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Der Kalte Krieg endete nie – weil die US-Ambitionen für ein globales Imperium nie aufhörten
28-06-2026, 15:25 Politik, Geschichte

von Dr. Peter F. Mayer
Der Grund dafür, dass der Kalte Krieg niemals wirklich zu Ende gegangen ist, liegt nicht in irgendwelchen Missverständnissen oder temporären Konflikten, sondern in der ungebrochenen US-Strategie, ein globales Imperium zu errichten und aufrecht zu erhalten, das den Interessen des westlichen Finanzkapitals dient. Dieses Narrativ durchzieht die gesamte Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts und ist über alle Parteigrenzen hinweg konsistent.
Der Jason Zaharis, Autor eines Artikels bei DD Geopolitics, zeigt auf, dass die US-Außenpolitik seit dem frühen 20. Jahrhundert von einem klaren Ziel geleitet wird: der Sicherung der Hegemonie des US-Dollars, der Kontrolle über Ressourcen und Arbeitskräfte weltweit sowie der Unterdrückung jeglicher sozialistischer, populistischer oder nationaler Befreiungsbewegungen im Globalen Süden. Was offiziell als „Verteidigung der Demokratie“ und „internationale Rechtsordnung“ verkauft wird, dient in der Praxis der Aufrechterhaltung eines unipolaren Systems, in dem die USA und ihre Verbündeten die Regeln diktieren.
Bereits 1918 intervenierten westliche Truppen in Russland, um die junge Sowjetmacht zu bekämpfen – eine Reaktion auf die Oktoberrevolution, die feudale Strukturen zerschlagen und Schulden bei europäischen Banken annulliert hatte. Der Kalte Krieg begann also nicht erst 1945, sondern war die Fortsetzung eines bereits Jahrzehnte andauernden Konflikts gegen jede Form unabhängiger Entwicklung außerhalb des westlichen Kapitalismus.Besonders aufschlussreich ist die historische Unterstützung für das nationalsozialistische Deutschland durch Teile des westlichen Finanzkapitals. Banken wie Chase National Bank, britische Finanziers und US-Konzerne wie Ford, General Motors und Standard Oil halfen mit, ein starkes, antikommunistisches Deutschland aufzubauen – mit dem klaren Ziel, die Sowjetunion zu schwächen oder zu zerstören.
Nach 1991: Fortsetzung unter neuem Label
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 endete der Kalte Krieg nicht, sondern trat in eine neue Phase ein. Statt Entspannung und Kooperation folgte die systematische Verhinderung souveräner Entwicklung in Ländern des Globalen Südens. Mittel dazu waren:
- Wirtschaftliche Instrumente wie der IWF und die Weltbank zur Schuldenfesselung
- Militärische Interventionen und Regimewechsel (Jugoslawien, Irak, Libyen, Syrien, Venezuela)
- Die Ausweitung der NATO nach Osten und die Einkreisung Russlands und Chinas
- Der aktuelle Stellvertreterkrieg in der Ukraine
Diese Politik ist über alle US-Präsidenten hinweg konsistent – von Demokraten bis zu Republikanern. Der Autor beschreibt sie als bipartisane Strategie eines globalen korporativen Oligarchats, das auf Profitmaximierung durch Finanzkapital, Rüstungsindustrie und Ressourcenkontrolle ausgerichtet ist.
Diese Politik ist über alle US-Präsidenten hinweg konsistent – von Demokraten bis zu Republikanern. Der Autor beschreibt sie als bipartisane Strategie eines globalen korporativen Oligarchats, das auf Profitmaximierung durch Finanzkapital, Rüstungsindustrie und Ressourcenkontrolle ausgerichtet ist.
Aktuelle Bestätigungen aus höchster Ebene
Besonders eindrücklich sind zwei Zitate, die der Artikel gegenüberstellt. Wladimir Putin warnte bereits 2007 auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor den Gefahren einer unipolaren Welt:
Fast zwei Jahrzehnte später sprach US-Außenminister Marco Rubio 2026 auf derselben Konferenz und beschwor explizit die Rückkehr zur westlichen Expansion und zum Imperium:
„Für fünf Jahrhunderte, bevor das Ende des Zweiten Weltkriegs kam, expandierte der Westen – seine Missionare, Pilger, Soldaten, Entdecker strömten von seinen Küsten, um Ozeane zu überqueren, neue Kontinente zu besiedeln, riesige Imperien aufzubauen… Zusammen erkannten unsere Vorgänger, dass der Niedergang eine Wahl war, und es war eine Wahl, die sie ablehnten.“
Diese Aussage macht unmissverständlich klar: Der Westen sieht sich weiterhin als imperiale Macht, die expandieren muss – notfalls mit militärischer Gewalt.
Die treibenden Kräfte: Finanzkapital und Militärisch-Industrieller Komplex
Der Artikel betont, dass hinter der Rhetorik von Demokratie und Menschenrechten konkrete wirtschaftliche Interessen stehen. Konzerne wie BlackRock, JP Morgan, Goldman Sachs, ExxonMobil, Boeing oder Lockheed Martin profitieren direkt von Konflikten und der Aufrechterhaltung der Dollar-Hegemonie. Sanktionen, Kriege und Regimewechsel sind keine Störungen des Systems, sondern integraler Bestandteil davon.Gleichzeitig wird jede unabhängige Entwicklung – sei es in Russland, China, im Iran oder in Lateinamerika – als Bedrohung bekämpft, weil sie das Modell der westlichen Ausbeutung in Frage stellt. Die BRICS-Staaten und der Aufstieg einer multipolaren Weltordnung werden daher als existenzielle Herausforderung für das bestehende System wahrgenommen.
Zaharis im O-Ton:

Der Niedergang eines Imperiums
Der Autor zieht den Schluss, dass das US-geführte Imperium ähnlich wie frühere Imperien (Rom, Napoleon, Hitler) an seiner eigenen Überdehnung und den gewaltsamen Versuchen scheitern wird, den Niedergang aufzuhalten. Die Finanzkrise 2008, die Deindustrialisierung, die wachsende Verschuldung der Bevölkerung und der Aufstieg alternativer Machtzentren beschleunigen diesen Prozess.Der Kalte Krieg endete also nie, weil die zugrunde liegenden Ziele – globale Dominanz und Unterdrückung alternativer Entwicklungswege – nie aufgegeben wurden. Wer die aktuellen Konflikte verstehen will, muss diese historische Kontinuität erkennen, statt sich auf die jeweils aktuelle PR-Formel zu verlassen.
Hier das lesenswerte Original: THE COLD WAR NEVER ENDED — BECAUSE US AMBITIONS FOR A GLOBAL EMPIRE DICTATING TERMS NEVER STOPPED – DD Geopolitics (27. Juni 2026)
Es lohnt sich, die historischen Zusammenhänge selbst weiterzuverfolgen – insbesondere die Reden von Putin 2007 und Rubio 2026 sowie die lange Geschichte westlicher Interventionen seit 1918.
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