu besichtigen. Der AfD am nächsten stehe nach wie vor die Union — ein großer Teil ihrer Wähler und Mitglieder war früher dort. Dass beide Parteien dieses Bündnis ausgeschlossen haben, nennt er das Ergebnis abnormaler Zeiten.

Für die CDU sieht Patzelt einen Kurs, der in eine „nachgerade tödliche Sackgasse" geführt hat: weder mit der AfD noch mit der Linken, und damit ohne Gestaltungsmehrheit. Der Befreiungsschlag könnte darin liegen, aus staatspolitischer Verantwortung mit der AfD zusammenzuwirken — wäre da nicht die Verachtung, die viele AfD-Mitglieder der CDU entgegenbringen. Den Begriff „Überläufer" für CDU-Abgeordnete, die eine AfD-Regierung wählen könnten, hält er für diffamierend: Abgeordnete haben ein freies Mandat.

Und Friedrich Merz? Als Parteivorsitzender könne er stürzen — er habe seine Partei in die Sackgasse manövriert und die Wende von der Politik seiner Vorgängerinnen nicht vollzogen. Als Bundeskanzler sei er sicherer, weil es keinen plausiblen Nachfolger gibt. Vorgezogene Neuwahlen im Bund würden die CDU weiter schrumpfen lassen und die AfD in die Nähe der absoluten Mehrheit bringen. Patzelts Bilanz: ein spektakulärer Durchbruch der AfD — und womöglich „der Anfang vom Ende der CDU, wie wir sie kennen".
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