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61. Bundesversammlung des Südtiroler Schützenbundes

Südtiroler Schützenbund 7-05-2026, 08:34 event Politik

Landeskommandant Christoph Schmid kritisiert Autonomiereform, Olympia-Darstellung und politische Mutlosigkeit – Ehrenmajore ernannt

Mit deutlichen Worten hat der Südtiroler Schützenbund bei seiner 61. Ordentlichen Bundesversammlung in Bozen mehr politische Führung, mehr Einsatz für die Einheit Tirols und eine unmissverständliche Verteidigung der Autonomie eingefordert. Landeskommandant Christoph Schmid sprach von einem Land, das zunehmend führungs- und orientierungslos wirke, während Bundesgeschäftsführer Egon Zemmer eine kämpferische Bilanz eines arbeitsreichen Schützenjahres zog.

BOZEN – Am Samstag, den 18. April 2026, hielt der Südtiroler Schützenbund im Waltherhaus seine 61. Ordentliche Bundesversammlung ab. Im Mittelpunkt standen die politische Lage Südtirols, der Schutz der Autonomie, die Bedeutung des Ehrenamtes sowie der Rückblick auf ein intensives Vereinsjahr.



Landeskommandant Christoph Schmid fand in seiner Grundsatzrede klare Worte. Südtirol leide zunehmend an fehlender Haltung, fehlender Richtung und mangelndem politischen Mut. Ein Land könne nicht auf Dauer verwaltet statt gestaltet werden, gerade eine Minderheit brauche Führungspersönlichkeiten, die Schutzmechanismen, Sprache und Identität entschlossen verteidigten. Besonders kritisch bewertete Schmid die aktuelle Diskussion um die Autonomiereform. Für eine Minderheit sei nichts „bloß technisch“, wenn dadurch Errungenschaften verwässert und zentrale Schutzinstrumente infrage gestellt würden.

Scharf fiel auch die Kritik an Entwicklungen rund um die Olympischen Spiele aus. Es sei bezeichnend, dass der Schützenbund selbst darauf hinweisen musste, dass Südtirol nach außen vielfach nur mit „Anterselva“ und nicht mit Antholz dargestellt wurde. Schmid warnte davor, Sprache, Herkunft und Identität dem internationalen Marketing unterzuordnen. Ebenso mahnte er, Südtirol blicke politisch zu oft nach Rom und zu wenig nach Wien. Das Vaterland Österreich sei keine Randnotiz, sondern Teil von Geschichte, Rechtsgrundlage und Selbstverständnis des Landes.

Der Südtiroler Schützenbund habe, so Schmid, im vergangenen Jahr wiederholt Missstände benannt, Fehlentwicklungen aufgezeigt und dort Haltung bewiesen, wo andere schwiegen. Die Schützen seien kein Randphänomen, sondern Teil der sozialen Mitte des Landes. Gerade deshalb forderte der Landeskommandant mit Nachdruck:

„Dieses Land braucht wieder Führung. Dieses Land braucht wieder Orientierung. Dieses Land braucht wieder den Mut zur eigenen Identität.“




Sozialbilanz

Auch der Jahresbericht von Bundesgeschäftsführer Mjr. Egon Zemmer zeichnete das Bild eines intensiven und fordernden Vereinsjahres. Der Südtiroler Schützenbund könne auf zahlreiche Veranstaltungen, Initiativen und klare Stellungnahmen zurückblicken. Allein im vergangenen Jahr bezog der Bund in rund 50 Stellungnahmen klar Position zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Zemmer warnte vor einer schleichenden Verdrängung von Sprache und Identität, vor der Aufweichung zentraler Autonomieprinzipien und vor einem politischen Klima, in dem gewachsene Rechte allzu leichtfertig behandelt würden.

Zu den Höhepunkten des abgelaufenen Jahres zählten unter anderem die Andreas-Hofer-Gedenkfeiern in Mantua und Meran, das Kerschbaumer-Gedenken, die Gedenkveranstaltung „An der Front – 10 Jahre Gedenkkreuze“, die Teilnahme an der Schützenwallfahrt in Absam, am Großen Zapfenstreich zum Nationalfeiertag sowie zahlreiche weitere Veranstaltungen im ganzen Land. Diese Ereignisse seien, so Zemmer, kein Selbstzweck, sondern Ausdruck gelebter Identität, geschichtlicher Verantwortung und gemeinschaftlicher Verbundenheit.

Breiten Raum nahm auch das Thema Olympia und Tirol-Bewusstsein ein. Der Schützenbund habe die Entwicklungen rund um die Sichtbarkeit Tirols bei den Olympischen Spielen klar kritisiert und mit eigenen Aktionen ein sichtbares Zeichen gesetzt. Die Botschaft sei eindeutig gewesen: „Tirol ist keine Randnotiz – Tirol ist unsere Identität.“ In diesem Zusammenhang verteidigte Zemmer auch die Aktion „Grüß Gott in Tirol“ sowie den Rekurs gegen das Verfahren rund um die TIROL-Aufschrift. „TIROL ist kein Vergehen, TIROL ist unsere Geschichte, TIROL ist unsere Heimat.“

Ein weiterer Schwerpunkt war die Lage des Ehrenamtes. Der Schützenbund erneuerte seinen Appell an die Politik, endlich verlässliche rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen zu schaffen. Ohne funktionierende Voraussetzungen werde es das Ehrenamt, wie man es heute kenne, in Zukunft nicht mehr geben.

Im Rahmen der Bundesversammlung berichteten zudem die Referenten über ihre Tätigkeit im vergangenen Jahr. Jugendreferent Kuno Huber, Bundesmarketenderin Stephanie Mulser, Bundeschießreferent Manuel Facchini, Exerzierreferent Andreas Thoma, Medienreferent Federico Garbellini, Ladiner-Vertreter Emanuel Delmonego sowie Hubert Straudi als Obmann des Herz-Jesu-Notfonds legten Rückblick auf ihre Arbeitsbereiche ab.


Grußworte und Anerkennung

Grußworte an die Versammlung überbrachten unter anderem Landeskommandant Thomas Saurer vom Bund der Tiroler Schützenkompanien, Senator Meinhard Durnwalder, René Mair vom Südtiroler Theaterverband sowie Ettore Facchinelli vom Welschtiroler Schützenbund. Sie würdigten den Einsatz des Südtiroler Schützenbundes für Heimat, Brauchtum, Gemeinschaft und Zusammenhalt.



Ehrenmajore ernannt

Einen besonderen Höhepunkt bildete die Ernennung von Efrem Oberlechner, Robert Ventir und Franzjosef Roner zu Ehrenmajore. Damit würdigte die Bundesversammlung drei Persönlichkeiten, die das Schützenwesen über Jahrzehnte hinweg mit großem Einsatz, Verlässlichkeit und Verantwortung geprägt haben.



Feierlicher Auftakt

Bereits der Auftakt der Bundesversammlung war würdig und feierlich: Im Bozner Dom wurde ein Gottesdienst mit Landeskurat Pater Christoph Waldner OT gefeiert, musikalisch umrahmt von der Musikkapelle Mareit. Anschließend wurde am Peter-Mayr-Denkmal ein Kranz zum Gedenken an die verstorbenen Schützenkameraden und Marketenderinnen niedergelegt. Die Ehrenformation des Schützenbezirks Südliches Wipptal erwies den Verstorbenen mit einer Ehrensalve die letzte Ehre.

Mit der Bundesversammlung setzte der Südtiroler Schützenbund ein deutliches Zeichen: Wer die Zukunft des Landes sichern wolle, müsse Heimat, Sprache, Glaube, Ehrenamt und die Einheit Tirols nicht nur verwalten, sondern entschlossen verteidigen.

https://schuetzen.com/2026/04/18/61-bundesversammlung-2026/

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